Zwischen Superhelden, Mangas und Donald Duck

Bebrillte Nerds, die sich in ihr Kinderzimmer einschließen, um stundenlang die aktuellsten Comics zu verschlingen? „Das ist definitiv ein Klischee“, sagt Thomas Kowalczyk. Der 42-Jährige arbeitet seit 2001 im Bonner Comic Laden und weiß: „Den typischen Comicleser gibt es genauso wenig wie den typischen Comic.“

Foto: Bonner Comic Laden

Der Bonner Comic Laden ist in der Szene beinahe eine Institution. Wie lange gibt es ihn schon?
Thomas Kowalczyk: 1982 hat der Laden seine Türen zum ersten Mal geöffnet, damals noch im Keller des gleichen Hauses. Mittlerweile erstreckt sich das Geschäft auf zwei Etagen und über 200 Quadratmetern. Übrigens: Auch unsere Internetseite, www.comicshop.de, ist schon seit 1997 online. Wer nicht persönlich im Laden vorbeikommen kann, hat die Möglichkeit, über die Website sein Lieblingsstück zu bestellen.

Apropos Lieblingsstück: Bei Ihnen gibt es ja viel mehr als nur Comichefte.
Das stimmt. Wir haben unzählige Comics in den verschiedensten Genres. Hinzu kommen deutsche und englischsprachige Bücher, beispielsweise aus dem Science-Fiction- oder Fantasybereich. Wir haben aber auch Tassen, Figuren, Poster, DVDs – eben alles, was das Merchandise-Universum bietet. Unsere zweite Etage ist dem Spielen gewidmet: Trading Cards, Rollenspiele, Tabletops. Dort kann auch direkt gespielt werden, und wir veranstalten regelmäßige Turniere.

Foto: Sophie Bruns

Thomas Kowalczyk arbeitet seit 2001 im Bonner Comic Laden. (Foto: Sophie Bruns) 

Also ein Laden mit Eventcharakter?
Genau, und das nicht nur durch die Turniere, die in einem eher kleineren Rahmen mit acht bis zwölf Teilnehmern stattfinden. Wir bieten rund alle zwei bis drei Monate auch Signierstunden an. Erst kürzlich war der Norweger und Disney-Zeichner Arild Midthun da und hat unsere Kunden ziemlich glücklich gemacht. Das jährliche Highlight ist aber definitiv der Gratis-Comic-Tag: Wir bekommen eine riesige Ladung von 30 unterschiedlichen Comicheften, von denen sich Besucher kostenlos bis zu fünf mitnehmen können. Das Event ist mittlerweile so bekannt, dass die Menschen schon vor Ladenöffnung Schlange stehen. Diese Veranstaltung bietet neuen und alten Lesern die Chance, etwas Neues kennenzulernen.

Gibt es so etwas wie den „typischen Comicleser“?
Definitiv nicht. Ob jung oder alt, Schüler, Student oder Geschäftsfrau, alle kommen vorbei. Geschlecht, Nationalität, Beruf, Sprache – bei den Comics spielt es keine Rolle. Wir haben auch Kunden, die aus verschiedensten Ecken Deutschlands anreisen, um speziell in unserem Laden einzukaufen.

„Den typischen Comicleser gibt es genauso wenig wie den typischen Comic.“

Wieso das?
Wir bieten beispielsweise neue US-Comics dank unseres Händlers oft am gleichen Tag an, wie sie in Amerika erscheinen – das bieten nicht viele Shops in Europa. Interessant sind aber auch die sogenannten „Artist's Editions“. Das sind echte Sammlerstücke – großformatige Hardcoverausgaben, die den Comic in seiner Entstehung dokumentieren mit Korrekturen und Anmerkungen der Künstler. So hat man das Gefühl, live dabei zu sein.

Woher kommt überhaupt diese generationen-, nationen- und kulturübergreifende Faszination für Comics?
Ich denke, das liegt an der Vielfalt und thematischen Bandbreite. Früher war der Comic eher ein einfaches Stück Unterhaltung – mittlerweile ist es eine unglaublich vielschichtige Erzählform. Da diese sich immer weiterentwickelt und immer neue Themen hinzukommen, findet jeder Leser etwas, das er oder sie interessant findet. Superhelden, Graphic Novels, Manga – die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

Und wie sieht es mit der Liste aktueller Trends aus?
Ich sehe vor allem Mangas bei der jüngeren Leserschaft, das ist nach wie vor sehr angesagt. Außerdem werden viele Klassiker wie Lucky Luke oder Asterix in moderner Form fortgeführt. Da dies mit neuen Autoren geschieht, werden die Geschichten auch nicht langweilig. Lebendige Comictradition eben.

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