Lebensmittel retten

In Deutschland landen zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr im Müll. Das muss nicht sein. meinkoelnbonn.de gibt Tipps, was gegen diese Verschwendung getan werden kann.

April 2021

Foto: ChristArt/stock.adobe.com

Der große Sack Kartoffeln ist im Angebot – rein in den Einkaufskorb, auch wenn zu Hause keine Großfamilie wartet. Der Apfel hat schon eine Druckstelle – den lassen wir mal lieber im Regal. Der Joghurt läuft schon in zwei Tagen ab? Dann greifen wir wohl zu dem anderen. Was? Das Lieblingsbrot ist kurz vor Feierabend schon ausverkauft? Frechheit! Bei solchen Gedanken oder Handlungsweisen haben sich bestimmt fast alle von uns schon mal erwischt.

52 Prozent des Mülls verursachen Verbraucherinnen und Verbraucher

Dies sind nur einige wenige Gründe, warum hierzulande jedes Jahr zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel in der Tonne landen. Laut der Studie „Lebensmittelabfälle in Deutschland – Baseline 2015“ verursachen 52 Prozent dieses Mülls Verbraucherinnen und Verbraucher. 18 Prozent davon hat die Lebensmittelverarbeitung zu verantworten. 14 Prozent geht auf die Kappe der Außer-Haus-Verpflegung, zwölf Prozent auf die Primärproduktion und vier Prozent sind auf den Handel zurückzuführen.

Weitere Gründe für Lebensmittelverschwendung

Einige Produkte werden gar nicht erst geerntet, weil sie in ihrer Form, Größe oder Farbe nicht den üblichen Anforderungen der Verbraucher entsprechen. Andere Lebensmittel müssen weite Strecken zurücklegen, bis sie bei uns ankommen oder vertragen die Lagerung nicht. Weil wir zu jeder Zeit alles frisch verfügbar haben wollen, wird zudem zu viel produziert. Und manchmal fehlt uns schlicht die Wertschätzung für die Dinge, die uns ernähren. Im europäischen Vergleich geben Deutsche nach wie vor eher wenig Geld für die Ernährung aus.

Schlecht fürs Klima und die Menschen

Das Problem bei so viel Müll: Die Produktion all unserer Lebensmittel kostet Energie, Wasser und andere Rohstoffe. Der Anbau und der Transport verursachen CO2. Zudem lohnt es sich finanziell für ärmere Länder oft mehr, Lebensmittel für reiche Teile der Welt zu produzieren, die vor lauter Überfluss Obst und Gemüse in die Tonne werfen. So sind reiche Nationen mit dafür verantwortlich, wenn diese Länder zu wenig für die eigene Bevölkerung anbauen und Menschen dort hungern. Zudem führt die Überproduktion zu einer steigenden Nachfrage. Und das wiederum zu steigenen Preisen, insbesondere bei Grundnahrungsmitteln. Doch was können wir dagegen tun?

Krummes Gemüse und Brot vom Vortag

Zunächst können wir uns alle bemühen, bedarfsgerecht einzukaufen. Am besten bezieht man beim Planen des Einkaufs daher alle im Haushalt Lebenden mit ein. Wenn es zum Essensplan passt, gern zu den Produkten greifen, deren Verfallsdatum kurz bevorsteht. Krumme Möhren schmecken ebenso wie gerade Exemplare. Und das Brot vom Vortag macht sich ebenfalls gut im Lunchpaket. Solche Lebensmittel gibt es bei „The Good Food“ in Köln-Ehrenfeld und Köln-Sülz ausschließlich. Bezahlt wird, was die Produkte der- oder demjenigen wert sind. Feste Preise Fehlanzeige. Das liegt unter anderem daran, dass Lebensmittel, bei denen das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, nicht mehr verkauft werden dürfen, egal ob sie noch gut sind oder nicht.

