Das Schaltjahr: Kurioses, Seltsames und Geburtstage

Dieses Jahr bekommen wir einen zusätzlichen Tag geschenkt, den 29. Februar. Der Extratag, den es nur alle vier Jahre gibt, bringt einige Traditionen mit sich - manche skurril und seltsam, andere sind historisch betrachtet äußerst sinnvoll. meinKölnBonn hat für Sie allerhand Wissenswertes darüber zusammengetragen und sich zudem mit der Frage beschäftigt, wie es ist, an diesem besonderen Tag Geburtstag zu haben. 

Februar 2020

Stocksy/YAROSLAV DANYLCHENKO

„Ich gehe stark davon aus, dass ich dieses Jahr die eine oder andere Schultüte zum Geburtstag geschenkt bekommen werde“, sagt der 23-jährige Mickey mit einem Schmunzeln. Er wird dieses Jahr am 29. Februar erst zum sechsten Mal in seinem Leben seinen offiziellen Geburtstag feiern. Eine Vorstellung, die wohl für die meisten Menschen befremdlich sein dürfte. Für Mickey und schätzungsweise 57.000 andere Deutsche hingegen nicht. „Ich fand die Geschichte rund um den Schalttag schon immer spannend. Umso lustiger ist es für mich, genau an diesem Tag auch Geburtstag zu haben.“ Nur alle vier Jahre haben Geburtstagskinder, die genau an diesem Tag geboren wurden, die Chance, an dem exakten Tag ihres Geburtsdatums zu feiern. An welchem Tag sie in den anderen Jahren feiern, am 28. Februar oder am 1. März, ist ihnen freigestellt. Gesetzlich festgelegt ist allerdings, dass sie offiziell erst am 1. März ein Jahr älter werden. 

Einen Extratag alle vier Jahre

Warum gibt es eigentlich alle vier Jahre einen Schalttag beziehungsweise ein Schaltjahr? Die kurze Antwort: Die Erde ist zu langsam. Sie braucht für die Sonnenumrundung statt der veranschlagten 365 Tage jedes Jahr knapp sechs Stunden mehr. Um diesen Rückstand aufzuholen, wird alle vier Jahre ein Schalttag eingefügt. Ansonsten würden sich unsere Jahreszeiten ganz allmählich nach hinten verschieben. So einfach wie die Rechnung wirkt, ist sie allerdings nicht: Die jährlichen sechs Extrastunden sind nur grob berechnet. Die Erde benötigt für die Umlaufzeit genau genommen 365 Tage, fünf Stunden, 48 Minuten und 46 Sekunden. Mit sechs Stunden kalkuliert, ergibt sich alle 128 Jahre ein Schaltjahr zu viel. Also fällt der Schalttag in den Jahren, die ohne Rest durch 100, aber nicht durch 400 teilbar sind, aus. Ganz schön kurios, finden Sie nicht?

Stocksy/LYUBA BURAKOVA

Internationale Traditionen zum Schaltjahr

Schaltjahre bringen Unglück. Dieser Aberglaube ist international verankert und fast so alt wie das Schaltjahr selbst. Bereits bei den Römern galt der zusätzliche Tag im Februar als Unglückstag, weswegen sie in diesen Jahren keine Weingärten anlegten. Die Franzosen fürchteten, dass die Obstbäume nur alle vier Jahre Früchte trügen, wenn sie zuvor in einem Schaltjahr veredelt worden waren. In Mexiko bringt es noch heute Unglück, am 29. Februar arbeiten zu gehen. Die Russen glauben, dass alles, was man in diesen Jahren beginnt, zum Scheitern verurteilt ist. Ein Haus bauen? Undenkbar! Denn wer darin lebt, wird nach russischem Aberglauben krank. Selbst in China gelten Schaltjahre, dort Drachenjahre genannt, als unheilvoll und in Griechenland bringe das Heiraten in Schaltjahren Pech und führe entweder zur Scheidung oder sogar zum Tod eines Partners. 

Leap Day: Frauen an die Macht

Doch weil Schaltjahre eine Ausnahme von der Regel sind, können sie auch Potenzial für Veränderungen in sich tragen. Am Schalttag wandeln sich vielerorts die stereotypischen Geschlechterrollen. 

In Großbritannien und Irland machen hunderte Frauen am sogenannten Leap Day ihren Liebsten einen Heiratsantrag. Diese Tradition hat ihre Wurzeln im Mittelalter. Damals war der Schalttag kein gesetzlicher Tag, weshalb die eigentlichen gesellschaftlichen Regeln nicht eingehalten werden mussten. Frauen nutzten diesen Tag, um sich ihren Zukünftigen s3elbst auszusuchen und um dessen Hand anzuhalten. Aus dieser Bewegung folgte, dass Königin Margarete von Schottland im Jahr 1288 ein Gesetz erließ, das Frauen offiziell erlaubte, am Leap Day Heiratsanträge zu machen. Auch kulinarisch passen sich die Briten dem Leap Year – also dem „Sprungjahr“ – an. Einige verzehren am 29. Februar zum Beispiel gerne Froschschenkel, da der Frosch in Großbritannien das Symboltier des Schaltjahres ist.

Schaltjahrtraditionen in Deutschland

Auch im deutschsprachigen Raum wandelt das Schaltjahr althergebrachte Traditionen ab. Stellen eigentlich traditionell junge Männer ihrer Angebeteten in der Nacht zum 1. Mai einen dekorierten Maibaum vor die Tür, sind in Schaltjahren junge Frauen an der Reihe, diese Tradition umzusetzen. Auch der Elferrat im rheinischen Karneval wird alle vier Jahre von Frauen besetzt. Aber nicht nur hier werden die Rollen getauscht. Auch der norddeutsche Brauch des Schachtelkranzes – Frauen bekommen zu ihrem 25. Geburtstag aufgereihte Schachteln geschenkt – wandelt sich in Schaltjahren. Die Frauen bekommen stattdessen einen Kümmerlings- oder Flaschenkranz, den normalerweise unverheiratete Männer geschenkt bekommen. Auch das Domtreppenfegen, das ledige Männer an ihrem 30. Geburtstag erledigen müssen, machen in Schaltjahren die Frauen – die Männer müssen an deren Stelle die Klinken putzen.

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