Ein offenes Ohr für jeden Menschen

Im Corona-Jahr 2020 konnten die meisten Vereine und Institutionen ihre Angebote für die Menschen in der Region nicht oder nur teilweise aufrecht erhalten. Viele gerieten in finanzielle Not. Mit ihrer Spendenaktion „Vereint da durch“ unterstützte die Sparkasse KölnBonn mehr als 400 von ihnen mit jeweils 1.000 Euro. meinkölnbonn.de stellt einige der Vereine vor. Den Auftakt macht die TelefonSeelsorge Bonn/Rhein-Sieg e. V.

Mai 2021

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Fast ein halbes Jahrhundert

Seit 49 Jahren gibt es die TelefonSeelsorge Bonn/Rhein-Sieg, 2022 ist das halbe Jahrhundert voll. Als die Bonnerin Hildegard Schiffer sie 1972 gründete, stand die Unterstützung für suizidgefährdete Personen im Mittelpunkt. Sie hatte in ihrem Wohnumfeld drei Suizide mitbekommen und wollte Menschen in solchen existenziellen Notlagen die Chance bieten, mit jemandem vertrauensvoll über die eigene Krise sprechen zu können. Schnell fand sie ehrenamtliche Mitstreiterinnen und Mitstreiter und passende Räume und gewann erste Förderer. In den folgenden Jahrzehnten konnte der Trägerverein TelefonSeelsorge Bonn/Rhein-Sieg e. V. professionelle Strukturen schaffen.

So gibt es seit rund 20 Jahren eine Geschäftsstelle mit zurzeit vier Teilzeit-Angestellten. Gefördert wird die Arbeit von der Stadt Bonn sowie dem Rhein-Sieg-Kreis, dem Erzbistum Köln. Sowie den beiden Kirchenkreisen Bonn und Bad-Godesberg-Voreifel,  dem Kirchenkreis an Sieg und Rhein, zudem von der Michael-Franke-Stiftung mit Sitz in Bonn. Zahlreiche weitere Sponsoren und Spenden sichern das weitere Wirken der TelefonSeelsorge.

Frau Utz ist die Vorsitzende des Vereinsvorstands.

Das Engagement

„Das Fundament unserer Arbeit ist das großartige Engagement unser rund 90 ehrenamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger“, betont Barbara Utz. Sie ist seit vielen Jahren Vorsitzende des Vereinsvorstands und bringt auch ihre eigene Erfahrung als Telefonseelsorgerin mit. Anders als in den Anfangsjahren ist die TelefonSeelsorge Bonn/Rhein-Sieg rund um die Uhr zu erreichen, und das an 365 Tagen im Jahr. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden für ihre Aufgabe anderthalb Jahre lang ausgebildet und übernehmen jeweils durchschnittlich zwölf Stunden pro Monat am Seelsorge-Telefon.

Anlässe haben sich verschoben

Das Angebot ist anonym, kostenlos und wird intensiv genutzt: Pro Jahr zählt die TelefonSeelsorge Bonn/Rhein-Sieg 15.000 bis 20.000 Anrufe. Die Zahl ist seit Jahren vergleichsweise stabil, die Anlässe haben sich allerdings im Laufe der Jahrzehnte verschoben. „Suizidale Krisen gibt es nach wie vor, doch sind solche Anrufe zum Glück seltener, als man wahrscheinlich erwartet“, sagt Utz. Gesellschaftliche Veränderungen sorgen weiter für eine hohe Zahl an Kontaktaufnahmen. „Immer mehr Menschen leben allein, wir sind immer mobiler, dadurch werden Kontakte oberflächlicher. Die Zahl stabiler, langjähriger Freundschaften nimmt ab“, zählt Utz auf. Die Folge: In Krisensituationen fehlt oft eine enge, verlässliche Ansprechpartnerin oder ein Ansprechpartner. Deshalb rufen viele an oder mailen. Denn die TelefonSeelsorge Bonn/Rhein-Sieg bietet auch Mail-Seelsorge.

Ein weiterer Service, den längst nicht alle der insgesamt über 100 Telefonseelsorge-Stellen in Deutschland offerieren: Junge Menschen bis 27 und auch Eltern können sich an die TelefonSeelsorge Bonn/Rhein-Sieg wenden und einen persönlichen Beratungstermin mit einer Psychologin vereinbaren. „Dieses Angebot nutzen gerade während der Coronapandemie auch viele Jugendliche“, berichtet die Vorsitzende des Trägervereins.

Der Flyer der Telefonseelsorge liegt an vielen Orten aus.

Frau Utz arbeitet seit Langem bei der Seelsorge und hat dabei vieles erlebt.

Das Eingangsschild der Telefonseelsorge ist dezent gehalten.

Ein wichtiger Motivationsfaktor

Als die Sparkasse KölnBonn im Herbst 2020 die Spendenkampagne „Vereint da durch“ startete, zögerte Utz nicht lange und bewarb sich um eine der 1.000-Euro-Spenden. „Die Pandemie hat uns, wie so viele andere, unvorbereitet getroffen“, erzählt sie. Die Ausbildung der neuen Seelsorgerinnen und Seelsorger musste online fortgesetzt werden, ebenso die Supervision des aktiven Personals. Und die Geschäftsstelle musste ins Homeoffice wechseln. „Ein Invest in mehr IT-Ausstattung war erforderlich, deshalb kam die Spende gerade recht“, sagt Utz. Sie freut sich doppelt: Zum einen könne der Verein die Zuwendung wirklich dringend gebrauchen. „Zum anderen ist jeder Euro Förderung immer auch eine Zustimmung für unsere Arbeit“, betont sie, „eine Bestätigung, dass wir das Richtige tun. Das ist ein ganz wichtiger Motivationsfaktor!“

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