Geldanlage via Robo-Advisor: Ihre Route wird berechnet

Robo-Advisor bieten sich als digitale Helfer bei der Geldanlage an. Banken und Finanz-Start-ups werben mit Programmen, die passende Finanzprodukte empfehlen und auswählen. Doch hinter dem Schlagwort verbergen sich recht unterschiedliche Produkte. Und komplett ersetzen lässt sich der Mensch durch die neuen Tools nicht.
 

Oktober 2019

Foto: Sompong Sriphet/ EyeEm

Bevestor begleitet bei der Geldanlage, Robin rät zum richtigen Finanzprodukt, Fintego findet Fonds, Scalable Capital will – der Name ist Programm – das eingesetzte Kapital vermehren. Banken und Finanz-Start-ups haben in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe an digitalen Helfern mit wohlklingenden Namen an den Start gebracht. Ihre Aufgabe: Sie sollen den Kunden automatisiert passende Anlageprodukte empfehlen – und nehmen ihnen einiges an Arbeit ab, wenn es um das Auswählen und Verwalten der verschiedenen Möglichkeiten geht. 

Die Softwareprogramme sollen die Arbeit von Bankberatern ergänzen und in manchen Fällen sogar ersetzen. Das spiegelt sich auch im Namen wider: Alle diese Anwendungen fungieren als „Robo-Advisor“. Noch ist dieses Segment vergleichsweise neu und klein, wächst aber rapide: Branchenschätzungen zufolge dürften in Deutschland etwa 3,8 Milliarden Euro von Robo-Advisorn verwaltet werden, hieß es in einer Analyse der Deutschen Bank vom Jahresbeginn – zwei Jahre zuvor waren es gerade einmal 300 Millionen Euro. 

„Es handelt sich in diesem Segment um keine Revolution bei der Geldanlage.“

Beratungshaus FondsConsult

Die Roboter stellen trotz mancher Werbeversprechen nicht das gesamte Bankgeschäft auf den Kopf. „Es handelt sich in diesem Segment um keine Revolution bei der Geldanlage“, urteilt das Beratungshaus FondsConsult, das im Frühjahr die bislang umfassendste Studie zu dem Thema vorlegte. Hinter dem Oberbegriff verbergen sich durchaus unterschiedliche Angebote. Einige der automatisierten Berater lohnen sich für die einmalige Anlage größerer Geldpakete, andere eher für regelmäßige und langfristige Sparpläne. Die Robo-Advisor können für einige Anleger ein wichtiger Helfer werden. Die komplette Arbeit rund um die Geldanlage nehmen die Programme jedoch niemandem ab. 
 

Empfehlungen für die passenden ETFs

Einige Vorteile bringen die Robo-Advisor mit: Gut gemachte Anwendungen führen Anleger sehr strukturiert durch die wichtigsten Fragen. Wie viel will man anlegen, wie viel will man riskieren, wie soll das Geld angelegt und verteilt werden. Die automatisierte Abfrage führt oft zu individuellen Portfolios. Diesen Betreuungsgrad bieten traditionelle Banken meist nur wohlhabenden Kunden an. Im Vergleich zu einer persönlichen Beratung stellen die Programme einen „einfacheren Zugang zu professionellen Finanzberatungs- und Vermögensverwaltungsangeboten“ dar, urteilt das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB).

Zudem können die Robo-Advisor dem traditionellen Sparer helfen, andere Anlagemöglichkeiten zu nutzen. Jenseits des Tagesgelds herrscht da oft noch Nachholbedarf. In Deutschland investieren traditionell relativ wenige Sparer direkt oder indirekt in Aktien – laut jüngsten Zahlen etwa jeder sechste Bundesbürger über 14 Jahren. Robo-Advisor sind geeignet, den Schritt in diese Anlageklasse zu vereinfachen. 

Denn hinter der Robo-Oberfläche verstecken sich in der Regel relativ simple Anlagestrategien. Wenn das Programme weiß, was dem neuen Anleger wichtig ist, investiert das Programm in den meisten Fällen in eine Auswahl sogenannte Indexfonds, auch als ETFs (Exchange Traded Funds) bekannt. Diese bilden meist bekannte Aktienindizes, etwa den Dax oder eine Sammlung von Tech-Aktien, nach. Weil das automatisiert geschieht, kosten diese Fonds meist nur relativ geringe Gebühren. Dazu mischen einige Anbieter auch noch Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen. 

