Was das WOKI zum Bonner Kultkino macht

Seit über 20 Jahren ist das WOKI eine Institution in Bonn. Auch im digitalen Zeitalter behauptet sich das Kultkino dank kreativer Ideen, engagierter Mitarbeiter und einer Mischung aus moderner Technik und Interieur mit Retrocharme. Ein Blick hinter die Kulissen. 
 

Foto: Marina Weigl

Das Foyer des WOKI am Bertha-von-Suttner-Platz füllt sich. Der Duft von Popcorn hüllt die Besucher wie eine kuschelweiche Decke ein. Manche knuspern schon genüsslich, andere schauen sich noch Plakate mit den aktuellen Programmhighlights an. Das WOKI ist eines der wenigen Kinos in Deutschland, in denen es freie Platzwahl gibt. Beim Warten auf den Einlass kommen Fremde ins Gespräch. Die Vorfreude auf den Film macht sie zu einer Interessengemeinschaft. Gleich werden sie für knapp zwei Stunden ihre Smartphones ausschalten und in eine andere Welt eintauchen, zusammen im dunklen Saal lachen, bangen, vielleicht eine Träne verdrücken. Vorhang auf, Film ab! 

„Dieses intensive kollektive Erlebnis, die Möglichkeit, den Alltag auszublenden, sich voll und ganz auf etwas Neues einzulassen und soziale Wärme zu spüren, ist genau das, warum es sich lohnt, ins Kino zu gehen. Kein Streamingdienst und keine Couch zu Hause können das ersetzen“, betont Theaterleiter Felix Bresser. Zusammen mit den Gesellschaftern und Prokuristen Tobias Kraemer und Vincent Bresser ist er Teil der Geschäftsleitung der CineVision Filmtheater GmbH, der Betreibergesellschaft des WOKI. 

Punkten mit Persönlichkeit

„Obwohl das Kino schon oft totgesagt wurde, haben wir hier einen sehr lebendigen Ort, an dem sich Jung und Alt für Filme begeistern können. Das spornt uns an, unsere Arbeit weiterzumachen“, sagt Vincent Bresser. Vor genau 20 Jahren hat er während seines Ethnologiestudiums als Aushilfe im WOKI angefangen, genau wie Tobias Kraemer, der damals BWL studierte. Popcorn verkaufen, Tickets kontrollieren, Filmrollen wechseln – das waren ihre Aufgaben damals. Heute beschäftigen sie sich mit Filmeinkauf und Disposition, führen Verhandlungen mit Filmverleihern, organisieren Events und entwickeln neue Projekte. Felix Bresser ist als Theaterleiter für das Marketing, für Social Media und die Personalführung zuständig. Auch seine Karriere im WOKI begann mit einem Studentenjob. 

Fotos: Marina Weigl

Es drängt sich die Frage auf, warum ein Kino mit drei Sälen und insgesamt 470 Plätzen drei Geschäftsleiter braucht. „Wir sind eigentlich sogar zu viert. Unser Kollege Rainer Otto ist leider heute nicht anwesend“, ergänzt Tobias Kraemer und stellt klar: „Im WOKI spielen wir nicht bloß Filme ab, sondern bieten unseren Gästen ein vielfältiges kulturelles Programm. Das erfordert Zeit und ausreichend personelle Ressourcen. Insgesamt sind wir 35 Mitarbeiter. Kinos vergleichbarer Größe haben meist deutlich weniger. Doch wir definieren uns als Servicekino, bei uns ist an jeder Position immer jemand für die Gäste da, der seinen Job gern macht.“ 
Und das kommt offensichtlich an. „Leckeres Popcorn“, „unglaublich freundliches Personal“, „faire Preise“ – so die häufigsten Besucherkommentare zum Bonner WOKI in den Onlinemedien. „Wir sprechen immer intern von den drei Ps, die unsere Gäste schätzen – Popcorn, Preise und Personal“, bestätigt Felix Bresser. 

Alte Tugenden und neue Technik

Als das in die Jahre gekommene Filmtheater 2015 für über zwei Millionen Euro von Grund auf umgebaut und technisch modernisiert wurde, befürchtete manch einer der studentischen Stammgäste, die liebgewonnenen Attribute würden verlorengehen. Doch nach der Wiedereröffnung 2015 erstrahlte das Kino dann zwar im neuen Glanz, doch die alten Tugenden blieben. „Wir sind keine Blackbox im Premiumsegment geworden, sondern haben einen attraktiven Raum zum Wohlfühlen geschaffen. Dabei haben wir uns an den Filmpalästen der 50er Jahre orientiert – samtene Wandbespannung, schwere Vorhänge, gemütliche Sessel. Auch die Vögel an der Wand im goldenen Saal erzählen eine Geschichte. Die deutsche Repräsentanz der Walt Disney Company eröffnete das Haus 1954 als eines der modernsten Kinos der damaligen Zeit. „Die Wasservögel“ war einer der ersten Filme, die hier gezeigt wurden“, erklärt Vincent Bresser. 