Gerettete vegane Bio-Lebensmittel

Wer ein Fan von Bio-Lebensmitteln und veganer Ernährung ist, sollte sich im Online-Shop des Kölner Unternehmens Veggie Specials umschauen. Dort finden sich bio-vegane Lebensmittel aus Lebensmittelrettung. Veggie Specials hat es sich zur Aufgabe gemacht, etwa solche Produkte zu vertreiben, bei denen die Etiketten fehlerhaft bedruckt sind, die etwas weniger wiegen als auf der Verpackung angegeben oder die in Sachen Konsistenz, Größe und Farbe von der Norm abweichen. Mit einem neuen, korrigierten Etikett werden die Bio-Produkte wieder verkaufsfähig gemacht. Das Unternehmen wurde mit diesem Konzept sogar für den Bundespreis „Zu gut für die Tonne 2021“ nominiert.

Kreative Resteverwertung

Außerdem sollten die Vorräte immer im Blick behalten werden. Wenn doch mal das ein oder andere übrig bleibt, heißt es: Kreativ werden und ein leckeres Allerlei zaubern. Rezepttipps dafür gibt es zum Beispiel per App. Überreifes kann gut in einem Smoothie, in Chutney oder Marmelade verwertet werden. Wer die Lebensmittel richtig lagert, hat außerdem länger Freude an ihnen. Dazu sollten Kühlschrank und Vorratskammer regelmäßig gereinigt werden.

Essen retten per App

Wer gern spontan kocht, was die Speisekammer so hergibt, oder Überbleibsel von Hotels, Restaurants, Imbissen und Bäckeren gebrauchen kann, sollte sich die App „Too Good To Go“ herunterladen. Über das Smartphone können Nutzerinnen und Nutzer checken, welche Anbieter sich in der Nähe befinden. Einfach Gewünschtes reservieren und mit Paypal oder Kreditkarte bezahlen. Danach erhalten Kundinnen und Kunden einen Kaufbeleg, der bei der Anbieterin oder dem Anbieter vorgezeigt werden muss und dort entwertet wird. Das Angebot wechselt und Beliebtes ist natürlich schneller vergriffen. Der Zeitraum, in dem das Essen abgeholt werden muss, liegt meist zwischen einer Stunde und zehn Minuten vor Ladenschluss.

Foodsharing in Köln und Bonn

Wer noch mehr gegen Lebensmittelverschwendung tun möchte, kann sich engagieren, zum Beispiel bei Foodsharing. In Köln sind laut eigenen Angaben der Initiative mehr als 1.000 ehrenamtliche sogenannte „Foodsaver“ aktiv. Sie organisieren die Abholungen bei über 180 Kooperationspartnerinnen und -partnern und retten damit jeden Tag viele 100 Kilo Nahrung vor der Tonne. Lebensmittel, die man nicht mehr benötigt, können etwa über die Foodsharing-Website als Essenskorb angeboten werden. Zudem gibt es im Stadtgebiet mehrere „FairTeiler“, bei denen Lebensmittel mit anderen geteilt werden können. Sowohl in Köln als auch in Bonn existieren zahlreiche solcher Stellen. Wegen der Coronapandemie sind diese leider aktuell geschlossen.

Mitmachen und Lebensmittel retten

Wer selbst aktiv sein will, kann sich online registrieren. Nachdem sich Interessierte mit der ehrenamtlichen Arbeit auseinandergesetzt und informiert haben, folgt ein kleines Quiz. Es soll sicherstellen, dass sie sich mit den Verhaltensregeln der Initiative befasst haben. Wurde das Quiz bestanden, melden sich die „Foodsaver" persönlich und vereinbaren Termine. Dabei zeigen sie, wie die Abholung bei den Kooperationspartnern funktioniert und worauf es zu achten gilt. Los geht's: Wer registriert ist, kann Essenkörbe annehmen und schauen, was andere „Foodsharer“ in der Nähe anbieten.

Nicht nur weitere Ehrenamtler sind bei Foodsharing stets willkommen. Wer möchte, kann die Initiative zudem mit Spenden unterstützen. 

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