Bitcoin, Ether und Co: Shooting-Stars mit starken Schwankungen

Die Kurse der bekanntesten Kryptowährungen haben in den vergangenen Monaten immer wieder Rekordhöhen erreicht. Vor allem das wachsende Vertrauen aus der traditionellen Wirtschaftswelt sorgte für einen Anschub – und lockt auch neugierige Privatanleger. Doch eine Garantie gegen ebenso spektakuläre Abstürze gibt es nicht. 

April 2021

Foto: Stocksy/ Miss Rein

Tesla elektrisiert nicht nur die Autobranche, sondern auch die Finanzmärkte. Der Elektroauto-Hersteller kündigte kürzlich an, einen Teil seiner Finanzmittel in Bitcoin anzulegen. Diese Nachricht sorgte für einen neuen Schub der Kryptowährung. Seit einem Tiefpunkt im März 2020, unter dem ersten Schock der Corona-Pandemie, hat sich der Kurs mehr als verzehnfacht. Mit dieser Entwicklung steigt das Interesse von Unternehmen sowie von Verbraucherinnen und Verbrauchern, aber auch Behörden schauen immer genauer hin. Was steckt hinter dem aktuellen Boom der Kryptowährungen?

Kryptowährungen als hochspekulative Geldanlage

Denn neben dem Bitcoin haben auch Angebote wie Ether, Polkadot, Litecoin oder Stellar große Kurssprünge gemacht. Entstanden sind sie in den vergangenen Jahren im Internet als Alternativen zum bisherigen Geldsystem. Diese sogenannten Kryptowährungen existieren ausschließlich digital – und funktionieren in vielen Bereichen anders als das klassische Geld. So werden sie alle nicht von einer zentralen Notenbank herausgegeben, sondern durch die Rechenkraft von Computern erzeugt. Fans sagen, dass durch die Kryptowährungen in Zukunft ein besseres und schnelleres Geldsystem entstehen kann. Kritikerinnen und Kritiker warnen hingegen davor, zu große Hoffnungen in die Technologien zu setzen: „Die Nutzung von Kryptowährungen als Geldanlage ist zum aktuellen Zeitpunkt als hochspekulativ einzuordnen“, warnt etwa die DekaBank in einem aktuellen Bericht.

Steigt das Vertrauen von Wirtschaft, Verbraucherinnen und Verbrauchern?

Doch trotz dieser mahnenden Worte: Immer mehr Unternehmen aus der traditionellen Wirtschaftswelt tasten sich vorsichtig in die Welt der Kryptowährungen voran. Vor Tesla hatte bereits der US-Softwareanbieter Microstrategy bekannt gegeben, dass er zukünftig Teile seiner Finanzmittel in Bitcoin investieren will.

Apps für Kryptobörsen

Zudem sind sogenannte Kryptobörsen stark gewachsen. Die machen es Verbraucherinnen und Verbrauchern mit Apps zunehmend einfacher, mal eben ein paar Euro oder Dollar in Bitcoin, Ether und Co. umzutauschen – und so ein wenig zu spekulieren. Coinbase, einer der populärsten Anbieter, steht kurz vor einem mit Spannung erwarteten Börsengang.

Per Bitcoin bezahlen

Für großes Aufsehen sorgte außerdem im vergangenen Herbst die Ankündigung des Zahlungsanbieters Paypal, der häufig für Transaktionen im Internet genutzt wird. Nach und nach sollen Kundinnen und Kunden dort die Möglichkeit bekommen, ihre Rechnungen auch per Bitcoin zahlen zu können. Auch die großen Kreditkartenanbieter Visa und Mastercard beschäftigen sich intensiv mit dem Thema. Sie könnten in diesem Jahr noch einige Kryptowährungen in ihr Netzwerk integrieren. Welche genau, ist jedoch noch unklar.

Vergleichbar mit Gold

All diese Nachrichten gaben der Kryptowelt gleich einen doppelten Schub: Zum einen stärkt es das Vertrauen in die Technologie. Schließlich gibt es keinen faktischen Gegenwert für die digitalen Münzen. Weil aber die Anzahl der Bitcoins, die maximal von Computern berechnet werden können, auf 21 Millionen Stück begrenzt ist, entsteht aus einer steigenden Nachfrage auch ein steigender Preis. Damit funktioniert etwa der Bitcoin ein wenig wie Gold: Auch dort entsteht der Wert vor allem aus dem gegenseitigen Vertrauen auf das gehandelte Gut. Das geschieht aktuell jedoch im Expresstempo: „Gold hat dieses Vertrauen im Lauf seiner über 5000-jährigen Geschichte gewonnen“, schreiben die Analysten der DekaBank, „ob und wie schnell dies Kryptowährungen gelingen kann, ist abzuwarten.“

Digitalwährungen nutzen

Zum anderen sorgt das Vorgehen von Unternehmen und Finanzdienstleistern auch dafür, dass die Digitalwährungen mehr genutzt werden könnten. Noch führen Bitcoin und Co. im Alltag der Deutschen ein absolutes Nischendasein. Wenn das Kaufen und Verkaufen über populäre Zahlungsdienstleister erleichtert wird, könnte sich das ändern. Theoretisch bieten bereits einige große Unternehmen an, bei ihnen mit Bitcoin zu bezahlen – in den USA gehören etwa Microsoft oder die Baumarktkette Home Depot dazu, auch Tesla will laut Firmenchef Elon Musk bald Autos gegen Kryptogeld tauschen. In Deutschland führt der Essenslieferdienst Lieferando Bitcoins als eine Zahlungsmöglichkeit.

