Beethoven und seine Finanzen

Der Musiker und Komponist Ludwig van Beethoven haderte lange Zeit mit dem lieben Geld. Dabei zeigt sich im Rückblick: Als Freiberufler hat er in Sachen Vermögensaufbau und Altersvorsorge einiges richtig gemacht.

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„Alle Noten bringen mich nicht aus den Nöthen“ – diesen Satz schrieb Ludwig van Beethoven im Jahre 1819 an den Chefbuchhalter der Oesterreichischen Nationalbank. Wer diesen Satz heute liest, könnte glauben, dass es um die finanzielle Lage des bekannten Komponisten nicht zum Besten bestellt war. Doch dieser Eindruck täuscht. „Für einen Künstler war Beethoven vergleichsweise geschäftstüchtig“, weiß Dr. Michael Ladenburger, Leiter der Sammlung des Bonner Beethoven-Hauses. „Mit seinen Konzerten, die er in seiner Wahlheimat Wien veranstaltete, hat er viel Geld verdient. Zudem hat er für seine Kompositionen hohe Honorare und für Widmungen immer wieder großzügige Geldgeschenke, etwa vom russischen Zaren, erhalten.“

Bereits als Kind ein Star
Sein erstes Honorar als freischaffender Künstler verdiente sich Beethoven schon als Kind. Mit 14 bekam er eine Festanstellung als Organist und Cembalist bei der Bonner Hofkapelle und hatte damit ein festes Gehalt. Das änderte sich, als er ein paar Jahre später nach Wien umzog. Dort entwickelte Beethoven ein Geschäftsmodell, das mehrere Facetten hatte: dauerhafte pauschale Förderung, zeitweise Überlassung exklusiver Nutzungsrechte für bestimmte Werke sowie Einnahmen aus Gegenleistungen für Widmungen. „Er widmete neu geschriebene Werke bestimmten Adeligen oder wichtigen Persönlichkeiten der Wiener Szene – entweder als Dank für deren Wohltaten oder überließ ihnen Werke für eine bestimmte Zeit exklusiv  gegen eine Zuwendung“, weiß Ladenburger.

In Wien war er ein Top-Verdiener
Für damalige Verhältnisse verdiente Beethoven überdurchschnittlich gut, so dass er Rücklagen bilden konnte. 1819 kaufte er davon Anteile an der Oesterreichischen Nationalbank. Dass der Musiker in Aktien und damit in Sachwerte investierte, hatte seinen Grund: Ein paar Jahre zuvor hatte er schmerzhaft erfahren müssen, dass der Wert von Papiergeld flüchtig ist und es keine besonders kluge Idee ist, sein Vermögen allein auf Nominalwerte aufzubauen.

Die Inflation macht sein Einkommen zunichte
Denn Beethoven besaß seit 1809 eine Art Rentenvertrag, der ihm eine jährliche Apanage in so genannten „Bancozetteln“ garantierte – eine Art von staatlicher Schuldverschreibung. Unglücklicherweise waren die Kosten Österreichs für die kriegerischen Auseinandersetzungen mit Napoleon so hoch, dass der Kaiser sie nur mit der massenhaften Ausgabe von Papiergeld finanzieren konnte. Österreich erklärte wenig später den faktischen Bankrott und die Bancozettel waren auch infolge der hohen Inflation nahezu wertlos.

Beethovens wirtschaftliche Situation verschlechterte sich zusätzlich dadurch, dass sein Gehör immer mehr nachließ und er nicht mehr als Konzertpianist auftreten konnte. Als freier Komponist war er abhängig von der Unterstützung durch seine adeligen Förderer, in einem Fall hatte ein Nachkomme aber eine miserable Zahlungsmoral. Auf Tantiemen und andere Nutzungsentgelte für das Abspielen seiner Werke, die für erfolgreiche Musiker heutzutage die Haupteinnahmequelle bilden, konnte er nicht bauen. Ein Urheberrecht gab es noch nicht. Immerhin war Beethoven kaufmännisch geschickt darin, seine Werke gut bei Verlegern zu vermarkten.

Genie mit Zahlenschwäche
Mit Zahlen und dem Rechnen tat sich Beethoven jedoch ausgesprochen schwer. In seinen letzten Lebensmonaten hatte er Angst zu verarmen. Große Teile seines Vermögens hatte er für seinen Neffen zur Seite gelegt. Historischen Quellen zufolge hinterließ er, als er im Jahr 1827 mit 57 Jahren starb, mit über etwa 10.000 Gulden ein ansehnliches Vermögen – umgerechnet auf heutige Verhältnisse sind das etwa 150.000 Euro. Fast zwei Drittel davon entfielen auf die Bankaktien, an denen er all die Jahre festgehalten und die mit den Jahren erheblich an Wert gewonnen hatten. Allerdings hat er auch nicht das Risiko gesehen, das der Kauf einer einzelnen Aktie gegenüber einem breit gestreuten Portfolio beinhaltet. Als Komponist hätte Beethoven eigentlich wissen müssen, dass auch bei der Geldanlage erst das Zusammenspiel vieler Instrumente für den passenden Klang sorgt.

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