Bargeld lacht

Bargeld ist nach wie vor das am häufigsten genutzte Zahlungsmittel: 74 Prozent aller Transaktionen wurden 2017 mit Banknoten und Münzen getätigt. Über die Liebe zum Bargeld sprachen wir mit Mirko Feld, Direktor der Filialdirektion Bad Godesberg der Sparkasse KölnBonn.

 

Foto: Getty Images/Rodolfo Glcksberg/EyeEm

Bargeld lacht. Und zwar laut und vernehmlich, nach wie vor. Die Bundesbank befragt seit 2008 alle drei Jahre die deutschen Haushalte zu deren Zahlungsverhalten. Im Dezember legte sie die jüngste Studie „Zahlungsverhalten in Deutschland“ vor. Sie zeigt: Nach wie vor sind Banknoten und Münzen das Maß aller Dinge – sie stehen für drei Viertel aller Zahlvorgänge. Bei kleinen Beträgen bis fünf Euro ist die Situation noch klarer: Sie werden nach wie vor fast ausschließlich, nämlich zu 96 Prozent, bar bezahlt. Dennoch ist eine langsame Veränderung spürbar. 2014 spielte Bargeld noch bei 79 Prozent aller Transaktionen eine Rolle. Dessen Einsatz geht also zurück. Was den Umsatz mit Bargeld betrifft, so fiel dieser erstmals seit Beginn der Erhebungen auf unter 50 Prozent. Umgekehrt stieg die Nutzung von Debitkarten – hauptsächlich Girocards mit PIN oder Unterschrift – um knapp sechs auf 35 Prozent, was den Umsatz betrifft. 19 Prozent aller Zahlvorgänge – vier Prozent mehr als 2014 – entfielen 2017 auf Debitkarten.

Herr Feld, Bargeld spielt für die Deutschen offenbar nach wie vor eine wesentliche Rolle. Erleben Sie das in Ihrem Geschäftsalltag auch so?
Auf jeden Fall. Die Ergebnisse der Bundesbank-Studie decken sich mit meiner Erfahrung. Ob Tickets für den Nahverkehr, Tickets im Parkhaus oder kleine Einkäufe: Hier bei uns zahlen die Menschen das fast immer mit Bargeld. Wenn ich auf Reisen im Ausland bin, beobachte ich, dass dort in ähnlichen Fällen viel häufiger unbar gezahlt wird.

Welche Folgen hat unsere Liebe zum Bargeld?
Schwierigkeiten sehe ich vor allem auf Seiten der Händler, aber auch Betreiber von Ticket- und Geldautomaten. Einzelhändler beispielsweise müssen viel Bargeld vorhalten und regelmäßig Bargeld zur Bank oder Sparkasse bringen. Das ist natürlich ein ständiges Sicherheitsrisiko.

Würden sich die Einzelhändler denn mehr bargeldlosen Zahlungsverkehr wünschen?
Die einen ja. Andere jedoch sind zurückhaltend und haben die Sorge, die Umstellung auf bargeldlose Zahlverfahren wäre sehr kompliziert und teuer. Beides trifft nicht zu. Bargeldloses Zahlen ist für die Händler viel sicherer – und bei der Einführung entsprechender Hard- und Software unterstützen wir unsere Handelskunden.

Gäbe es im Handel mehr Angebote, bargeldlos zu zahlen, würden die Deutschen also eher vom Bargeld lassen?
Wenn Sie ihre Kunden ausdrücklich zum bargeldlosen Zahlen ermuntern würden, glaube ich schon, dass sich der Mentalitätswandel beschleunigen würde. Aber Bargeld spielt schon noch eine mächtige Rolle. Wir erleben zum Beispiel nach wie vor an Ultimo, also beim Monatswechsel, dass viele, vor allem ältere Kunden Bargeld abheben, oft für den gesamten Monat. Man glaubt es gar nicht, aber diesen „Ultimo-Ansturm“ gibt es immer noch.

Keine Änderung in Sicht?
Ich bin mir sicher, dass die Akzeptanz des bargeldlosen Zahlens stark steigen wird, wenn es technisch noch einfacher wird. Im kontaktlosen Zahlen beispielsweise steckt viel Potenzial. Wenn man ohne Sicherheitsbedenken nur noch seine girocard vor einen Sensor halten muss und das bereits die Zahlung auslöst, dann bin ich überzeugt, dass die Bereitschaft, ständig die Bargeldmenge im eigenen Portemonnaie zu prüfen und regelmäßig an EC-Automaten zu gehen, um sich mit Banknoten zu versorgen, rapide sinken wird. Sogar meine 78-jährige Mutter würde das nutzen!

Mirko Feld
Direktor der Filialdirektion Bad Godesberg der Sparkasse KölnBonn

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