Wer steckt hinter der Hermann-Pünder-Straße?

Wer beim Spaziergang vor der eigenen Haustür die Augen offenhält, findet so manchen Namen auf Straßenschildern, dem er vorher noch nicht begegnet ist. Welche spannenden Geschichten und herausragenden Persönlichkeiten dahinterstecken, erfahren die Leserinnen und Leser von meinkoelnbonn.de in der Reihe „Wer steckt eigentlich hinter ...?“. In diesem Monat geht es auf die „Schäl Sick“ nach Köln-Deutz.

Mai 2021

babayuka/stock.adobe.com

In der Reihe „Wer steckt eigentlich hinter ...?“ erkundet meinkoelnbonn.de die Straßen von Köln und Bonn.

Sarah Görtz

Dieses Mal führt uns der Weg in die Hermann-Pünder-Straße nach Deutz.

Adobestock/etfoto

Sie liegt unweit des Bahnhofs Köln-Messe/Deutz.

Sarah Görtz

Zahlreiche Touristinnen und Touristen zieht es Jahr für Jahr zum KölnTriangle wegen seiner Aussichtsplattform.

Sarah Görtz

Beim Gang durch die Straße erspäht man in der Ferne den Dom.

Adobestock/Norbert Frommelt

Ebenfalls nur ein paar Schritte entfernt: der Rheinboulevard.

Zwischen einem zentralen Verkehrsknoten der Domstadt, dem Bahnhof Köln-Messe/Deutz, und der Flaniermeile mit Blick auf die Kölner Skyline, dem Rheinboulevard, liegt die Hermann-Pünder-Straße. Ebenso ist sie eine Anlaufstelle für diejenigen, die die Stadt aus einem anderen Blickwinkel betrachten möchten: vom 29. Stock des Köln Triangle Turms. Viele Kölnerinnen und Kölner sowie Besucherinnen und Besucher der Stadt sind sie also schon einmal entlanggelaufen. Doch viele von ihnen wussten wahrscheinlich nicht, welche herausragende Persönlichkeit Hermann Pünder war.

Wer war Hermann Pünder?

Hermann Pünder war Jurist, Soldat, Beamter, Gegner des Nationalsozialismus, KZ-Häftling, Mitbegründer der CDU, Oberbürgermeister von Köln, Oberdirektor der britisch-amerikanischen Zweizonen-Verwaltung sowie Bundesverdienstkreuzträger. Und das alles in einem Leben – doch der Reihe nach ...

Hermann Pünder wird am 1. April 1888 in Trier geboren. Seine Kindheit verbringt er in Köln, wo er – wie Konrad Adenauer – das Apostelgymnasium besucht. Sein Abitur legt er dann 1906 in Münstereifel ab. Zum Studium der Rechts- und Staatswissenschaften zieht es ihn nach Freiburg, London und Berlin. Er promoviert in Jena. Seine juristischen Staatsexamina besteht er mit der selten vergebenen Note „gut“. Wie andere junge Männer seiner Zeit kämpft Pünder zudem im Ersten Weltkrieg.

Hermann Pünder

Bundesarchiv

1927:
Pünder wird Chef der Reichskanzlei im Rang eines Staatssekretärs.

1933:
Nach der Entlassung von Reichskanzler Heinrich Brüning wird Pünder Regierungspräsident in Münster.

1945:
Er ist Mitgründer der Christlich-Demokratischen Partei – später CDU – in Münster und wird Oberbürgermeister von Köln.

1946:
Pünder wird Mitglied des Landtags in Nordrhein-Westfalen.

1948:
Der Politiker wird Oberdirektor des Wirtschaftsrats des Vereinigten Wirtschaftsgebietes.

1949:
Er sitzt im ersten Deutschen Bundestag und bleibt im Parlament bis 1957.

1952:
Er ist Vizepräsident des sogenannten Montanparlaments.

1953:
Pünder erhält das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband.

Staatssekretär in der Weimarer Republik

1920 heiratet er Magda Statz. Die beiden bekommen vier Kinder. In der Weimarer Republik macht Pünder Karriere. Er wird Chef der Reichskanzlei im Rang eines Staatssekretärs. Dieses Amt bekleidet er sechs Jahre – eine für die Weimarer Zeit untypische Kontinuität. Drei Reichskanzler sieht er kommen und gehen. Danach arbeitet er als Regierungspräsident in Münster, bis ihn die Nationalsozialisten in Pension schicken.

