Musik für alle: Stiftung „Wilde Kinder“ überwindet Barrieren

Die Eheleute Rafaela und Dieter Wilde gründeten 2017 die Stiftung
„Wilde Kinder“. Vorrangiges Ziel ist es, Schüler musikalisch zu fördern. Die Sparkasse KölnBonn begleitet sie auf diesem Weg. 
 

April 2019

Foto: Bozica Babic

Stiftungsgründer Dieter Wilde (links) im Gespräch mit Markus Korfmacher vom Stiftungsmanagement der Sparkasse KölnBonn.

„Es ist gerade viel von der Digitalisierung der Schule die Rede. Ein sicherlich wichtiges Thema. Die Kreativität ist es aber auch. Und die kommt inzwischen leider zu kurz.“ Dieter Wilde weiß, wovon er spricht. 40 Jahre lang hat er in Köln als Lehrer gearbeitet. Kinder liegen ihm am Herzen. Dass immer weniger von ihnen in den Genuss von Musikunterricht kommen und dass die Schulen Musikstunden als Erstes ausfallen lassen, nimmt er mit Bedauern wahr. Auch seine Frau, Rafaela Wilde, sieht das so. Als Medienrechtsanwältin hat sie viel mit Musikern zu tun und ist darüber hinaus privat eine begeisterte Hobbypianistin. Als das Paar 2017 die Stiftung für Bildung und Kultur „Wilde Kinder“ gründete, stand deren Zweck deshalb schnell fest: die musikalische Förderung von Kindern.

„Da wir keine eigenen Kinder haben, hatten wir die Idee, diese Stiftung zu gründen. Um deren Verwaltung wollten wir uns aber nicht kümmern. So haben wir mit der Sparkasse darüber gesprochen, und sie hat alles Weitere in die Wege geleitet“, berichtet Dieter Wilde. Der 65-Jährige ist „Sparkassen-Kunde vom ersten Weltspartag an“, wie er es nennt. Zu Markus Korfmacher vom Stiftungsmanagement der Sparkasse KölnBonn, der das Ehepaar seit der Gründung von „Wilde Kinder“ begleitet, pflegt er ein vertrauensvolles Verhältnis. „Es ist gut, jemanden an seiner Seite zu wissen, der das professionell macht und sich mit allen Anforderungen auskennt. Ob jemand eine Spendenbescheinigung braucht oder die Steuererklärung ansteht – Herr Korfmacher kümmert sich darum“, sagt Dieter Wilde.

So hat er den Rücken frei, um das erste große Projekt anzuschieben: Aus seiner Zeit an der Gesamtschule Holweide kennt er den Leiter der Offenen Jazz Haus Schule. Gemeinsam mit ihm hat er überlegt, wie sich eine musikalische Förderung sinnvoll gestalten lässt. Nun musste eine passende Schule gefunden werden. Voraussetzung für die Förderung: die Bereitschaft, eine zusätzliche Musikstunde pro Woche für alle Kinder der fünften Klasse in den Lehrplan einzubauen und Musik zum schulischen Schwerpunkt zu machen. Die Integrierte Gesamtschule Innenstadt (igis) in Köln hat die Idee mit Begeisterung aufgenommen. So startet sie zum Schuljahr 2019/2020 das Schulprofil „Populäre und Experimentelle Musik“ (SPEM). 

 

Foto: Bozica Babic

Das Besondere am Konzept ist seine Offenheit. Das Musikangebot richtet sich an alle Schüler – es gibt keinen Lehrplan und keine Noten. Es geht um einen barrierefreien Zugang zur Musik – es geht um Spaß. „Musik gemeinsam zu machen, ist ein soziales Erlebnis. Unabhängig davon, wie gut ein Kind die Sprache beherrscht oder wie gut seine Leistungen in anderen Fächern sind. Jeder kann Musik machen“, betont Dieter Wilde. Die Musiker der Offenen Jazz Haus Schule gestalten den Unterricht gemeinsam mit den Musiklehrern der igis Köln. Darüber hinaus gibt es freiwillige Angebote außerhalb der Unterrichtszeit. 

Auch die Stadt Köln ist vom SPEM-Konzept überzeugt und hat entsprechende Gelder im Haushalt 2019 dafür ausgewiesen. So können Räume eingerichtet und Musikinstrumente angeschafft werden. Geplant ist es auch, dass Kinder – sollten der Wunsch und das Talent vorhanden sein – zusätzlich Einzelunterricht erhalten können, um ein Instrument zu erlernen. Auch das wird im schulischen Rahmen geschehen. „Der Unterricht soll in vertrauter Umgebung stattfinden, damit die Kinder nicht darauf angewiesen sind, dass ihre Eltern sie irgendwohin bringen. Außerdem werden die Musiker der Offenen Jazz Haus Schule sich darum kümmern, dass die Schüler auch in einer Frustphase am Ball bleiben“, so Dieter Wilde.

Foto: Bozica Babic

„Wer etwas Gutes mit seinem Geld tun und dabei selbst genau bestimmen will, wie die Mittel verwendet werden, für den ist eine Stiftung eine gute Option“, sagt Markus Korfmacher. „Bei Projekten ist es sicher auch von Vorteil, als Stiftung mit einem langfristigen Förderziel und nicht als Privatperson aufzutreten“, so Dieter Wilde. 

Auch in der Praxis wurde die künftige Zusammenarbeit der igis Köln und der Offenen Jazz Haus Schule bereits erprobt. Jede Klasse konnte unter professioneller Anleitung eine eigene Hymne komponieren und auf der Bühne aufführen. „Es war toll, alle Kinder haben mitgemacht und hatten sichtlich einen Riesenspaß“, freut sich Dieter Wilde. Ein kleiner Vorgeschmack darauf, was die Stiftung „Wilde Kinder“ in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch bewirken kann.

Foto: Bozica Babic

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