Private Zusatzversicherung: Ein bisschen mehr für die Gesundheit

Mit privaten Krankenzusatzversicherungen können sich Kassenpatienten im Krankenhaus, beim Zahnarzt oder beim Heilpraktiker den Status eines Privatpatienten sichern. Leistungsbausteine lassen sich individuell kombinieren. Erfahren Sie, worauf es ankommt. 

August 2019

Foto: Stocksy/Tatjana Zlatkovic

Mit privaten Krankenzusatzversicherungen können gesetzlich Krankenversicherte Kassenleistungen aufstocken oder sich finanzielle Zuschüsse zu Behandlungen sichern, die die Kassen gar nicht übernehmen. Die Policen sind seit Jahren populär: Im Jahr 2018 wurden erneut fast eine halbe Million Neuverträge abgeschlossen, insgesamt gibt es damit knapp über 20 Millionen Verträge, hat der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) ermittelt. Den größten Anteil machen die sehr populären Zahnzusatzversicherungen aus.

Eines sollte man wissen: Als Kassenpatient ist man medizinisch rundum gut versorgt. In manchen Bereichen kann einem jedoch ein bisschen Mehr an Leistung im individuellen Fall wichtig sein. Dann ist eine private Zusatzversicherung eine gute und sinnvolle Ergänzung.

So funktioniert die private Krankenzusatzversicherung

Es gibt nicht die eine private Krankenzusatzversicherung. Vielmehr kann sich jeder seinen individuellen Schutz nach dem Baukastenprinzip selbst zusammenstellen. Zusatzpolicen gibt es für Krankenhausaufenthalte, Krankenschutz auf Auslandsreisen, Krankentagegeld, Zahnarztbehandlungen, Behandlungen nach Naturheilverfahren, Vorsorgeuntersuchungen und Reiseschutzimpfungen, für Brillen und Sehhilfen, um nur die häufigsten Angebote zu nennen.

Die Policen lassen sich einzeln abschließen, manchmal werden auch mehrere Leistungen in einem Paket zusammengefasst. „Die Erfahrung zeigt, dass Einzelpolicen oft die bessere Wahl sind“, sagt Kim Paulsen vom Bund der Versicherten in Hamburg. „So sichert man nur das ab, was man wirklich braucht, bei Paketangeboten bieten die einzelnen Bausteine oft zu wenig Leistung.“

Diese Kosten werden übernommen

Schließt man eine Zusatzpolice für den stationären Aufenthalt ab, werden die kompletten anfallenden Kosten übernommen. Dasselbe gilt beim Auslandsreisekrankenschutz. Bei anderen Policen werden prozentuale Zuschüsse gewährt, häufig gilt eine Obergrenze im Jahr. So gilt zum Beispiel bei Naturheilkundetarifen eine prozentuale Erstattung von 70 oder 90 Prozent des Rechnungsbetrags, maximal jedoch 750 oder 1.000 Euro im Jahr. Auch bei Zahntarifen gilt in der Regel eine prozentuale Erstattung. „Versicherte sollten möglichst hohe Erstattungssätze wählen, damit sich die Absicherung auch lohnt“, rät Paulsen. Das schlägt sich natürlich auch auf einen höheren Beitrag nieder. Dann gilt es, einen Tarif mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis zu finden. 
TIPP: Haben Sie beim Abschluss einer Police auch mögliche Leistungsstaffelungen im Blick: Nicht selten werden beim Zahnersatz oder beim Heilpraktikerbesuch in den ersten drei, vier oder gar fünf Jahren nach Vertragsabschluss nur eingeschränkte Summen gewährt. 

Das kommt an Beiträgen auf Sie zu

Alter und Gesundheitszustand des Versicherten fließen in die Beitragsberechnung mit ein. Je jünger und gesünder, desto niedriger die Beiträge. Zusatzversicherungen sind deshalb gerade für Kinder interessant. Naturheilkundetarife oder stationäre Zusatztarife lassen sich häufig schon für rund zehn Euro im Monat abschließen. Das ist wenig verwunderlich – Kinder nehmen die Leistungen aus der Police auch in der Regel wenig in Anspruch.

