Gründung leicht gemacht

So spannend der Weg in die Selbstständigkeit auch ist, so viele Hürden und Fallstricke können Gründern dabei begegnen. Damit Ihr Weg ohne größere Komplikationen gelingt, sollten Sie für sich fünf Fragen klären.

März 2019

Foto: iStock/svetikd

Jedes Jahr machen es Hunderttausende vor. Im Jahr 2017 gab es allein in Deutschland 381.000 gewerbliche, freiberufliche sowie land- und forstwirtschaftliche Gründungen. Hinzu kamen knapp 250.000 gewerbliche Gründungen im Nebenerwerb. Gegründet wird in allen Altersklassen. Die meisten Gründerinnen und Gründer sind zwischen 45 bis 54 Jahre alt. Sie waren vorher angestellt oder bereits nebenberuflich selbstständig. Häufigster Antrieb, ein Unternehmen zu gründen, ist, die eigene Geschäftsidee zu verwirklichen.

So spannend der Weg in die Selbstständigkeit dabei auch ist, so viele Hürden und Fallstricke warten auf ihm. Damit Ihr Weg ohne größere Komplikationen gelingt, haben wir die fünf wichtigsten Schritte mit all ihren Hürden für Sie zusammengestellt.

1. Persönliche Voraussetzungen: Kann ich selbstständig arbeiten?

Die erste und wichtigste Frage ist, ob die Selbstständigkeit zu Ihnen persönlich passt. Selbst wenn Ihre Geschäftsidee noch so genial und Ihr Gespür für Zahlen noch so detailgenau ist: Wenn Ihnen hohe Eigenverantwortung und selbstständige Arbeit wenig Freude bereiten, sollten Sie Ihre Entscheidung noch einmal überdenken. Stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Können Sie selbstständig arbeiten?

  • Sind Sie in der Lage, selbstständig zu arbeiten, Verantwortung zu übernehmen und unabhängig Entscheidungen zu treffen?

  • Können Sie sich vorstellen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu führen, wenn sich Ihr Unternehmen gut entwickelt?

  • Sind Sie bereit, viel zu arbeiten und möglicherweise auf geregelten Urlaub zu verzichten?

  • Können Sie ohne geregeltes Einkommen leben?

  • Verfügen Sie über das nötige fachliche und kaufmännische Know-how?

Denken Sie sorgfältig über diese Aspekte nach. Nutzen Sie entsprechende Checklisten, und planen Sie genügend Zeit ein, Ihre Idee zu durchdenken. Besprechen Sie Ihre Pläne auch mit Ihrer Familie, mit Freunden und anderen Selbstständigen!


2. Geschäftsidee: Was genau habe ich vor?

Neben Ihrer persönlichen Eignung ist die Idee entscheidend. Oft entpuppt sich ein Gedanke, der beim Spaziergang noch gewaltig und großartig erschien, beim zweiten und genaueren Durchdenken als zu kurzsichtig oder kompliziert. Konkretisieren Sie Ihre Geschäftsidee mithilfe folgender Fragen:

  • Worum geht es genau?

  • Wer sollen Ihre Kunden sein?

  • Was unterscheidet Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung von denen Ihrer Wettbewerber?

  • Gibt es einen Bedarf für Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung?

Betrachten Sie Ihre Geschäftsidee aus verschiedenen Blickwinkeln. Recherchieren Sie, auf welche Weise andere Selbstständige erfolgreich sind und vergleichen Sie Ihre Idee mit bereits existierenden Unternehmen.


3. Businessplan: Was gehört hinein?

Wenn Ihre Entscheidung und Ihre Idee feststehen, muss ein Businessplan her. Er ist eine Art Leitfaden für Ihre Gründung und vereint alle notwendigen Informationen. Er dient nicht nur als Basis für Kredite und öffentliche Fördermittel, sondern erleichtert auch die Suche nach geeigneten Geschäftspartnern. Folgende Bausteine gehören in einen guten Businessplan:

  • Kurzdarstellung Ihrer Idee (Management Summary),

  • angestrebte Rechtsform,

  • Beschreibung der Produkte und Dienstleistungen, die Sie anbieten wollen,

  • Analyse von Branche und Markt,

  • skizzierte Beschreibung von Unternehmensleitung sowie Planzahlen,

  • Marketing- und Vertriebskonzept,

  • geschätzter Kapitalbedarf.

