RheinBühne-Festival 2019 – eine Woche Kultur am Stück

Vergangenes Jahr fand  das RheinBühne-Festival mit seiner Premiere große Resonanz beim Publikum. Eine Fortsetzung Happenings im Spätsommer zwischen Kleinkunst und Rockmusik stand somit außer Frage. 
 

August 2019

Foto:Ralf Rottmann

Mit der Bonner Programmreihe „RheinBühne“ haben sich Katharina Niehus sowie ihr Partner und Ehemann Paul Leipertz in den vergangenen drei Jahren einen Namen gemacht. Unter dem Motto „Kultur ist, wenn ihr live dabei seid!“ holen sie Acts aus diversen Sparten auf verschiedene Bühnen Bonns – von der Kleinkunst über Poetry-Slam bis hin zu Singer-Songwritern. Beiden Machern ist das eine echte Herzensangelegenheit. Sie möchten die Stadt mit Kultur bunter machen und stellen sich dieser Aufgabe immer wieder leidenschaftlich aufs Neue. 

"Die Leute sollen vom Sofa runter kommen, um sich Kultur live anzusehen"

Katharina Niehus, Gründerin RheinBühne Festival 

Daher riefen Niehus und Leipertz letztes Jahr zusätzlich zu ihren laufenden Veranstaltungen das RheinBühne-Festival ins Leben: eine Woche lang, jeden Abend, ein Spielort. „Wir haben versucht, ein Programm aus sieben verschiedenen Genres für jede Interessens- und Altersgruppe zusammenzustellen. Einfach, damit die Leute runter vom Sofa kommen, um sich Kultur live anzuschauen“, umreißt Katharina Niehus ihre Vision vom letzten Jahr, die sie mit ihrem Partner im September 2019 zum zweiten Mal umsetzt. 
 

Die Belohnung für ihre Mühen beim Debüt war vor allem ein Publikum, das ohne große Erwartungshaltung mit leuchtenden Augen die Vorstellungen besuchte – und umso begeisterter verließ. „So etwas spüren Künstler natürlich und geben das auch gerne zurück“, erinnert sich Katharina Niehus und ergänzt: „Da entwickelte sich eine tolle Eigendynamik.“ Bei so viel Erfolg mit rund 1.000 Gästen gab es an einer zweiten Auflage für dieses Jahr keine Zweifel.  

Italienische Ratten und saukomische Schönheiten

Einen großen Unterschied zu 2018 gibt es: Die Abende finden nicht mehr im Hotel Königshof statt, da dort in diesem Jahr keine Kapazität für das einwöchige Programm vorhanden war. Ein idealer Ausweichort war mit dem Clemens-August-Saal im Stadtteil Poppelsdorf schnell gefunden – eine vertraute Bühne, die das Team auch übers Jahr immer wieder gern als Spielort nutzt. Ab 2. September kann es dort losgehen mit dem neuen Festivalprogramm zwischen Kleinkunst, Comedy, Lesung, Magie – und in diesem Jahr sogar waschechter Rockmusik.

Den Auftakt macht der Wahlberliner Sebastian Lehmann mit seiner Lesung „Elternzeit“. Der gebürtige Badener hat die unterhaltsamen Telefonate mit seinen Eltern über brotlose Kunst, Tiefkühlpizza als Hauptmahlzeit und ausbleibende Enkelkinder mitgeschrieben. Mittlerweile liest er sie auf der Bühne – so auch am Montag, 2.09. im Clemens-August-Saal. Am folgenden Abend (Dienstag, 3.09.) erzählt Markus Barth von seinen „Zwanzigtausend Reiseleitern“, die er als Follower auf seiner Facebook-Seite hat, und wie es ist, wenn ihn diese wildfremden Menschen quer durch Europa schicken. Auf diesem Weg hat Barth tatsächlich in vier Monaten zwölf Länder des Kontinents bereist und 17.000 Kilometern zurückgelegt. Daraus wird auch in Erzählform auf der Bühne ein äußerst wilder Ritt.

Die Reihe „Jung und ungebremst!“ vereint auch in anderen Monaten regelmäßig Newcomer der Bonner Kabarett- und Comedyszene. So auch am Mittwoch, 4.09. im Clemens-August-Saal im Rahmen des Festivals. Am Tag danach (Donnerstag, 5.09.) gastiert dort Carmela de Feo alias La Signora. In der Show „Meine besten Knaller“ präsentiert sie genau diese in einem Best-of ihrer Soloprogramme. Mitsamt Akkordeon spielt sich die „italienische Ratte aus dem Ruhrpott“ oft anrüchig, meist bösartig und immer komisch durch Liederklassiker und wahnwitzige Momente. 

„Selig sind dieses Jahr mein persönliches Highlight“

Katharina Niehus 

Christoph Kuch wiederum hat 2012 die Weltmeisterschaft der Zauberkunst in der Sparte Mentalmagie gewonnen. Mit seinem Programm „Ich weiß“ führt er die Gäste des Festivals am Freitag, 6.09. an die Grenzen zwischen Realität und Fiktion. Da lässt es sich als Zuschauer schon mal am eigenen Verstand und der eigenen Wahrnehmung zweifeln. Wie gut, dass Nessi Tausendschön am folgenden Abend (Samstag, 7.09.) die Bonner Fans auf den Boden der Tatsachen zu holen weiß. Auf die originelle Künstlerin ist seit Jahren Verlass, ebenso auf ihren musikalischen Begleiter William Mackenzie. Gemeinsam erzählen sie Geschichten, die gleichermaßen rührend wie saukomisch sind – ganz große Kleinkunst!

Das Programm ist bis zu diesem sechsten Abend bereits ein vielversprechender Marathon zu fairen Eintrittspreisen ab 7 Euro pro Ticket. Einen Höhepunkt erlebt das Bonner Publikum dann sicherlich am Abschluss-Sonntag: „Selig sind dieses Jahr mein persönliches Highlight“, erzählt Katharina Niehus. „Ich war schon immer ein großer Fan von ihnen. Als ich den Sänger Jan Plewka letztes Jahr in der Philharmonie live mit einem Programm sah, war ich begeistert – und habe dann einfach bei der Agentur nachgefragt.“ Und siehe da: Die Zusage kam schnell. Die deutschsprachige Alternative-Band, die vor rund 20 Jahren mit ihrem Song „Ohne Dich“ ganz groß wurde, spielt am 8. September eines der letzten Konzerte ihrer „Selig spielt Selig“-Tour, auf der sie vor allem Stücke des ersten Albums auf die Bühne bringen. 
 

Und wie geht es zukünftig weiter mit dem RheinBühne-Festival?

„Nächstes Jahr werden wir auf jeden Fall sogar noch etwas größer. Wir können schon jetzt stolz ein Konzert der Kölner Band Köbes Underground im Brückenforum ankündigen“, verrät Katharina Niehus. Es scheint also, als würden sie und Paul Leipertz weiterhin für ein bewegtes Bonn sorgen wollen – ganz nach ihrem Motto: „Kultur ist, wenn ihr live dabei seid!“

Das könnte Sie auch interessieren:

Magazin durchsuchen...