Beim Abschluss von Zusatzpolicen werden umfangreiche Fragen zum Gesundheitszustand gestellt. Gibt es Vorerkrankungen, ist mit Risikozuschlägen zu rechnen oder auch mit Leistungsausschlüssen. „Versicherte mit gesundheitlichen Einschränkungen können über einen Versicherungsberater eine anonymisierte Risikovoranfrage machen, um ein unabhängiges Angebot von verschiedenen Versicherern zu erhalten“, rät Paulsen. Die Versicherer tauschen sich nämlich untereinander über eine Datenbank aus. Wer einmal abgelehnt wurde, erhält nur schwer bei einem anderen Anbieter einen Vertrag.

Die Beiträge können im Laufe der Jahre steigen – das muss man sich bewusst machen. „Es gibt zwei verschiedene Tarifvarianten: Risikotarife und Tarife mit Alterungsrückstellung“, erklärt Paulsen. Bei Risikotarifen sind die Beiträge anfangs niedrig, mit steigendem Alter – und zunehmendem Risiko einer Erkrankung – werden sie teurer. Tarife mit Alterungsrückstellung sind hingegen anfangs oft etwas teurer – ein Teil des Beitrags wird beiseitegelegt, um Beitragssteigerungen im Alter abzufedern – dafür sind sie in der Regel auf die gesamte Laufzeit hin betrachtet insgesamt stabiler. „Die Erfahrung zeigt jedoch, dass man sich darauf nicht immer verlassen kann“, sagt der Versicherungsexperte.

TIPP: Es gibt auch Tarife mit kalkulierten Alterssprüngen: Alle paar Jahre steigt der Beitrag mit Erreichen einer bestimmten Altersstufe erheblich an, bleibt dann wieder ein paar Jahre stabil bis zum Erreichen der nächsten Altersstufe.

Den richtigen Tarif finden

Private Zusatzversicherungen werden von privaten Krankenversicherern angeboten. Der Markt ist riesig und jeder Tarif ist anders gestaltet. Verbraucher sollten sich im ersten Schritt überlegen, welche Absicherung in welchem Umfang sie wirklich benötigen. Im zweiten Schritt gilt es, die passgenaue Absicherung zu finden.

TIPP: Stellen Sie Leistungen und Beitrag gegenüber und rechnen Sie sich genau aus, ob sich die Absicherung auch lohnt. Wer nur ein- oder zweimal im Jahr zum Heilpraktiker geht – in manchen Jahren vielleicht auch gar nicht –, zahlt am Ende mehr Beitrag, als er Leistungen in Anspruch nimmt.

Auf der Suche nach dem richtigen Tarif sollten sich Interessierte eine möglichst unabhängige Beratung suchen: einen Versicherungsberater, der auf Honorarbasis arbeitet, oder einen Versicherungsmakler, der zwar für diverse Unternehmen arbeitet, aber durchaus gute Beratung bieten kann. Eine Zweitmeinung einzuholen, lohnt sich in diesem Fall. Zusätzlich können Fachzeitschriften wie "Finanztest" einen guten Einblick in das Tarifangebot gewähren.

