Der Rückhalt der Gäste motiviert

Restaurant, Kneipe oder Bar – der zweite Lockdown hat die Gastronomie in Köln und Bonn besonders hart getroffen. Der Zusammenhalt in der Branche ist aber deutlich gewachsen und auch das Bewusstmachen der Bedeutung für die Gesellschaft.

Januar 2021

Foto: Adobestock/IDRN

Wenn es draußen nass und kalt wird, zieht es die Menschen rein ins Warme, in Restaurants mit Atmosphäre, in gemütliche Kneipen und hippe Bars. Im Winter ist die Gastronomie besonders beliebt. Auch in der fünften Jahreszeit, denn dann wird drinnen im Rheinland nicht nur gegessen und getrunken, sondern sogar geschunkelt.

Martin Schlüter, Vorstandsmitglied der Interessengemeinschaft (IG) Gastro Köln e.V. und Betriebsleiter vom Reissdorf am Hahnentor

Hygienekonzepte umsonst erarbeitet

Aber in diesem Corona-Winter ist alles anders. Die Gastronomie gehört zu den von der Pandemie besonders hart getroffenen Branchen. Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr hatte diese mit viel Arbeit und großen finanziellen Investitionen in Hygienekonzepte wieder öffnen dürfen. Nun ist jedoch erneut alles geschlossen. Und zurzeit weiß niemand, wann sich die Lage ändern wird. Zum Glück gibt es politische Unterstützung.

„Die Zusage staatlicher Hilfen ist großartig, auch in voller Art und Höhe – da bin ich auf hohe Zustimmung unter den Gastronomen gestoßen“, sagt sagt Martin Schlüter. Wenn sich die Auszahlung aber wochenlang hinziehe, sei das verheerend.

„Denn immerhin müssen eigene Ausgaben, Miete und Löhne bezahlt werden.“

Inga Eikam, Mittelstandskundenberaterin der Sparkasse KölnBonn

Emotionaler Balanceakt

Doch die Situation in der Gastronomie ist nicht nur finanziell, sondern auch psychologisch schwierig. Das kann Inga Eikam, Mittelstandskundenberaterin der Sparkasse KölnBonn mit Schwerpunkt Gastronomie, bestätigen. „Beim ersten Lockdown war jeder noch in der Stimmung, dass wir das alles wieder hinkriegen. Und jetzt bei der zweiten Schließung war noch nicht mal das Finanzielle das vordergründige Problem, sondern dieser emotionale Part.“ Manch einer könne es kaum ertragen, sein Restaurant wieder geschlossen zu sehen.

„Vor diesem Turnaround hin zu ,Da müssen wir jetzt wieder durch, wir versuchen, was für unsere Gäste zu machen’ habe ich größten Respekt.“

Kreative Lösungen finden

Von Vorteil war für viele Gastronominnen und Gastronomen die gute Vorbereitung. Spätestens im Oktober war vielen bereits klar, dass neue Einschränkungen kommen könnten. Der Wandel hin zu einer „Take-away“-Gastro hat deshalb bei vielen sehr gut funktioniert. Kreative Ideen konnten wieder umgesetzt und noch verbessert werden. Dennoch sind die Verluste immens – vom 11.11. über die Vorweihnachtszeit bis hin zu Karneval. Eigentlich sind das genau die Tage, an denen jede Gastronomie in Köln und Bonn übervoll ist. „Karneval ist ein großer ökonomischer Schwerpunkt in der Gastronomie – das ist ja kein Geheimnis”, sagt Schlüter.

„Und ich weiß von vielen Kollegen, dass das ausbleibende Geschäft besonders schmerzt, weil es ein großer Anteil des Jahresumsatzes ist.”

Die IG Gastro, erst im Herbst 2019 gegründet, inzwischen aber schon bei rund 250 Mitgliedern, hofft auch für Karneval auf kreative Lösungen, damit sich die Menschen geordnet treffen können. Im Sommer hatten sie bereits den Pop-up Biergarten auf der Vogelsanger Straße organisiert, der gut angenommen wurde.

 

Weniger Konkurrenz

Was die Gastronomen weiterhin motiviert, sei der Rückhalt aus der Bevölkerung, betont Schlüter.

„Das ist total spürbar. Die Hilfe der Gäste und das Bewusstsein der Nachbarschaft ist riesengroß.”

Auch Gutscheine würden gut angenommen und seien als Unterstützung wichtig. Ebenso die Vernetzung untereinander.

Das weiß auch Eikam zu berichten: „Im ersten Lockdown war meine Befürchtung, wie ,meine Gastros’ das hinbekommen sollen. Und so haben wir gesagt, wir müssen ein kleines Netzwerk aufbauen mit Unternehmensberatern, Steuerberatern und uns regelmäßig austauschen.” Nach dem Motto: weniger Konkurrenz, mehr Zusammenhalt. Dabei gehe es nicht nur um die finanziellen, sondern auch um die privaten Aspekte. „Derzeit ist es vermehrt der emotionale Part, der mich auch persönlich bewegt”, sagt Eikam.

Bei einigen seien die Sorgen bereits immens. „Wir haben das Gefühl, dass mindestens 25 bis 30 Prozent derzeit am totalen Limit sind und kurz vor der Insolvenz stehen”, sagt Schlüter, der sich regelmäßig bei den Mitgliedern informiert. Viele gute Kolleginnen und Kollegen würden wegbrechen oder Betreiberwechsel stattfinden.

„Da wird vieles passieren, was der Kultur und der Gastronomielandschaft hier in Köln wehtun wird.”

Positive Entwicklungen

Wie sich die Lage in Zukunft, auch nach der Pandemie entwickeln wird, ist zurzeit natürlich noch nicht absehbar. Schlüter kann sich vorstellen, dass es ein unbeschwertes Ausgehen wie vorher in dieser Form vielleicht nicht mehr geben wird. „Da ist dann auch unsere unternehmerische Kreativität gefragt, Konzepte zu überlegen, dass sich die Gäste trotzdem wohlfühlen.” Aber er sieht auch einige positive Effekte, vor allem das gewachsene Verständnis für die Anliegen der Gastronomie. „Unsere (politische) Bedeutung hat zugenommen und wir hoffen, dass dies bleibt.” Gerade für eine Stadt wie Köln, deren „Lebensjeföhl” auch stark über die Gastronomie definiert werde, sei das wichtig.

Eikam ist vor allem von der Innovationskraft und -schnelligkeit in dieser Krise beeindruckt. „Auch die Digitalisierung wäre so niemals vorangeschritten. Ich finde es cool, dass man oft für die Speisekarte nun einfach einen QR-Code abscannt.” Das seien positive Entwicklungen, die in der Gastronomie auch zukünftig Bestand haben sollten.

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