Nutzen Sie zur Erstellung des Businessplans Hilfe von außen: Viele Banken und Institutionen bieten umfangreiche Informationen, Beratung und Unterstützungsleistungen beim Erstellen des Businessplans an. Anlaufstellen sind zum Beispiel die GründerCenter der Sparkasse KölnBonn in Köln und Bonn sowie die IHK Köln und die IHK Bonn/Rhein-Sieg; außerdem die Handwerkskammer zu Köln, die Wirtschaftsförderungen der Stadt Köln oder Bonn.


4. Startkapital: Wie kann ich meine Selbstständigkeit finanzieren?

Jede zweite Gründung in Deutschland erfordert sowohl Sachmittel als auch finanzielle Unterstützung. Wer einen Imbiss eröffnen möchte, benötigt ebenso eine Ausstattung wie ein angehender Händler oder jemand, der Räume anmietet, um als Coach zu arbeiten. Schnell sind es 50.000 Euro oder mehr. Gründer, die eigene Produkte herstellen wollen und dazu Maschinen benötigen, müssen in der Regel noch tiefer in die Tasche greifen. Zudem sollte man für die Zeitspanne vorsorgen, in der noch keine oder unzureichende Einnahmen fließen. Neben Eigenmitteln können Gründerinnen und Gründer auf einen Bankkredit sowie auf verschiedene Fördermittel, etwa zinsgünstige Gründungsdarlehen, zugreifen. Das GründerCenter der Sparkasse KölnBonn berät Sie ausführlich dazu.


5. Formalitäten: Was ist zu berücksichtigen?

Ihre Entscheidung zur Selbstständigkeit ist gefallen, Sie haben eine gute Geschäftsidee entwickelt, und mit ihrem Businessplan konnten Sie die Bank überzeugen, sodass die finanziellen Mittel bereitstehen. Nun stehen nur noch einige formelle Schritte an:

  • Sie müssen ihr Gewerbe anmelden

  • Sie müssen eine Steuernummer beantragen

  • Sie sollten notwendige Versicherungen für Ihr Unternehmen und sich selbst abschließen, wie zum Beispiel …

  • Sie sollten sich Gedanken über eine Altersvorsorge machen.

Unser Tipp: Auch nach dem Start Ihres Unternehmens kommen immer wieder neue Herausforderungen auf Sie zu. Nutzen Sie die vielfältigen Informationsmöglichkeiten im Internet, in Gründernetzwerken der Region oder bei Institutionen wie der IHK, der Handwerkskammer oder Ihrer Sparkasse.


Nebenerwerbsgründungen

Für alle, die nicht direkt alles auf eine Karte setzen wollen, bieten sich Nebenerwerbsgründungen an. Sie haben den Vorteil, dass die Gründerinnen und Gründer das Unternehmerdasein erst einmal testen können. Diese Testzeit sollten Sie sorgfältig nutzen, um herauszufinden, ob Ihnen die Tätigkeit Freude bereitet, ob Produkt oder Dienstleistung funktionieren, ob der Preis stimmt und ob sich genügend Kunden finden lassen. Im Prinzip gelten ansonsten die gleichen Abläufe, Hürden und Tipps, die wir für die Vollerwerbsgründung für Sie zusammengestellt haben.

Wenn es gut läuft, spricht nichts dagegen, beide Standbeine beizubehalten. Wenn es so gut läuft, dass auch ein Vollerwerb denkbar ist, steht eine wichtige Entscheidung an: Wollen Sie voll und ganz selbstständig werden?


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