Kaum Kontrolle über den Kurs

Doch für den Alltag sind die meisten Kryptowährungen aktuell kaum geeignet. Die Kursschwankungen sind extrem – zum Teil um mehr als zehn Prozent innerhalb weniger Stunden. Zwischen der Bestellung einer Pizza und deren Auslieferung könnte sich so der Preis deutlich verändert haben. Auch bei den generellen Entwicklungen des Bitcoin-Kurses gehen die Einschätzungen weit auseinander. Fans bejubelten einen Bericht der US-Bank JP Morgan, die Anfang des Jahres ein langfristiges Kursziel von 150.000 Dollar ausrief – das entspräche einer Verdreifachung des aktuellen Bereiches. Gleichzeitig stürzte der Kurs zwischenzeitlich in den vergangenen Wochen um mehr als ein Viertel ab.

Wie unberechenbar die Verläufe sein können, zeigt die Geschichte des Dogecoins, einer der kleineren Kryptowährungen. Kürzlich kommentierte Tesla-Chef Elon Musk bei Twitter zuerst wohlwollend, dann sehr kritisch diese digitale Münze – auf einen steilen Anstieg folgte ein ebenso deutlicher Absturz. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC startete darauf erste Ermittlungen gegen Musk, um seine Verbindungen im Zusammenhang mit den Transaktionen zu untersuchen.

Das Geld könnte digitaler werden 

Das Beispiel zeigt: Die Kryptowährungen bewegen sich auf einem schmalen Grat zwischen Hoffnungsträger für ein globales Geldsystem und spekulativer Spaßveranstaltung. Mittlerweile wird das grundsätzliche Thema des digitalen Geldes jedoch auch von Behörden sehr viel ernster genommen. Auch die Europäische Zentralbank beschäftigt sich intensiv mit einer sogenannten „Central Bank Digital Currency“ (kurz CBDC) – vereinfacht gesagt einem digitalen Euro.

Solche Vorhaben könnten die Vorteile beider Welten zusammenfassen. Aus der Kryptowelt stammt das unkomplizierte Bezahlen im Internet, auch ohne persönliche Daten und Adressen preiszugeben. Aus der Welt der Notenbanken stammt die eindeutige Bindung an einen Wechselkurs – damit verschwänden jedoch aller Voraussicht nach auch die enormen Kurssprünge. „Diese CBDC hätten bei einer guten technischen Gestaltung das Potenzial, den Kryptowährungen das Wasser abzugraben“, heißt es im Bericht der DekaBank. Heute gibt es bereits einige digitale Angebote, die an einen Kurs – etwa den des Dollars oder von Gold – gekoppelt sind. Sie werden häufig „Stablecoins“, also wertstabile Münzen, genannt. Viele Verfechter der Kryptowährungen setzen jedoch bewusst darauf, dass es eben keinerlei Verbindung zu den Notenbanken gibt.

Das Blockchain-Prinzip

Quelle: Frankfurt School Blockchain Center

A möchte eine Transaktion B durchführen; zum Beispiel Geld überweisen.

Quelle: Frankfurt School Blockchain Center

Alle Informationen einer Transaktion bilden einen sogenannten Block.

Quelle: Frankfurt School Blockchain Center

Der Block wird an alle Netzwerkmitglieder geschickt.

Quelle: Frankfurt School Blockchain Center

Die Mitglieder prüfen, ob die Transaktion OK ist.

Quelle: Frankfurt School Blockchain Center

Der Block kann nun zur Blockchain hinzugefügt werden. Diese dient als unlöschbares und transparentes Archiv der Transaktionen.

Quelle: Frankfurt School Blockchain Center

Die Transaktion ist durchgeführt. B sieht zum Beispiel, dass Geld von A bei ihm angekommen ist.

Ist die Blockchain sicher vor Manipulation?

Auch wenn Bitcoin die Schlagzeilen beherrscht: Im Netz gibt es Dutzende Kryptowährungen, von denen die meisten in der öffentlichen Diskussion kaum eine Rolle spielen. Neben Bitcoin und Ether existieren etwa XRP, Litecoin oder Tether. Die meisten teilen die grundlegende Technik: Sie basieren auf der sogenannten Blockchain. Die funktioniert wie ein digitaler Ringordner. In dem wird bei jedem Kauf, Verkauf oder Umtausch ein neues Blatt mit allen wichtigen Informationen eingeheftet – und das bei jedem, der irgendwie an der Informationskette beteiligt ist. Damit ist das Prinzip ein Gegenentwurf zu zentralen Datenbanken, in denen alle Informationen an einem virtuellen Ort gespeichert sind.

Die verteilten Informationen auf der Blockchain machen es schwieriger, diese Kette zu manipulieren: Man müsste mehr als die Hälfte der beteiligten Rechner kapern, um nachträglich falsche Daten zu platzieren – ansonsten übernimmt die Blockchain diese Änderung nicht. In anderen Branchen wird daher viel mit Blockchain-Anwendungen experimentiert. Unternehmen fangen an, ihre Lieferketten mit der Technologie zu überwachen, Versicherungen wickeln Schadensfälle über die Blockchain ab. Jede Kryptowährung ist dabei eine eigenständige Datenkette, die ständig aktualisiert wird, wenn neue Transaktionen stattfinden.

 

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