Zusatzversicherungen zwischen Pflicht und Kür – eine Übersicht

Nicht alles, was auf dem Markt der privaten Zusatzversicherungen angeboten wird, ist auch notwendig. „Wirklich empfehlenswert sind vor allem zwei Policen: die Auslandsreisekrankenversicherung und die Krankentagegeldversicherung“, sagt Paulsen. Denn das sind die beiden Policen, mit denen Kassenpatienten Leistungslücken in der gesetzlichen Krankenversicherung aufstocken können. „Alle anderen Zusatzpolicen sind die Kür.“

• Auslandsreisekrankenversicherung: Zwar leistet die gesetzliche Krankenversicherung auch im EU-Ausland, trotzdem kann es im Ausland zu Mehrkosten kommen, die die Krankenkasse nicht deckt. Ebenso nicht gedeckt ist der medizinisch notwendige Rücktransport in die Heimat. Und wer außerhalb der EU Urlaub macht, ist grundsätzlich nicht versichert. Eine Auslandsreisekrankenversicherung übernimmt alle Kosten im medizinischen Notfall. Damit ist die Police, die es für einen Single schon für rund zehn Euro im Jahr gibt, für Reisende unabdingbar.

• Krankentagegeldversicherung: Gesetzlich Krankenversicherte erhalten im Krankheitsfall zwar ein Krankengeld von der Krankenkasse. Das kann aber für Arbeitnehmer mit hohem Einkommen zu wenig sein, um bei einer langen Krankheit dauerhaft alle laufenden Kosten zu decken. Mit einer Zusatzpolice lässt sich das gesetzliche Krankengeld aufstocken – eine Absicherung, die im individuellen Fall existenzrettend sein kann.

• Zahnzusatzversicherung: Die Zahnzusatzversicherung zählt zu den am häufigsten abgeschlossenen und damit beliebtesten Zusatzpolicen. Kein Wunder, denn gerade beim Zahnarztbesuch sind die Kassenleistungen oft dürftig. Der Eigenanteil zum Zahnersatz liegt je nach Region in Deutschland zwischen 628 und 1.228 Euro. Damit tragen Versicherte einen Eigenanteil von rund 48 bis etwa 67 Prozent – das ist dem aktuellen Barmer Gesundheitsatlas zu entnehmen.

Zahntarife können den Eigenanteil deutlich reduzieren. Sie gewähren Zuschüsse zum Zahnersatz, manche auch zu Zahnbehandlungen. Am wichtigsten ist es jedoch, den teuren Zahnersatz abzusichern, denn gerade bei hochwertiger Versorgung sind die Kassenleistungen gering, hier kommen die hohen Eigenanteile zustande. Manche Policen gewähren auch Leistungen im Bereich Kieferorthopädie.

Die Art der Kostenübernahme ist von Tarif zu Tarif verschieden. Manchmal wird nur der Zuschuss der Krankenkasse erhöht – „das kann gerade dann zu wenig sein, wenn die Erstattung der Krankenkasse sehr gering ist“, sagt Paulsen. Besser ist es, wenn sich der Versicherer prozentual beteiligt, möglichst zu 80 oder gar 90 Prozent der Kosten, bei Leistungen für Zahnbehandlungen gelten oft Obergrenzen. „Wichtig ist es, darauf zu achten, worauf sich die prozentuale Kostenbeteiligung bezieht – wenn sie sich auf den Kostenanteil bezieht, den die Krankenkasse gewährt, ist das zu wenig.“

Besser ist es, wenn sich die Kostenübernahme auf den Gesamtrechnungsbetrag bezieht. Auch hier gilt wie bei der stationären Zusatzversicherung: Arzthonorare sollten über den Regelhöchstsatz hinaus bezahlt werden. Die Beiträge für Policen variieren stark, je nach Leistung fallen zwischen 8 und 40 Euro im Monat an.

Beispiel für einen leistungsstarken Zahntarif

Der Tarif ZahnPrivat Premium der UKV wurde von der Ratingagentur Franke und Bornberg mit „hervorragend“ bewertet (01/2017). Der Tarif deckt 90 Prozent der Kosten bei Zahnersatz, Implantaten, Inlays, Onlays und Kunststofffüllungen ab, ferner sind 90 Prozent bestimmter Zahnbehandlungen (Wurzel- und Parodontosebehandlungen) abgesichert sowie die Zahnprophylaxe, bei Letzterer jedoch gilt eine Obergrenze von 120 Euro im Kalenderjahr. Ebenso sind Leistungen für Kieferorthopädie vorgesehen. Der Tarif kostet für einen 35 Jahre alten Versicherungsnehmer 26,85 Euro im Monat.

