Für eine lebendige Erinnerung

Kultur und Alltag der Menschen im Iran zwischen 1900 und 1980 – die Erinnerung daran möchte die in Köln beheimatete Iran-Darbandi-Stiftung lebendig erhalten. Unterstützt wird sie vom Stiftungsmanagement der Sparkasse KölnBonn.

Juli 2021

Adobestock.com/Sean Gladwell

„Wir sammeln, erschließen und verbreiten historisch bedeutsame Dokumente aus dem Iran der Zeit von 1900 bis 1980“, erzählt Prof. Dr. Wolfgang von Keitz am Telefon. Gemeinsam mit seiner im Iran geborenen Frau Dr. Saiedeh von Keitz leitet er die Iran-Darbandi-Stiftung in Köln. „Ganz im Sinne des Wiki-Prinzips bieten wir diese Dokumente, frei von Rechten, kostenlos und zur Weiterverbreitung gedacht, mit Hilfe der Software ‚Mediawiki‘ an.“

Iranische Geschichte per Internet-Radio und Print-on-demand

Für Tondokumente hat sie sogar ein Internet-Radio ins Leben gerufen, das unter radio.mashruteh.org abrufbar ist. Außerdem kann man über die Stiftung Neudrucke von vergriffenen persisch- und deutschsprachigen Büchern per Print-on-demand beziehen. Ihre digitale Informationssammlung erweitert die Stiftung fortlaufend. „Derzeit befinden sich rund 70.000 Dokumente in unserer digitalen Informationssammlung“, berichtet von Keitz im Juni 2021. Wöchentlich erscheint auf der Startseite im Internet ein neuer Text zu einem bestimmten Thema der iranischen Geschichte. Diesen verbreitet die Stiftung zudem stets auf ihrer Facebook-Seite.

Die Iran-Darbandi-Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, die Zeit der Geschichte des Irans und Persischen Reiches zwischen 1900 und 1980 nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, sondern für Zeitgenossen und nachfolgende Generationen lebendig zu erhalten. „Eine Zeit“, wie von Keitz erläutert, „in der die absolute durch eine konstitutionelle Monarchie ersetzt wurde. Zudem ist der iranische Nationalstaat samt Verfassung und Parlament, ein modernes säkulares Rechtssystem, ein staatliches Bildungssystem und ein staatliches Gesundheitssystem entstanden. Das Feudalsystem wurde abgeschafft, das Frauenwahlrecht eingeführt und das islamische Familienrecht reformiert.“

Der „neue Iran“

Seit 2011 baut die Stiftung dazu ihre digitale Informationssammlung auf und aus. Der Bedarf nach Wissen über und aus dieser Zeit ist nach Angaben der Stiftung groß: Pro Tag würden die Seiten der Stiftung zirka 10.000 Mal aufgerufen. „Außerdem umfasst die Stammhörerschaft unseres Internet-Radiosenders rund 3.000 Persisch sprechende Personen in 50 Ländern, vor allem im Iran, in den USA und in Europa“, erzählt von Keitz. Benannt sei die Stiftung nach Iran Darbandi, einer Lehrerin, die Zeit ihres beruflichen Lebens am Aufbau des „neuen Irans“ mitgearbeitet habe. Sie habe nach 1980 in Köln eine neue Heimat gefunden und sei auf dem Melatenfriedhof bestattet.

So kann man sich engagieren

Insgesamt rund 20 Menschen arbeiten ehrenamtlich für die Stiftung. Sie sichten und veröffentlichen Dokumente, halten Kontakt zu Autorinnen und Autoren und erstellen das Radioprogramm, das nicht nur aus historischen Tondokumenten besteht, vor allem Reden und Musik, sondern auch aktuelle iranische Jazz-, Pop- und Rockmusik bietet. Vier Mal am Tag gibt es aktuelle Nachrichten. Darüber hinaus tragen die Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler weitere, von Exiliranerinnen und -iranern produzierte Programme zusammen. Außerdem kümmern sie sich um die Veröffentlichung persischer Literatur.

Finanziert hat sich die Stiftung bislang ausschließlich aus dem Kreis der Ehrenamtlichen, die die Stiftung finanziell und durch ihre Mitarbeit tragen. „Es gibt sicher zahlreiche Deutsche aus dem Kölner und Bonner Raum, die vor 1980 im Iran waren und positive Erinnerungen an diese Zeit haben“, ist von Keitz überzeugt. Sie seien herzlich eingeladen, die Stiftung finanziell und durch die Spende von Bild-, Text-, Video- oder Tondokumenten zu unterstützen. Auch die Sparkasse KölnBonn sei eine wichtige Unterstützerin. „Sie hat uns bei der Gründung hervorragend beraten“, sagt von Keitz. „Außerdem entlastet uns das Stiftungsmanagement der Sparkasse KölnBonn bei der Verwaltung, so dass wir uns voll auf unsere inhaltliche Arbeit konzentrieren können.“

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