Die genauen Modelle unterscheiden sich. Manche Robo-Advisor erstellen nach der ersten Einschätzung ein Portfolio und bleiben dann dabei. Andere gehen von einem Risikoprofil des Anlegers aus und steuern immer mal wieder nach – hier ein paar mehr ETFs aus Schwellenländern, dort ein paar Industrie-Werte weniger. Ein weiterer Vorteil: Die digitalen Berater stehen unabhängig von Filialöffnungszeiten bereit. Bei vielen Angeboten lässt sich zudem in einer Viertelstunde bereits ein erstes Depot eröffnen. 
 

Risiken und Nebenwirkungen der Robo-Advisor

Roboter sollen die Effizienz verbessern – das ist in der Geldanlage nicht anders als in der Fabrik. Erst einmal kosten die Programme aber. Die Spanne der jährlichen Gebühren erstreckt sich grob zwischen 0,5 und zwei Prozent der Anlagesumme. Eine Faustregel: Je mehr Veränderungen bei der Anlagestrategie stattfinden, je mehr auch Investmentprofis an Entscheidungen beteiligt sind, desto höher sind die Gebühren. Bei einigen Anbietern arbeiten hinter den Algorithmen auch Investmentberater, die die ausgewählten Fonds neu kombinieren.

„Die Kunden müssen also in die Lage versetzt werden, diese Risiken abschätzen zu können.“

Analysten des TAB

Zwar erleichtern viele der automatisierten Advisor den Einstieg in die Geldanlage. Bei der Auswahl des passenden Programms herrscht aber noch viel Intransparenz. Die Anbieter suchen oft noch die Balance zwischen einer simplen Benutzerführung und einer umfangreichen Information über ausgewählte Finanzprodukte. Je nach der vom Roboter empfohlenen Mischung kann auch das Risiko steigen, einen Teil seines Geldes zu verlieren – falls etwa die gewählten Aktienindizes in den Keller rauschen. „Die Kunden müssen also in die Lage versetzt werden, diese Risiken abschätzen zu können“, mahnen die Analysten des TAB.

Ein weiteres Beispiel: Durch die Vergleichsoptik kann eine Robo-Advisor-Auswahl an einen unabhängigen Anbietern erinnern. Doch mancher Algorithmus ermittelt zwar das individuelle Risikoprofil, hat aber nur die Fonds der Hausbank im Angebot. 

Marktbeobachter entdeckten außerdem: In der Vergangenheit wuchs nicht unbedingt das Angebot mit der besten Rendite am stärksten. Entscheidend waren dagegen häufig große Werbeoffensiven der Banken oder Fintechs. Manche locken neue Anleger etwa mit einer Geldprämie, wie bei der Abogewinnung von Zeitungsabos. 

Rentieren sich die Roboter?

Lohnt es sich, statt auf menschliche Empathie auf rational rechnende Robo-Berater zu setzen? Im Februar hatte die Börsenredaktion der ARD nachgerechnet. Ihr Ergebnis: 2018 sackten die Renditen der Robo-Advisor im Schnitt um 5,5 Prozent ab. Damit verloren sie aber immer noch weniger als aktiv verwaltete Fonds oder einzelne ETFs. 

Ein aktueller Leistungsvergleich der unabhängigen Finanzberatung Biallo zeigt die Bandbreite: Bei einer defensiven Anlagestrategie schwankt der Zuwachs vor Abzug der Gebühren zwischen 2,2 und 7,8 Prozent in einem Jahr. Nur etwa die Hälfte der aufgeführten Anbieter ist überhaupt schon seit drei Jahren am Markt – alle liefern aber um die 15 Prozent Performance ab. Über die Entwicklung in den kommenden Monaten und Jahren sagt das natürlich wenig aus.

Damit steht fest: Die automatisierten Helfer können Anlegern dabei helfen, neue Finanzprodukte für sich zu entdecken. Doch die Verantwortung für die eigene Geldanlage kann man an die Robo-Advisor nicht auslagern. Dafür tut sich schon bei den Anbietern zu viel. Mal kommen neue Programme auf den Markt, mal ändern bestehende ihre Vertragsbedingungen, mal ziehen sich junge Finanz-Start-ups zurück. „Der noch junge Markt der Robo-Advisor befindet sich weiterhin in dynamischer Bewegung“, heißt es bei FondsConsult. 

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