Mehr Grün ins Depot

Geld ökologisch oder ethisch korrekt anlegen – das galt lange Zeit als etwas für träumerische Weltverbesserer. Doch dieses Öko-Image ist passé. Das Angebot an verantwortungsvollen Investments ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. 

Oktober 2019

Foto: Stocksy/Javier Pardina

Vom Zinspapier bis hin zu Fonds – jeder Anlegertyp wird bei „grünen“  Investments fündig. Dass grüne Anlagen dabei weniger Rendite abwerfen als herkömmliche Investments, ist ein überholtes Vorurteil.

3,125 Prozent – so viel Zinsen zahlt der Agrar- und Baukonzern BayWa auf seine Anleihe, die er im Juni Investoren angeboten hat. Angesichts der allgemein niedrigen Zinsen ein faires Angebot, möchte man meinen – und das gleich im doppelten Sinne. Denn das Papier ist ein sogenannter Green Bond (siehe Kasten). Mit dem Erlös aus der Emission darf BayWa nicht irgendwelche Investitionsprojekte finanzieren. Nur neue und bestehende Wind- und Solarenergieanlagen kommen dafür infrage. So steht es in den Emissionsbedingungen der Anleihe.
 

Green Bonds

Immer häufiger legen Unternehmen und andere Institutionen Green Bonds auf und bieten sie am Kapitalmarkt Investoren an. Das Kapital, das mit diesen speziellen Anleihen aufgenommen wird, darf ausschließlich zur Finanzierung von ökologischen oder nachhaltigen Projekten verwendet werden. Der Markt für Green Bonds wächst rasant. Im ersten Quartal dieses Jahres wurden einer Analyse der Ratingagentur Moody’s zufolge grüne Anleihen über insgesamt 47,2 Milliarden US-Dollar platziert. Das ist ein Anstieg um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Etwa die Hälfte des Volumens entfällt dabei auf Emittenten in Europa. Noch sind Green Bonds ein sehr junges Finanzinstrument. Exakte Kriterien, wann eine Anleihe als „grün“ gilt, gibt es nicht. Fest steht allerdings, dass das Geld, das mit der Emission der Anleihe aufgenommen wird, für Finanzierungen verwendet wird, die ESG-Kriterien entsprechen.

Mehr als niedrige einstellige Renditen sind mit soliden Green Bonds jedoch nicht zu erzielen. Anleger, die einen höheren Coupon erzielen möchten, müssen Abstriche bei der Solvenz des Schuldners machen. Das Verlustrisiko steigt dann erheblich.

Wachstumschancen bei „grünen“ Aktien

Deutlich größere Chancen bestehen nach Einschätzung von Anlageexperten bei „grünen“ Aktien – Unternehmen zum Beispiel, die sich im Bereich Umwelttechnik, erneuerbare Energien oder Umweltinfrastruktur tummeln. Verbraucher und Industrie sind durch gesetzliche Vorgaben gezwungen, immer stärker auf energieeffiziente Technologien auszuweichen – zum Beispiel Elektroautos zu kaufen oder wärmedämmende Systeme an Häuserfassaden und auf Dächern zu installieren. „Dadurch bestehen im Einzelfall große Wachstumschancen – mit positiven Auswirkungen für die Aktien von Unternehmen, die Lösungen dafür anbieten“, sagt Christoph Groß, Nachhaltigkeitsexperte und Fondsmanager bei der LBBW Asset Management.

Doch es müssen nicht unbedingt unbekannte Hightechfirmen sein, um in nachhaltige Aktien zu investieren. Eine andere Strategie ist, die Anteile großer, bekannter Konzerne zu kaufen, die in ihrer Branche in puncto Nachhaltigkeit führend sind. Experten nennen das den Best-in-Class-Ansatz. Ein schonender Umgang mit Ressourcen, so das Kalkül dahinter, senkt zum Beispiel auf Dauer die Kosten in der Produktion und sorgt damit für gute Zahlen bei diesen Unternehmen.

Die Besten aus den Guten – die nachhaltige Indexwelt


So wie der Deutsche Aktienindex den deutschen Aktienmarktes repräsentiert, gibt es eine Reihe von Indizes, die ausschließlich nachhaltige Aktien aufnehmen und deren Wertentwicklung nachverfolgen. Das  bekannteste Börsenbarometer ist hierzulande der Natur-Aktien-Index (NAI).  Er bezieht sich ausschließlich auf den deutschen Aktienmarkt. Internationale Bedeutung haben zum Beispiel der MSCI-ESG-Index beziehungsweise -SRI-Index (die Abkürzung SRI steht für Socially Responsible Investment) oder der Dow-Jones-Sustainability-Index (DJSI).

