Eine Oase in der digitalen Welt

Das Junge Theater Bonn (JTB) begeistert seit knapp 50 Jahren Jung und Alt. Der langjährige Intendant Moritz Seibert spricht über Erfolg, Herausforderungen und darüber, wie eine Stiftung die Zukunft des Jungen Theaters sichert.

Foto: Martin Scherag

Herr Seibert, das JTB gehört zu den erfolgreichsten deutschen Jugendtheatern. Worin manifestiert sich das?
Erfolg kann man, gerade im künstlerischen Bereich, unterschiedlich definieren. Wir sind mit mehr als 150.000 Besuchern pro Jahr das mit Abstand bestbesuchte Kinder- und Jugendtheater in ganz Deutschland. Auch wenn die Besucherzahlen nicht das einzige Kriterium für Erfolg sind, ist es schön, zu sehen, dass die Zuschauer gern zu uns kommen.

Was ist aus Ihrer Sicht das Geheimnis dieses Erfolgs?
Wir sind sehr stark auf unsere eigenen Einnahmen angewiesen und bemühen uns deshalb vielleicht besonders um unser Publikum. Bei der Auswahl der Stücke und der Art, wie wir diese inszenieren, schauen wir genau hin, was unsere Zielgruppen bewegt. Und wir legen großen Wert auf perfekten Service. Zudem machen wir seit Jahrzehnten professionelles Theater nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch mit Kindern und Jugendlichen. Dadurch fällt es dem jungen Publikum meiner Meinung nach leichter, sich mit den Figuren zu identifizieren.

Sie sind seit 16 Jahren Intendant des JTB. Ein Zeitraum, der fast eine Generation umfasst. Welche Entwicklung beobachten Sie?
Die Veränderungen lassen sich nicht mehr an Generationen festmachen. Die Wechsel ereignen sich heute viel schneller – getrieben von der Entwicklung digitaler Technologien. Die heute Zwölfjährigen unterscheiden sich schon dramatisch in ihrem Kommunikations- und Sozialverhalten von den heute 20-Jährigen, als die zwölf waren. Es fällt auf, dass Jugendliche heutzutage mehr Schwierigkeiten haben, sich längere Zeit auf eine Sache zu konzentrieren. Das gilt für Zuschauer und Schauspieler gleichermaßen. Aber wenn sie sich erst mal darauf eingelassen haben, genießen sie das Theater als Oase, in der sie sich konzentrieren dürfen und nicht ständig online und über verschiedene Kanäle gleichzeitig präsent sein müssen.

Was bedeutet das für Ihre Arbeit?
Wir verändern nicht die Art, wie wir Geschichten erzählen, um neue Sehgewohnheiten zu bedienen. Wir machen das, was wir immer gemacht haben. Nämlich eine Geschichte so zu erzählen, dass man am Anfang wissen will, wie sie am Ende ausgeht, und mit einer Spannung über 90 oder 120 Minuten dranbleibt. 

Foto: Martin Scherag
Foto: Martin Scherag
Foto: Martin Scherag

Wo liegen aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für das JTB?
Die wirtschaftliche Balance zu halten, ist nicht immer einfach. Wir erhalten zwar Zuschüsse von der Stadt Bonn und vom Land NRW, aber rund 85 Prozent unseres Etats müssen wir durch eigene Einnahmen erwirtschaften. Ohne Unterstützung der Spender und Sponsoren würde das nicht ohne Weiteres gelingen.

Wurde deshalb 2014 die Stiftung für das Junge Theater gegründet?
Der Auslöser war die Tatsache, dass unser Theatergebäude plötzlich zum Verkauf stand. Unsere Zukunft an diesem Standort wurde ungewiss, denn wir hatten nicht das Geld, um das Gebäude zu erwerben. In dieser Situation haben wir gemeinsam mit der Stadt Bonn und unserem langjährigen Geschäftspartner, der Sparkasse KölnBonn, nach einem Ausweg gesucht. Die Stiftung hat sich als das Mittel der Wahl herausgestellt, um als private Körperschaft mithilfe von Zuschüssen das Haus zu kaufen. Über die Stiftungssatzung ist wiederum sichergestellt, dass das entstandene Vermögen der Stadt Bonn und letztlich den Bürgern auch dann noch zur Verfügung steht, wenn es das Theater irgendwann mal nicht mehr geben sollte. Mit dem Modell Stiftung wollten wir auch Privatpersonen, die bereit sind, uns finanziell zu unterstützen, ansprechen. Schließlich sind wir auf Unterstützung angewiesen. 

