Herzlichen Glückwunsch zum 33. Geburtstag, lieber DAX

Weltweit bekannt ist er unter seinem Kürzel DAX. 2021 feiert der bedeutendste deutsche Aktienindex sein 33-jähriges Bestehen.

Juni 2021

Foto: ran Tantapakul/stock.adobe.com

Als Erfinder oder Entwickler des DAX gilt Frank Mella. Der Volkswirt und Journalist erhielt dafür das Bundesverdienstkreuz. Das Kürzel DAX stammt hingegen von Manfred Zaß damals Vorstandsmitglied der Deutschen Girozentrale (DGZ) und später Vorstandschef der DekaBank. Er erzählt, es sei ihm bei einem Spaziergang mit seinem Hund eingefallen. Übrigens ein Labrador und kein Dachshund.

Die Definition

 Der DAX wird als Performanceindex und als Kursindex ermittelt. Allgemeine Beachtung findet jedoch nur der Performanceindex. Dessen aktueller Stand wird abends vor der Tagesschau und auf den Titelseiten der überregionalen Tages- und Wirtschaftspresse veröffentlicht. Zur Erklärung: Ein Kursindex gibt die reine Kursentwicklung eines bestimmten Wertpapierportfolios wieder. Ein Performanceindex hingegen wird von Dividenden und Kapitalveränderungen beeinflusst.

Die Handelsbedingungen

Während der offiziellen Handelszeit von 9 bis 17.30 Uhr wird der DAX im Sekundentakt berechnet. Er dokumentiert dadurch das Börsengeschehen über den gesamten Tagesverlauf hinweg. Damit ein Unternehmen in den DAX-Index aufgenommen wird, muss es einen Sitz oder seine Kapitalmarktheimat in Deutschland haben und ein bestimmter Prozentsatz seiner Aktien muss am Markt frei handelbar sein. Die Deutsche Börse prüft regelmäßig die Aktualität aller Regeln und passt sie bei Veränderung der Marktbedingungen entsprechend an.

So entstand der DAX

1987 bekam Frank Mella, damals Redakteur der Börsenzeitung, den Auftrag seines Verlegers, sich über einen möglichen Index für die deutschen Aktienbörsen einmal Gedanken zu machen. Mella entwickelte ein 30-Seitiges Diskussionspapier, welches der Verleger einigen wenigen Banken vorlegte. Der Arbeitskreis deutscher Aktienindex wurde gegründet. Das Papier in diesem diskutiert und angepasst. Am Ende stand das Konzept und die Idee des DAX war geboren.

Am 23. Juni 1988 wurde der Deutsche Aktienindex offiziell mit einer großen Pressekonferenz eingeführt und bekam viel Aufmerksamkeit. Dieser Tag wird gern als das offizielle Geburtsdatum genannt. Als er ein paar Tage später, am 1. Juli, zum ersten Mal erschien, erregte die offizielle Einführung kein großes Aufsehen. Streng genommen reicht die Geschichte des DAX jedoch bis ins Jahr 1959 zurück, da er mit zwei älteren Vorgänger-Indizes verkettet worden ist, die ebenso Bestandteil der DAX-Zeitreihe sind.

Neue Medienaufmerksamkeit

Mit der Einführung des DAX änderte sich auch in der Berichterstattung über die Börse einiges. Im Fernsehen bekam die Börse damals nicht viel Beachtung, es sei denn eine große Kursschwankung oder ein Rekord ereignete sich. Auf einmal waren Aktienkurse im Fernsehen zu sehen. Ein Novum. Die Telebörse sendete nun werkags live auf Sat.1 vom Ort des Geschehens. Zwei Wochen später ereignete sich der schwerste Börsenkrach seit 1929, gefundenes Futter für Wirtschaftsjournalistinnen und -journalisten.

Vorreiter war der deutsche Aktienmarkt auch bei der Vollmatrixtafel. Am 10. Oktober 1988 wird diese für den DAX in Betrieb genommen. Auf der Welt gab es zu dem Zeitpunkt nichts Vergleichbares. Bis heute bildet sie den Deutschen Index ab.

Höhenflüge und Abstürze

Wirft man einen Blick auf die letzten 33 Jahre, dann hat der DAX schon einige turbulente Börsentage mitgemacht:

  • Am Montag, den 16. Oktober 1989, also kurz nach seinem offiziellen Start erlitt der DAX den größten Tagesabsturz seiner gesamten Geschichte. Er brach um 12,81 Prozent ein. Am Freitag zuvor war in den USA die Finanzierung der Fluggesellschaft United Airlines gescheitert.
  • Am 19. August 1991 verbuchte der DAX einen Tagesverlust von 9,40 Prozent. Es war eine Reaktion auf den später gescheiterten Putsch gegen den sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow. Es ist der drittgrößte Tagesverlust der DAX-Historie.
  • In der Top Ten der Tagesgewinne zwar nur auf Platz sieben, in den Medien aber ein Vorfall der 2002 für viel Furore sorgte: das Platzen der Dotcom Blase.
  • Die Finanzkrise und Volkswagen wirbelten 2008 den DAX wieder ziemlich durcheinander. In diesem Jahr wurden der höchste und der dritthöchste Tagesgewinn erreicht. Spekulationen zu Ankündigungen eines umfangreichen Rettungspaketes im Zuge der Rezession sorgten für einen Anstieg von 11,40 Prozent. Einer der spektakulärsten Vorfälle war wohl die VW-Krise im selben Jahr. Eines der spektakulärsten Vorfälle war wohl die VW-Krise im selben Jahr. Entstanden waren die starken Schwankungenals die Porsche Autombil Holding versuchte, den Volkswagen Konzern zu übernehmen. Als Porsche dies bekannt gab, kam es in den Folgetagen zu einem heftigen sogenannten ShortSqueeze. Eine Marktsituation, bei der ein Kurs durch Deckungskäufe (sogenannte Leerverkäufer), auch „Shorties“ genannt, verstärkt nach oben getrieben wird. Die starke Nachfrage machte Volkswagen kurzzeitig zum wertvollsten Unternehmen der Welt, da der Kurs des Papiers zeitweise bis auf über 1.000 Euro hochschoss. Und zu dem dritthöchsten Tagesgewinn der Geschichte, 11,28 Prozent plus.
  • 2020 hat auch die COVID-19-Pandemie deutliche Spuren an der Börse hinterlassen: Am 12. März 2020 kam es zum zweithöchsten Tagesverlust, den der DAX bisher erlebt hat. Minus 12,24 Prozent ging der Index in den Keller. Auslöser war die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie. Dafür erlebte er aber auch knapp zwölf Tage später bereits einen historisch hohen Aufschwung mit 10,98 Prozent und rangiert damit auf Platz vier der höchsten Tagesgewinne.

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