Der Vorteil bei diesen Indizes aus Sicht von Anlegern: Der Indexbetreiber klopft zusammen mit speziellen Agenturen Unternehmen darauf hin ab, ob und wie gut sie festgelegten ESG-Kriterien entsprechen, bevor sie in dem Index landen. Dennoch unterscheiden sich die Indexkonzepte der Anbieter im Einzelnen. Der Dow-Jones-Sustainability-World-Index zum Beispiel versammelt aus dem rund 3.000 Titeln umfassenden Dow-Jones-Global-Index diejenigen, die innerhalb ihrer Branche nach ökologischen, ökonomischen und sozialen Gesichtspunkten zu den besten zehn Prozent gehören.

Diese Systematik wird als Best-in-Class-Ansatz bezeichnet. Der Index wird zusätzlich auch in einer Variante berechnet, bei der die Branchen Tabak, Alkohol, Glücksspiel, Waffen und Rüstung außen vor bleiben. Dagegen fokussiert sich der der weltweit orientierte FTSE4Good-Index auf Unternehmen, die sich besonders im Bereich der Corporate Social Responsibility (CSR) engagieren. Branchen wie Rüstung, Tabak und Atomwirtschaft sind tabu. Der auf Deutschland fokussierte Natur-Aktien-Index NAI konzentriert sich auf diejenigen Unternehmen, die in ökologischer, ethischer und sozialer Hinsicht eine herausragende Position und Vorbildfunktion einnehmen.

Die Schwierigkeit dabei: Welche Konzerne wirkliche „Nachhaltigkeitschampions“ sind und in Sachen Ökologie und fairen Arbeits- und Lieferbedingungen zur obersten Liga weltweit gehören, ist schwer zu durchschauen. „Für einen privaten Anleger bedeutet es einen ziemlichen Aufwand, Unternehmen nach dem Best-in-Class-Prinzip vom Kurszettel herauszufiltern“, sagt Holger Horstmann von der Sparkasse KölnBonn „Einfacher ist es, zu einem auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Aktienfonds zu greifen und diese Aufgabe den Experten im Fondsmanagement zu überlassen."

„Dass Anleger mit diesen Fonds schlechter abschneiden als mit herkömmlichen Produkten, stimmt so nicht.“

Holger Horstmann, Sparkasse KölnBonn

Das Angebot an speziellen Öko- oder Nachhaltigkeitsfonds ist groß. Auch gut ein Dutzend „grüne“ börsengehandelte Indexfonds – sogenannte Exchange Traded Funds (ETFs) – gibt es mittlerweile. Vorteil: ETFs sind kostengünstiger als aktiv gemanagte Fonds. Deren Fondsmanager nehmen allerdings keine eigenen Entscheidungen vor. Sie orientieren sich an einem der Nachhaltigkeitsindizes (siehe Kasten) und verlassen sich auf die Auswahl des jeweiligen Indexbetreibers. Allerdings: Eine messerscharfe Abgrenzung in Sachen Nachhaltigkeit liefern die Indizes nicht. Es bleiben im Einzelfall Unschärfen. Ist ein Unternehmen zum Beispiel noch für ein ethisches Investment geeignet, wenn es zwar zivile Güter herstellt, diese aber auch von der Armee gekauft werden? Und wie sieht es bei großen Konzernen mit Tochtergesellschaften und Unternehmen in „problematischen“ Branchen aus, an denen nur eine Minderheitsbeteiligung gehalten wird? Diese Fragen werden je nach Indexkonzept unterschiedlich beantwortet. Anleger müssen sich daher vor einem Einstieg überlegen, wie genau sie ihren Nachhaltigkeitsansatz definieren und bei ihren Anlagen durchhalten wollen. In den Unterlagen, die bei fast allen Fonds im Netz zum Download zur Verfügung stehen, kann jeder Interessierte nachlesen, welche nachhaltigen Aspekte der jeweilige Fonds berücksichtigt – und das mit den eigenen Vorstellungen abgleichen.

Nachhaltigkeits- oder Ökofonds haben jedoch einen generellen Vorteil: Die breite Streuung des Fondsdepots auf viele verschiedene Titel senkt das Anlagerisiko gegenüber dem Kauf einer einzelnen Aktie. Holger Horstmann, Experte bei der Sparkasse KölnBonn empfiehlt allerdings:

„Wie bei jeder Geldanlage sollte der Privatanleger aber auch die klare Entscheidung treffen, ob ein nachhaltiges Investment mit seinen Anlagezielen übereinstimmt und seiner persönlichen Risikoneigung entspricht.“
 

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