Gegner des Nationalsozialismus und KZ-Häftling

Besuche von Carl Friedrich Goerdeler, einem der Köpfe der bürgerlichen Widerstandsbewegung, lassen ihn ins Visier der Gestapo gelangen. Nach dem Scheitern des Attentats vom 20. Juli auf Adolf Hitler wird er verhaftet, eingesperrt, aus der Wehrmacht sowie aus dem Beamtenstand ausgeschlossen und verliert seine Pensionsansprüche. Zwar wird er am Volksgerichtshof unter Roland Freisler vom Vorwurf des „Hochverrats“ freigesprochen, danach aber in die Konzentrationslager Ravensbrück, Buchenwald und Dachau verschleppt. 1945 wird er im Pustertal von amerikanischen Soldaten befreit.

Mitgründer der CDU und Oberbürgermeister von Köln

Zurück in Münster ist er Mitgründer der Christlich-Demokratischen Partei – später CDU. Für sie zieht er 1946 in den Landtag Nordrhein-Westfalens ein. Bei der Wahl zum ersten Deutschen Bundestag am 14. August 1949 erlangt er einen Sitz im Parlament, dem er bis 1957 angehört. Bereits im Herbst 1945 zieht es ihn nach Köln, wo er die Nachfolge von Konrad Adenauer antritt und Oberbürgermeister wird. Zunächst wird er von der britischen Militärregierung dazu ernannt, 1946 dann auch als solcher gewählt. In dieser Stellung, die er bis 1948 ausübt, macht er sich stark für den Wiederaufbau der zerstörten Stadt und ruft einen „Ehrendienst“ fürs Schutträumen ins Leben. Auch das kulturelle Leben der Domstadt prägt Pünder. Zur Eröffnung der Kölner Kulturtage im Oktober 1946 sagt er: „Wir müssen lernen, dass die nationale und die europäische Idee sich nicht ausschließen, wir müssen einen echten Ausgleich zwischen Patriotismus und übernationalem Denken finden.“ Außerdem leitet er etwa von 1947 bis 1973 den Zentral-Dombau-Verein zu Köln.

Oberdirektor der „Bizone“

1948 wird er Oberdirektor der britisch-amerikanischen Zweizonen-Verwaltung in Frankfurt. Er selbst beschreibt seine Stellung als „Chef der Quasi-Regierung der vereinigten Zonen“. In diese Zeit fällt etwa die Vorentscheidung für das Wirtschaftsmodell der „Sozialen Marktwirtschaft“.

Träger des Bundesverdienstkreuzes

Im Kabinett von Bundeskanzler Adenauer findet Pünder keinen Platz. Dafür tut er sich auf europäischer Ebene hervor. So führt er die Delegation des Deutschen Bundestages in der Beratenden Versammlung des Europarates in Straßburg an, der ersten Parlamentarischen Versammlung der Geschichte Europas. Außerdem ist er Vizepräsident der Gemeinsamen Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl. Konrad Adenauer nennt ihn 1953 in seiner Rede zur Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern und Schulterband „Vorkämpfer der europäischen Einigung“. Hermann Pünder stirbt am 3. Oktober 1976 und wird auf dem Kölner Melatenfriedhof beigesetzt.

Eine herausragende Persönlichkeit, nach der in Köln-Deutz eine Straße benannt ist.

 

Begraben wurde Hermann Pünder auf dem berühmten Kölner Melatenfriedhof.

Was kann man rund um die Hermann-Pünder-Straße unternehmen?

Preisgekrönt sowie bei Spaziergängerinnen und Spaziergängern beliebt ist der 500 Meter lange Rheinboulevard. In die Treppe integriert wurde zudem der sogenannte „Schinkenkessel“, Überreste des Halbturms mit spätrömischem Mauerwerk. Die Stufen zwischen der Hohenzollernbrücke und der Deutzer Brücke bieten rund 10.000 Menschen Platz. Der ideale Platz, um den Sonnenuntergang mit Blick auf die Kölner Altstadt und den Dom zu genießen.

Warum lohnt ein Blick vom Köln Triangle Turm?

Wer Köln besucht, erklimmt meistens die Stufen des Kölner Doms und genießt von dort eine beeindruckende Sicht auf die Stadt. Ein ebenso beliebtes Ziel für eine schöne Aussicht ist der Köln Triangle Turm. Von der 29. Etage, mehr als 103 Meter über dem Erdboden, bietet sich Besucherinnen und Besuchern ein toller Blick auf die Kölner Skyline – mit Dom. Wegen der Coronapandemie ist die Aussichtsplattform derzeit geschlossen. Aktuelle Informationen gibt es auf der Website zum Köln Triangle Turm.

Ein Ausflug nach Köln-Deutz in die Hermann-Pünder-Straße und die Umgebung lohnt sich – ob zum einfachen Spaziergang oder für einen besonders schönen Blick auf die Kölner Skyline, egal aus welcher Perspektive.

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