Stationäre Zusatzversicherung:

Die Police sichert Mehrleistungen im Krankenhaus: die Unterbringung in einem Ein- oder Zweibettzimmer, Chefarztbehandlung und freie Klinikwahl. Gerade die Chefarztbehandlungen kann vielen wichtig sein – sie können dann eine komplizierte Operation von einer Koryphäe auf dem Gebiet durchführen lassen, was Kassenpatienten nicht automatisch zusteht. „Wichtig ist, dass der Tarif Arzthonorare über den Regelhöchstsatz hinaus deckt, also das 2,3-Fache, besser noch das 3,5-Fache“, rät Paulsen. 

TIPP: Der Trend geht immer stärker zur ambulanten Krankenhausbehandlung, bei der der Patient am selben Tag wieder nach Hause geht. Viele Tarife leisten aber nur bei stationären Aufenthalten, sprich: Krankenhausaufenthalten mit mindestens einer Übernachtung. Neuere Tarife leisten öfters auch bei ambulanten Behandlungen – achten Sie beim Abschluss einer Police darauf. 

Ein lohnenswertes Extra bei Kindern ist, wenn auch Rooming-in bezahlt wird, dann werden die Kosten für die Übernachtungen der Eltern im Krankenhaus übernommen. 
Die Zusatzabsicherung für den stationären Aufenthalt ist nicht ganz günstig. Für einen 43-jährigen Versicherungsnehmer hat „Finanztest“ Beiträge ab 39 Euro im Monat ermittelt (Ausgabe: Dezember 2018).

Naturheilkunde:

Wer regelmäßig zum Heilpraktiker und zum Osteopathen geht, auf Traditionelle Chinesische Medizin setzt oder teure Behandlungsmethoden in Anspruch nimmt, kann mit einem Heilpraktiker- oder Naturheilkundetarif gut beraten sein. Tarife bezuschussen auch verordnete Arznei-, Heil- und Verbandmittel. Wie bei Zahntarifen erfolgt in der Regel eine prozentuale Beteiligung am Gesamtrechnungsbetrag, meist zwischen 50 und 80 Prozent, die Obergrenze liegt je nach Tarif zwischen 250 und 1.000 Euro im Jahr oder beträgt zum Beispiel 1.800 Euro innerhalb von zwei Jahren. 
Es gibt nur wenige Tarife, die reine Naturheilkundetarife sind (zum Beispiel NaturPrivat der Bayerischen Beamtenkrankenkasse bzw. der UKV-Versicherung). Meist handelt es sich um sogenannte Ergänzungstarife, die mehrere Leistungen im Paket anbieten, also auch Leistungen beispielsweise zu Zahnersatz, Brillen, Vorsorgeuntersuchungen oder Reiseimpfungen. Hier lohnt es sich, genau abzuwägen, welche Absicherung man benötigt und wie gut die Gesamtleistung des Pakets ist. Bei Brillen zum Beispiel beträgt die Kostenbeteiligung für sechs Brillen innerhalb von zwölf Jahren bei guten Tarifen 1.800 Euro. Gute Bewertungen haben Ergänzungstarife der Debeka, der Axa oder der Universa („Finanztest“, Mai 2017).
Die Beiträge für die Tarife variieren je nach Leistungsumfang stark. Gute Angebote gibt es ab rund 20 Euro im Monat. 

Das könnte Sie auch interessieren:

Sparkasse Newsletter

Unser Newsletter

Erhalten Sie mit unserem Newsletter einmal im Monat spannende
Informationen und exklusive Gewinnspiele.

Hier abonnieren

Magazin durchsuchen...