Keine Angst vor Wertpapieren

In Wertpapiere zu investieren und Gewinne zu erzielen, ist hierzulande wenig populär. Prof. Dr. Detlef Fetchenhauer erläutert, woher diese Berührungsängste kommen und warum sie irrational sind. 

Prof. Dr. Fetchenhauer, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschafts- und Sozialpsychologie an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln. (Foto: Lisa Beller)

Den Niedrigzinsen zum Trotz halten sich viele Deutsche von Wertpapieren fern. Weshalb? 
Im Wertpapiergeschäft können Sie viel gewinnen, aber eben auch viel verlieren. Deshalb sind Menschen bei dieser Geldanlage oft risikoscheu – und wir Deutschen ganz besonders. Die Gründe dafür liegen in unserer Vergangenheit. Denken Sie nur an die 1920er-Jahre mit ihrer dramatischen Geldentwertung, die Einführung einer neuen Währung 1948 oder die jüngsten Finanzkrisen. Das hat bei uns eine Art Urangst entstehen lassen, dass man sein Geld verlieren könnte. Deshalb ist uns Währungsstabilität auch wichtiger als eine hohe Rendite.

Sind Anleger in anderen Ländern rationaler als wir?
Ja. Während die Idee, Geld anzulegen und aus sich heraus zu vermehren, von vielen Deutschen als unmoralisch verurteilt wird, bewundert man in Großbritannien oder den USA Menschen, denen das gelingt. In typischen Händlernationen hat man über die Jahrhunderte Erfahrungen mit sogenannten Arbitrage-Gewinnen gemacht: Sie kaufen etwas für einen geringeren Preis, als es später wiederverkauft wird. Dieses Phänomen hat zu positiven Lernerfahrungen geführt. Auch die Idee, Geld zu verleihen und daraus sein Einkommen zu generieren, gilt als unproblematisch. Die Kreditaufnahme wird als positive Investition in zukünftige Erträge gesehen, Kreditgeber und -nehmer haben etwas davon. Das hat dort nichts Anrüchiges.

Bei uns schon? 
Ja, in Deutschland gab es im Kreditwesen lange Zeit ein Zinsverbot, was Vorbehalte gegen die Finanzindustrie geschürt hat. Auch heute ist bei uns die Abneigung gegen die Finanzbranche weitverbreitet und das Thema Geldanlage negativ besetzt. Investmentbanker gelten deshalb als „böse“, sie „spielen“ mit dem Geld anderer, „verzocken“ es – das sind Begriffe, die uns schnell über die Lippen kommen.

Warum spielt rund ein Drittel der Deutschen aktiv Lotto – mit viel geringeren Gewinnaussichten? 
Lotto ist die kleine Dosis, die man sich gönnt. Das Ausfüllen des Lottoscheins, der Gang zur Annahmestelle haben etwas Rituelles. Hinzu kommt ein Konsumaspekt: Man kauft sich die Chance, sein Geld dramatisch zu vermehren, man kauft das Hoffen und Bangen. Das hat mit rationalem Nachdenken über Geldanlage nichts zu tun. 

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