Gründungsfinanzierung

Eigenkapital oder Fremdkapital: Wie finanziere ich mein Unternehmen?

Sie sind von Ihrer Gründungsidee überzeugt: ein Café in einer besonderen Lage, ein Laden mit selbstgemachten Leckereien – oder ein Tech-Start-up, das mit Künstlicher Intelligenz künftig Unternehmensprozesse vereinfachen will. Was Ihnen aber noch fehlt, ist das nötige Geld, um Ihre Gründungsidee umzusetzen. Dann hilft Ihnen das GründerCenter der Sparkasse KölnBonn weiter – mit einer Finanzierung oder den nötigen Kontakten.

Frau schaut auf Tablet

Der Kauf einer eigenen Wohnung und die Gründung eines Unternehmens haben eine Sache gemeinsam: Für beides benötigt man so viel Geld, dass man üblicherweise auf externe Geldgeber zurückgreifen muss. Allerdings gibt es zwischen einer Immobilie und einer Geschäftsidee einen großen Unterschied: „Bei einem Haus oder einer Wohnung lässt sich schnell über die Lage oder den Zustand herausfinden, wieviel die Immobilie wert ist“, sagt Hendrik Fritzsch, Existenzgründungsexperte der Sparkasse KölnBonn. „Bei einer Geschäftsidee haben wir dagegen keine Vergangenheit, die wir betrachten können, um daraus den Wert in der Zukunft abzuleiten. Wir haben nur die Gründerin und den Gründer sowie das Konzept, das man uns präsentiert.“

Was Sie zum Bankgespräch mitbringen sollten

Bei einer Gründungsfinanzierung spielt die Persönlichkeit des Menschen, der sich selbstständig machen möchte, eine besondere Rolle. „Es geht dabei auch um die Frage, wie überzeugt sie oder er von der eigenen Idee ist, wie viel Leidenschaft eingebracht wird und wie realistisch der eigene Blick auf das Vorhaben ist. Eine Gründerin und ein Gründer müssen schließlich auch ihre Kundinnen und Kunden begeistern und Mitarbeitende führen“, so Fritzsch.

Zusätzlich ist ein schlüssiges Konzept nötig, um eine Finanzierung zu bekommen. „Dazu gehören ein Businessplan, eine Chancen-Risiko-Betrachtung, eine Wettbewerbsanalyse sowie ein Liquiditäts- und Rentabilitätsplan“, sagt der Finanzierungsexperte.

Mann zeigt Grafik am Tablet
Wie Sie das Finanzierungsgespräch vorbereiten
  • Businessplan: Beschreiben Sie Ihr Vorhaben. Wer ist Ihre Konkurrenz? Wie die aktuelle Marktlage? In unserem E-Flyer erfahren Sie mehr zum Inhalt und Aufbau eines Businessplans.
  • Finanzielle Situation: Was wird die Umsetzung Ihrer Geschäftsidee kosten? Haben Sie Rücklagen, auf die Sie zugreifen können? Wie hoch soll die Gründungsfinanzierung sein? In welcher Höhe werden Sie monatlich die Kreditraten zurückzahlen können? Wie lange muss der Kredit entsprechend laufen?
  • Sicherheiten: Wenn die Bank Ihnen einen Kredit gibt, benötigt sie Sicherheiten für den Fall, dass Sie das Darlehen nicht wie vorgesehen zurückzahlen können. Bei einer Immobilienfinanzierung ist das die Wohnung oder das Haus an sich. Bei einer Gründung dienen als Sicherheiten beispielsweise Vermögen in Form von Bankeinlagen, Wertpapieren oder Versicherungen sowie eine Bürgschaft – zum Beispiel der NRW.Bank. Auch Maschinen oder Fahrzeuge aus Ihrem Unternehmen oder die Einrichtung aus Ihrem Laden oder aus Ihrer Praxis können als Sicherheit dienen.
  • Präsentation: Gehen Sie Ihre Unterlagen vor dem Termin einmal komplett durch, um das Projekt schlüssig und verständlich präsentieren zu können. Stellen Sie sich auf Nachfragen ein.

Tipp: Betrachten Sie das Bankgespräch als Ihr erstes Vertriebsgespräch – Sie müssen sich selbst, Ihr Unternehmen und Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung verkaufen können.

Wovon die Höhe des Kapitalbedarfs abhängt

Eine pauschale Aussage dazu, wie hoch eine Finanzierung sein soll, ist nicht möglich. Wir müssen uns zur Bestimmung der passenden Höhe jeden Fall individuell ansehen“, sagt auch Kai André Mischak als Startup-Manager der Sparkasse KölnBonn. „Eine wichtige Rolle dabei spielt die aktuelle Vermögensstruktur, also wie viel Eigenkapital in die Finanzierung eingebracht werden soll. Aber auch, was genau finanziert werden muss, hat einen Einfluss auf die Höhe des Kapitalbedarfs“, sagt Mischak. Ein Beispiel: Wer ein komplett ausgestattetes Restaurant übernimmt, das noch renoviert werden muss, wird mit 40.000 Euro nicht weit kommen. Auch Firmen, die beispielsweise viele Anlagen und Maschinen benötigen, um zu produzieren, brauchen oft sehr hohe Kreditsummen. Denn diese Ausstattung muss vorfinanziert werden. „Von ganz anderen Summen sprechen wir, wenn es um ein Startup zum Beispiel aus der Technologie-Branche geht“, so Mischak. Da werde häufig eine Finanzierung in Millionenhöhe benötigt, um die Entwicklung des Produkts und seinen Vertrieb voranzutreiben. „Startups greifen deshalb oft auf Eigenkapitalquellen von Investoren zurück, denen sie im Gegenzug entsprechende Anteile am Unternehmen zur Verfügung stellen“.

