Weitere miese Tricks von Abzockern

Gaunerinnen und Gauner scheuen vor nichts zurück, um an Geld zu kommen. Neben dem bekannten Enkeltrick, den wir in unserem ersten Beitrag zur Abzocke genauer erklärt haben, gibt es noch einige andere Methoden, mit denen Betrügerinnen und Betrüger versuchen, sich an fremdem Vermögen zu bereichern. Lesen Sie hier, wann Sie besonders wachsam sein sollten.

April 2021

Foto: nito_stock.adobe.com

Betrügerinnen und Betrüger gaukeln immer wieder offizielle, behördliche Seiten vor. Ein Beispiel: Wer ein Führungszeugnis beantragen will, muss auf die Internetseite des Bundesjustizamtes gehen. Wer aber im Internet nach dem Begriff „Führungszeugnis beantragen“ sucht, kommt auf eine Seite, die sich mit viel Schwarz-Rot-Gold schmückt und vorgibt, dass man dort das gewünschte Dokument bekommt. Tatsächlich erhält man für 13 Euro, die beispielsweise per Kreditkarte bezahlt werden können, jedoch nur ein PDF, das den Kundinnen und Kunden erklärt, wie sie an ein Führungszeugnis kommen.

Unbekannte Abbuchungen vom Konto

Auch verbreitet sind unerlaubte Abbuchungen vom Girokonto oder der Kreditkarte. Der Redaktion liegen gleich zwei aktuelle Fälle aus Köln vor, die allerdings ganz unterschiedlich abgelaufen sind:

  • Im ersten Fall stellte ein Mann fest, dass auf seiner Kreditkartenabrechnung mehrere Abbuchungen zwischen 2,99 Euro und 20 Euro standen. Betreff: der Name eines Onlineversandhändlers. Der Haken an der Sache: Er hatte diese Karte dort nie hinterlegt. Auf Nachfrage beim Händler stellte sich heraus, dass die Karte dort auch keinem Profil zuzuordnen war. Vielmehr hatte jemand die Kreditkartendaten ausgespäht und Beträge mit dem Namen des Versandhändlers im Betreff anderweitig genutzt.
  • Im zweiten Fall stellte die Tochter eines Seniors fest, dass von dessen Girokonto in einem Quartal 15 Mal bei einem Onlineversandhandel zwischen 20 und 100 Euro bezahlt worden waren. Der ältere Herr wusste bis dahin nicht einmal, dass es diesen Händler gibt.

Für die Polizei Köln ist diese Masche nicht neu: „Es gibt sie seit vielen Jahren: Die Daten der Opfer werden gehackt oder gephisht. Oft geben die Betroffenen die vertraulichen Kontoverbindungsdaten auch am Telefon heraus, weil sich Betrügerinnen und Betrüger beispielsweise als Bankmitarbeitende ausgeben“, sagt Carsten Rust aus der Pressestelle der Polizei Köln. Dann wird auf Kosten der Betrogenen eingekauft oder das Geld wie im ersten Fall weitergeleitet.

Unser Tipp

Überprüfen Sie regelmäßig und zeitnah Ihre Kontoauszüge! Sollten Sie Abbuchungen entdecken, die Sie nicht veranlasst haben, sollten Sie bei der Polizei Anzeige erstatten. Wenden Sie sich außerdem direkt an Ihre Filiale, um weitere Abbuchungen dieser Art zu stoppen und möglicherweise die Beträge erstattet zu bekommen.

Scheckbetrug in großem Stil

Christiane Masong kennt ein weiteres Beispiel für eine Betrugsmasche, die sich schon seit vielen Jahren hält. Das ist der Scheckbetrug. „Das Besondere an der letzten Welle war, dass eine hohe Zahl an Schecks von Betrügerinnen und Betrügern gedruckt worden war“, sagt sie. Mit diesen Schecks sollen beispielsweise Autos oder Möbel bezahlt werden, die Privatverkäuferinnen und -verkäufer gebraucht anbieten. Die scheinbare Käuferin oder der scheinbare Käufer gibt vor, versehentlich eine zu hohe Summe eingetragen zu haben. Sie oder er bittet die Verkäuferin oder den Verkäufer, die Differenz zurückzuüberweisen. „Allerdings gilt bei Schecks immer, dass der Eingang vorbehalten ist“, erklärt Christiane Masong. „Bekommt die Bank also den auf dem Scheck genannten Betrag nicht, gibt sie das Geld auch nicht an die Kundinnen und Kunden weiter. Umgangssprachlich sagt man dann: Der Scheck ist geplatzt.“

„Das Betrugsopfer hat dann den angeblichen Differenzbetrag aber schon überwiesen. Das Geld ist also weg.“

Christiane Masong, bei der Sparkasse KölnBonn für Geldwäsche- und Betrugsprävention zuständig

Die vielen Möglichkeiten des Anlagebetrugs

Auch mit angeblich lukrativen Investments machen Betrügerinnen und Betrüger viel Geld. „Vorsichtig sollte man immer dann werden, wenn es sich um eine Investition in eine Anlage im Ausland verbunden mit telefonischen und unerbetenen Angeboten handelt“, sagt Christiane Masong. „Außerdem sollte man misstrauisch werden, wenn man unter Zeitdruck gesetzt wird, keine eindeutigen Informationen bekommt, Geld nachschießen oder Freundinnen und Freunde und Familienmitglieder werben soll“. Diese allgemeinen Regeln gelten schon immer. Neu beim Thema Anlagebetrug ist jedoch, dass die Angebote nicht mehr nur über die traditionellen Kanäle kommen, sondern auch zunehmend über Social Media:

„Die sozialen Medien spielen eine große Rolle. Dort wird beispielsweise auf gefälschte Webseiten verwiesen – und zwar nicht nur in Posts, sondern auch aus Datingportalen und Werbespalten heraus."