Hat das Stiftungsmanagement der Sparkasse KölnBonn Sie unterstützt?
Ja, das ging alles erstaunlich unkompliziert über die Bühne. In nur wenigen Monaten war die Stiftung rechtskräftig, und wir konnten den Kaufvertrag für das Gebäude unterschreiben. Die Sparkasse KölnBonn hat sich anschließend mit einer Zustiftung* beteiligt und unterstützt unser Theater ohnehin seit vielen Jahren – auch über ihre eigene Stiftung Jugendhilfe. Die rote Bank vor unserem Theater steht nicht ohne Grund da. 

Foto: Junges Theater Bonn
Foto: Junges Theater Bonn
Foto: Junges Theater Bonn

Kurz nach dem Kauf haben Sie das Theatergebäude im Rekordtempo saniert. Warum wurde es notwendig?
Die Hauptziele der Sanierung waren Sicherheit, Komfort und Barrierefreiheit. Wir haben ein völlig neues Brandschutzkonzept umgesetzt, im Zuschauerraum wurde eine Lüftungsanlage eingebaut und gehbehinderte Besucher haben nun die Möglichkeit, auch ohne fremde Hilfe Toilettenräume und Café zu nutzen. Dazu kamen übliche Renovierungsmaßnahmen. Um den Ausfall von Einnahmen zu vermeiden, musste das Ganze schnell gehen. Zum Glück war der Umbau planmäßig nach nur elf Wochen abgeschlossen.

Wie haben Sie die Sanierung finanziell gestemmt?
Neben den öffentlichen Zuschüssen konnten wir mit der JTB-Stiftung knapp 100.000 Euro aus dem Verkauf von sogenannten Stiftersteinen aufbringen. Derzeit bieten wir übrigens die Steine für eine weitere Wand zum Verkauf an. Ein Stein kann zum Preis von 249 Euro symbolisch erworben und nach eigenen Vorstellungen graviert werden. Das Geld fließt in die Stiftung und wird unter anderem dafür genutzt, das Haus instand zu halten und neue Projekte umzusetzen.

Zahlen und Fakten

Das Junge Theater Bonn (JTB) wurde 1969 gegründet und feiert im kommenden Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Es ist das bestbesuchte Kinder- und Jugendtheater Deutschlands. An seinem Stammsitz in der Hermannstraße in Bonn-Beuel spielt das Ensemble knapp 300 Vorstellungen pro Jahr. Hinzu kommen etwa 100 Aufführungen im Kuppelsaal in der Buchhandlung Thalia im Metropol sowie 70 bis 80 Gastspiele in anderen Städten. Auf dem Programm stehen Inszenierungen erfolgreicher Kinder- und Jugendbücher wie „Der Grüffelo“, „Die Drei ???“, „Das Sams“ oder „Die unendliche Geschichte“.

Die Anzahl der Mitarbeiter variiert zwischen 30 und 40. Davon sind neun professionelle Schauspieler. Hinzu kommen rund 40 Kinder und Jugendliche, die im Nachwuchsensemble des JTB regelmäßig spielen.

Die Schauspielschule des JTB ist die größte dieser Art in Deutschland und ermöglicht sie Kindern und Jugendlichen, sich unter qualifizierter Anleitung schauspielerisch zu betätigen: vom fünftägigen Schnupperworkshop über Grund- und Aufbaukurse bis hin zu einjährigen Schauspielprojekten. Jährlich führt das JTB etwa 100 Kurse durch, an denen rund 1.000 Kinder teilnehmen. Zusätzlich unterstützt das JTB Schulen und fördert das Verständnis für Theater als Kunstform.

Das Theatergebäude in Bonn-Beuel, in dem das JTB zu Hause ist, bietet Platz für 400 Zuschauer. Es wurde 1890 erbaut und fungierte zwischen 1920 und 1979 als Kino. Seit 1979 ist das JTB hier beheimatet. Die 2014 gegründete Stiftung für das Junge Theater, die die Zukunft des JTB finanziell sichern soll, ist inzwischen die Eigentümerin des Gebäudes. Dessen Sanierung im Jahr 2016 kostete 780.000 Euro.

Das JTB wird getragen von einem gemeinnützigen Verein und ist auf Unterstützung von Sponsoren – Unternehmen und Privatpersonen – angewiesen. Alle Informationen dazu finden Sie hier:

www.jt-bonn.de/unternehmen/das-jtb-unterstuetzen

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