Personen schauen auf Datenblätter

Wie sich klassische Gründungen von Startups bei der Finanzierung unterscheiden

Häufig bringen die Gründerin oder der Gründer eigene Mittel in eine Finanzierung ein. Das sind zum Beispiel Rücklagen oder Privatdarlehen aus der Verwandtschaft, die mit einem Vertrag geregelt werden sollten. „Tatsächlich ist jedoch bis zu einer Kreditsumme von 125.000 Euro nicht zwingend Eigenkapital nötig, da dies in den seltensten Fällen Einfluss auf die Zinskondition hat“, sagt Hendrik Fritzsch. „Wir raten jedoch zu Eigenkapitalrücklagen, da die Realität oft anders aussieht als geplant. Denken wir nur an Gastronomen, die während der Corona-Pandemie ihr Lokal eröffnet haben. Oder an die gestiegenen Kosten in Folge des Kriegs in der Ukraine“. Gründerinnen und Gründer, die sich bei der Sparkasse KölnBonn Geld leihen wollen, interessieren sich daher üblicherweise für Fremdkapital. Es eignet sich vor allem für klassische Gründungen, deren Umsätze in der Zukunft gut planbar sind – das kann beispielsweise ein Café oder ein Friseursalon sein.

Bei Startups ist die Ausgangslage komplizierter. Denn die Umsätze, die Nachfrageentwicklungen und die Marktfähigkeit der Produkte beziehungsweise der Dienstleistungen sind meist schwieriger zu bewerten. Fremdkapital eignet sich bei Startups darum vor allem als Beimischung, um von den Vorteilen dieser Kapitalform zu profitieren. Die wichtigere Rolle spielt bei diesen Gründungen aber Eigenkapital. Dazu gehört Venture Capital (VC), auch Beteiligungs- oder Wagniskapital genannt. Diese Form der Finanzierung richtet sich vor allem an Unternehmen, die zum Start viel Geld benötigen und schnell wachsen können.

Die Vorteile von Fremdkapital

Wenn sich ein Startup am Markt etabliert hat und die Umsätze und der Gewinn stimmen, kann es für die Firma interessant werden, finanziell umzustrukturieren. Die Vorteile: Der Fremdkredit ist finanziell günstiger als das, was die Wagniskapitalgeber wünschen – trotz gestiegener Zinsen. Hinzu kommt: Die Zinsen lassen sich steuerlich absetzen. „Außerdem wollen wir uns nicht in die Unternehmenssteuerung einbringen“, sagt Kai André Mischak. „An unserem Erfahrungsschatz lassen wir unsere Gründerinnen und Gründer trotzdem gerne teilhaben. Und das, ohne Erfolgsdruck aufzubauen.“ Denn im Gegensatz zu VC-Gebern ist es für die Sparkasse KölnBonn nicht wichtig, dass dieses möglichst schnell wächst und hohe Gewinne erzielt. „Bei unserem Fremdkapital hat man außerdem Planungssicherheit, denn von Anfang an steht fest, welche Summe monatlich zurückgezahlt werden muss“, so Hendrik Fritzsch.

Weil vielen jungen Unternehmen die Vorteile der Fremdkapitalisierung gar nicht so bekannt sind, sprechen die Mitarbeitenden aus dem GründerCenter auch junge Unternehmen an, deren Werdegang sie in Köln und Bonn aufmerksam verfolgen. „Ob Startup oder Existenzgründung – wir stehen gerne als Kooperationspartner bereit“, sind sich beide einig.

Zwei stehende Personen schauen zusammen auf ein Blatt

Oft sind die Rahmenbedingungen bei Startups so, dass zu Beginn nur eine Finanzierung über Eigenkapital möglich ist: „Ein Startup, das damit rechnet, über mehrere Jahre keinen Gewinn zu machen, gleichzeitig aber hohe Ausgaben hat, wird bei uns nur schwer Fremdkapital bekommen“, erklärt Kai André Mischak. Denn die Sparkasse trägt zu einhundert Prozent das Ausfallrisiko bei einer gleichzeitig beschränkten Wachstumschance: „Schließlich sind wir nicht an den Unternehmen beteiligt und profitieren entsprechend nicht davon, wenn sie an Wert gewinnen“, sagt Mischak. Die Höhe der Zinsrendite für die Sparkasse KölnBonn entspräche bei einer solchen Finanzierung jedoch nicht dem Risiko, das sie tragen muss.

Venture Capital oder Business Angels?

Wenn für Fremdkapital noch nicht der richtige Zeitpunkt sein sollte, stellt die Sparkasse KölnBonn den Kontakt zu ihren Netzwerkpartnern her. Die Sparkasse KölnBonn unterstützt beispielsweise den Kölner Earlystage VC-Fonds Neoteq Ventures und stellt zu ihm bei Bedarf einen Kontakt her. „In unserem Netzwerk in der Region sind aber auch viele Business Angels“, sagt Hendrik Fritzsch. Mit diesen Kontakten unterstützt die Sparkasse KölnBonn ihre Kundinnen und Kunden. Business Angels sind private Investoren, die mit ihrem Vermögen und ihrer Erfahrung Gründerinnen und Gründer in der ganz frühen Phase fördern. Dafür wollen sie üblicherweise im Gegensatz zur Sparkasse KölnBonn am Unternehmen beteiligt werden und Mitspracherechte haben. Ihre Expertise kann für Firmen vorteilhaft sein, denn die Business Angels agieren auch als Coaches für die Gründerinnen und Gründer. Aber: „Hat man Einfluss und Unternehmensanteile abgegeben, wird es schwierig, sie wieder zurückzugewinnen“, ergänzt Mischak.

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