Carsten Rust, Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Polizei Köln

Diese Webseiten geben häufig vor, Tradingplattformen zu sein, bei denen „Contracts for Difference“ geschlossen werden können. Das sind hochspekulative Geldanlagen, die sich grundsätzlich nur für sehr erfahrene und risikoaffine Investorinnen und Investoren eignen. Sie schließen im Prinzip eine Wette auf den Kurs von Rohstoffen oder Währungen ab. Betrügerinnen und Betrüger bauen entsprechende Handelsplattformen auf. „Sie wirken auch durch scheinbare Werbeeinblendungen von großen Fußballvereinen besonders echt und vertrauensfördernd“, so Rust. Allerdings seien die Kurse auf diesen Abzock-Plattformen so manipuliert, dass die Investorinnen und Investoren immer verlieren. „Sie haben überhaupt keine Chance zu gewinnen“, sagt Carsten Rust. Das Geld ist also sofort weg, ein Totalverlust des Vermögens nicht ungewöhnlich. Weitere Informationen hat dazu das Europäische Verbraucherzentrum, ebenso die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes.

Anderes Beispiel: „Es gibt in den sozialen Medien Profile, die mit ihren angeblichen Erfolgsgeschichten andere davon überzeugen sollen, sich ihrer Sache anzuschließen“, weiß Hauke Mormann, der für die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (NRW) die digitale Welt genau beobachtet. Diese Profile müssen nicht einmal zu einem echten Menschen gehören. Möglicherweise hat eine Abzockerin oder ein Abzocker sie angelegt. Ihre bzw. seine Erfolgsgeschichte kann dann so klingen: Sie oder er hat aus den USA eine Finanzsoftware für 190 US-Dollar im Monat abonniert. Diese Software soll angeblich vollautomatisch mit dem Geld der Kundin oder des Kunden an der Börse spekulieren. Wenn dieser die Software wiederum an Freundinnen, Freunde und Bekannte weiterverkauft, soll sie bzw. er pro Woche eine Rendite von bis zu fünf Prozent bekommen. Das klingt verlockend – schließlich sind die Zinsen bei Geldanlagen seit vielen Jahren sehr niedrig. Hier gilt jedoch die alte Weisheit: Je höher die Rendite, desto höher das Risiko. In vielen Fällen steckt nichts anderes als Betrug hinter den Angeboten. In diesem Fall ist damit sogar noch ein Schneeballsystem verbunden, das in Deutschland verboten ist.

Noch ein Beispiel: Aktuell warnt die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz vor angeblich sehr lukrativen Investitionen in Kryptowährungen wie Bitcoin, bei denen die Opfer telefonisch immer wieder gedrängt werden, mehr Geld nachzuzahlen. Auch bei der Polizei gibt es zum Thema Anlagebetrug weitere Hinweise.

Warum man nicht Finanzagentin oder Finanzagent werden sollte

Arglose Menschen könnten sich auch von Angeboten angesprochen fühlen, mit denen Finanzagentinnen und -agenten gesucht werden. Die Berufsbezeichnung klingt zunächst seriös, auch lukrativ scheint der Job zu sein: Man stellt dabei sein Girokonto für Überweisungen zur Verfügung und bekommt dafür ein Honorar. „Dahinter stecken allerdings in der Regel kriminelle Handlungen“, weiß Christiane Masong. „Denn die Summen, die die sogenannte Finanzagentin oder der sogenannte Finanzagent überwiesen bekommt und weiterleiten soll, stammen oft aus Phishingattacken, Überweisungsbetrug oder organisierter Kriminalität“. Finanzagentinnen und -agenten spielen auch beim Verkauf auf Ebay und anderen Plattformen eine Rolle: Die Vekräuferin oder der Verkäufer gibt dessen Kontonummer für Überweisungen an. Die Finanzagentin oder der Finanzagent soll die eingehenden Beträge dann weiterleiten. Doch die Käuferin oder der Käufer bekommt niemals seine Ware – und meldet dies der Polizei. Diese kontaktiert dann die Person, die sich als Finanzagentin oder Finanzagent zur Verfügung gestellt hat.

„Manche Abzockerinnen und Abzocker gehen sogar soweit, dass sie Arbeitsverträge aufsetzen und den scheinbaren Mitarbeitenden vorgaukeln, sie seien künftig für Kryptowährungen wie Bitcoin zuständig“, sagt Christiane Masong. „Allerdings müssten sie während der Probezeit für ihre Arbeit noch das eigene Konto nutzen“. Das klingt natürlich zunächst toll: Bitcoin und Kryptowährungen sind modern und innovativ, ein Arbeitsvertrag gaukelt Sicherheit vor. „Doch am Ende geht es auch hier um nichts anderes als Betrug oder Geldwäsche“, so Christiane Masong. Das Konto des angeblichen Mitarbeitenden wird also für unseriöse Geschäfte genutzt. „Wenn wir ungewöhnliche Buchungen feststellen, sprechen wir die Kundin oder den Kunden darauf an“, sagt die Expertin für Betrugsprävention. Oft ist es dann jedoch schon zu spät, und das Betrugsopfer bereits im Fokus der Ermittlungsbehörden. Umgangssprachlich werden Finanzagentinnen oder Finanzagenten übrigens auch Geldesel oder Geldmulis genannt. Weitere Informationen zum Thema gibt es bei der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes.

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