Fotos: Marina Weigl

Ruhm und Rummel

Ob Blockbuster oder Art House, Kinder- oder Dokumentarfilme, Sneakpreview oder Klassiker – im WOKI läuft für jeden etwas. Diese Vielfalt ist sicher einer der Gründe dafür, dass das Kino rund 180.000 Besucher pro Jahr zählt. Das sind gut 70.000 mehr als vor dem Umbau. 2018 – im Jahr seines 20-jährigen Jubiläums – wurde das WOKI als erstes Filmtheater überhaupt zu Deutschlands Lieblingskino gekürt.
„Es war unglaublich, dass wir aus 1.600 Kinos sowohl das Publikum als auch die Fachjury mit unserer Arbeit am meisten überzeugen konnten. Was danach passiert ist, hat uns regelrecht überrollt. Nicht nur unsere Fans waren stolz, dass ihr persönliches Lieblingskino gewonnen hat. Ganz Bonn feierte diese Auszeichnung mit“, berichtet Tobias Kraemer. 

Foto: Marina Weigl

Modernste digitale Audio- und Bildtechnik hielt im Zuge der Modernisierung Einzug ins WOKI. Sie macht vieles schneller und einfacher. Jetzt muss niemand mehr die einzelnen Filmstreifen zusammenkleben oder den Film nach dem Abspielen zurückspulen. Der technische Leiter des Theaters gibt Steuerbefehle in den Computer ein und alles läuft automatisch ab. Doch die neue Technik birgt auch Tücken. Als der Sturm Eberhard über Bonn hinwegwehte, kam es zu einer technischen Panne. Die warme Luft aus dem Projektor konnte nicht wie sonst nach außen abgeleitet werden, der Wind drückte sie zurück in das Rohr. Das System schaltete auf Not-Aus und der Projektor ist mitten im Film ausgegangen. „Unsere Möglichkeiten sind in einem solchen Fall begrenzt. Früher ist es auch schon mal passiert, dass der Film riss, aber dann konnten wir ihn selbst zusammenkleben. Jetzt ist im Fall der Fälle die Fernwartung gefragt. Zum Glück passiert so etwas äußerst selten“, sagt Felix Bresser. 
 

Inzwischen hat sich der große Rummel um Deutschlands erstes Lieblingskino etwas gelegt. Dieses und nächstes Jahr tritt das WOKI nicht zur Wahl an. „Gemeinsam mit dem Veranstalter Moviepilot haben wir die Regel vereinbart, dass jeder Gewinner zwei Jahre nach dem Titel pausiert. Andere sollen genauso profitieren wie wir. Aber wenn wir wieder dürfen, wollen wir mitmachen und natürlich gewinnen“, stellt Felix Bresser klar. 

Neue Projekte und Aufgaben

Damit das auch klappt, will sich das Team nicht auf den Lorbeeren ausruhen, sondern hat bereits viele Projekte in der Pipeline. So steht die Filmfair wieder an, ein Festival, in dem Filme zum Thema Fairness gezeigt werden. Die Reihe „WOKIs Finest“ mit besonders sehenswerten Klassikern wird fortgeführt. Beim internationalen Kinderfilmfest kommen Schulen und Kitas in den Genuss, sich ausgewählte Filme anzuschauen. Und nicht zuletzt engagiert sich das Team innerhalb der Branche, um das Kino als Erlebnisort auch für die Zukunft zu sichern. „Wir würden gern unser Programm noch vielfältiger gestalten und zum Beispiel mehr englischsprachige Filme zeigen. Bonn ist eine UN-Stadt, viele Menschen wünschen sich das, aber die starren Regeln in der Branche verhindern es leider. Kommt ein Film in Erstaufführung in die Kinos, muss er in Deutschland drei Wochen lang in jeder Vorstellung gezeigt werden – selbst wenn der Film floppt und niemand ins Kino geht. Und wenn wir einen Film, der gut läuft, auch in Englisch anbieten wollen, dann darf dafür keine deutschsprachige Aufführung ausfallen. Bei drei Kinosälen lohnt sich das nicht. Gegen diese mangelnde Flexibilität kämpfen wir gerade an“, sagt Vincent Bresser. 

Menschen an das Kino heranzuführen, hat sich das WOKI-Team zur Aufgabe gemacht. Preislich attraktive Angebote wie die Sneakpreviews, bei denen die Besucher nicht wissen, welchen Film sie sehen werden, der WOKI-Super-Kino-Dienstag oder Familienkarten sollen die Schwellen möglichst niedrig halten. Die Reihe „Mein erster Kinofilm“ zeigt Filme mit einem kurzen Spannungsbogen, die kleine Zuschauer emotional nicht überfordern. Kindergartenkinder erfahren in Führungen, wie Kino funktioniert und warum die Leinwand Löcher hat. 

Wie, das wissen Sie nicht? Dann haben Sie bei Ihrem nächsten Kinobesuch einen guten Grund, ins Gespräch zu kommen. 
Sichern Sie sich dazu mit ein bisschen Glück am besten gleich zwei Kinotickets für das WOKI. 

10x2 Eintrittskarten gewinnen!

Foto: Marina Weigl

meinkölnbonn verlost 10x2 Eintrittskarten für einen Film Ihrer Wahl im WOKI.
Schicken Sie uns eine E-Mail mit Ihrem Namen. Viel Glück! 
Einsendeschluss: 06.06.2019

Das könnte Sie auch interessieren:

Magazin durchsuchen...