„Am liebsten bin ich komischer Schauspieler“

Bastian Pastewka spricht über seinen Job und seine Talente, über die neue Staffel „Pastewka“ und seinen Umgang mit Geld.

Foto: Božica Babić

Herr Pastewka, Sie sind Comedian, Schauspieler, Drehbuchautor, Synchron- und Hörbuchsprecher. Was von alldem tun Sie am liebsten und warum? 
Keine dieser Disziplinen möchte ich missen, aber ich bin sicher kein vollbeschäftigter Synchronsprecher und kein Profiautor. Ich schreibe an meiner Serie „Pastewka“ nur mit, den Löwenanteil übernehmen meine Autorenkollegen. Am liebsten bin ich komischer Schauspieler und als solcher auch hauptsächlich im Einsatz.

Was ist Ihre heimliche Leidenschaft?
Ich habe ein Faible für alte Kriminalhörspiele in Mono, und dieses Thema ist ein zuverlässiger Partysprenger.

Welche Ihrer Vorzüge oder Talente werden verkannt?
Ich habe alle meine Talente zum Beruf gemacht, und da man als Komiker seine wenigen Vorzüge permanent ausstellt, gibt es keine, die nicht bekannt wären. Ich wäre gerne ein guter Jazzpianist, aber dieser Zug ist leider längst abgefahren.

Wer bringt Sie zuverlässig zum Lachen?
Olli Schulz, Anke Engelke und Johannes Schröder, der als Lehrer auftritt. Letzterer ist noch ein Geheimtipp, aber nicht mehr lange.

Was treibt Sie zur Verzweiflung?
Meistens meine Unpünktlichkeit, Schludrigkeit und mein vorwiegend katastrophales Zeitmanagement.

Was ist Ihnen peinlich?
Ich verpasse seit zwei Jahren keine Folge von „Let’s Dance“ und bin mir noch nicht sicher, warum.

Wem werden Sie ewig dankbar sein und wofür?
Meinen Freunden Bernhard Hoëcker, Hella von Sinnen und Bill Mockridge, die mir ohne Not wichtige Tipps für meinen Beruf gegeben haben, als ich noch ein blutiger Anfänger war.

Sie sind in der Region verwurzelt. Wo halten Sie sich am liebsten auf, wenn Sie gerade mal nicht vor der Kamera stehen?
Der Bonner Kreuzberg mit der schönen Kapelle, die man aus der ganzen Stadt sehen kann, ist nach wie vor eine meiner Lieblingsstätten. Allerdings bin ich derzeit öfter in meiner zweiten Heimat Berlin.

Foto: Božica Babić

Die neunte Staffel „Pastewka“ ist bei Amazon verfügbar. Worauf dürfen sich die Fans diesmal besonders freuen?
Die „Pastewka“-Serie ist seit 13 Jahren meine kreative Heimat und mit fast 90 Folgen inzwischen eine Art Evergreen geworden. Vor der achten Staffel haben wir ausnahmsweise drei Jahre pausiert, jetzt schließen wir die Staffel 9 gleich an: Bastian wird Patenonkel und muss sich um seine neugeborene Nichte kümmern, zugleich kämpft er um seine Exfreundin Anne, die ihn verlassen hat – natürlich nur, weil er sich danebenbenommen hat. Es wird also wieder chaotisch und kunterbunt; und so soll es bitte noch viele Jahre weitergehen.

Wie erklären Sie sich den Erfolg der Serie?
Wir haben versucht, in „Pastewka“ einen Nerd ins Zentrum der Geschichten zu stellen, der einen Fernsehjob, aber auch ein Privatleben zu absolvieren hat. Einerseits erzählen wir Familiengeschichten, zum anderen Ereignisse, die hinter den Kulissen von Shows und Comedyveranstaltungen geschehen. Wir sind eine Wundertüte: In einer Episode kommen im ungünstigsten Moment die Schwiegereltern vorbei, in der nächsten erlebt Bastian mit seiner Agentin Regine einen verhängnisvollen Abend beim Deutschen Filmpreis in Berlin. Je abwechslungsreicher diese Mischung, desto schöner. Unser Publikum achtet haargenau auf unsere Geschichten und Anspielungen; den Fans können wir nichts vormachen, zumal sich die meisten selber sehr mit Kino, Film und Serien auskennen – wie die Titelfigur unserer Sitcom.

Welche Eigenschaft der Serienfigur Pastewka ist am weitesten vom echten Bastian Pastewka entfernt?
Wir erzählen in „Pastewka“ oft, dass Bastians Freundin Anne ihm Porree auftischt, den sie liebt, aber den er nicht mag. Doch meine Abneigung gegen Porree ist nur für unsere Serie erfunden worden. In Wahrheit esse ich Porree sogar gerne – im Gegensatz zu meiner Spielpartnerin Sonsee „Anne“ Neu, die Porree nicht ausstehen kann.

Und worin ähneln sich die Pastewkas wie ein Ei dem anderen?
Ich habe natürlich auch privat keinerlei Interesse an Autos, Tieren, Religion, Kunst, Mode, Konzerten, Fußball, Weißwein, Büchern, Kochsendungen und Menschen im Allgemeinen.

Welche Pastewka-Züge erkennen Sie in anderen Männern im Alltag besonders oft?
Männer wollen lässig sein, trainiert, schlagfertig und stets mit dem neuen Smartphone wedeln. Lustig sind diejenigen, die unterbewusst schon wissen, dass sie all das nicht erreichen werden, aber es trotzdem auf Gedeih und Verderb versuchen. So funktioniert der Serien-Bastian: immer mehr behaupten als da ist, immer defensiv lauern bis zum unerwarteten Zugriff. Ein Blödmann halt.

Foto: Božica Babić

Seit der achten Staffel ist „Pastewka“ exklusiv als Video-on-Demand bei Amazon Prime zu sehen. Wenn Sie es mit der früheren „Pastewka“-Staffelproduktionen vergleichen: Was sind Vor- und Nachteile, für einen Streamingdienst zu produzieren?
Ich kann keinen Nachteil erkennen, zumal alle Partner, mit denen wir „Pastewka“ gemacht haben, unsere Serie immer sehr geschätzt haben. Meine Arbeit an der Serie selbst hat sich kaum verändert, aber unsere Freunde bei Amazon haben die letzte Staffel so fein beworben und so passgenau den Fans ins Haus gebracht, dass wir ganz andere Zuschauer erreicht haben als noch zu den Zeiten im linearen Fernsehen. Der Zuspruch und auch die Kritik waren enorm, das habe ich in der Wucht nicht erwartet. Aber insgeheim habe ich mir das für diese spezielle Serie immer gewünscht: ein großes Fachpublikum, das unsere unterschiedlichen Folgen mal liebt oder verflucht. So soll es sein, dazu ist „Pastewka“ da.

Eine der Szenen für die neunte Staffel haben Sie in einer Geschäftsstelle der Sparkasse KölnBonn gedreht. Wie kam es dazu?
Wir erzählen, wie der Serien-Bastian für sein Patenkind ein Konto eröffnet, und dazu haben unsere Mitarbeiter eine Bank gesucht. Wie ich erfahren habe, werden in dieser Filiale wohl häufiger Filmaufnahmen gemacht und so haben wir einen Montagnachmittag nutzen dürfen, um diese kurze Sequenz zu drehen. Sie eröffnet unsere neue Staffel.

Sind Sie selbst Kunde der Sparkasse KölnBonn?
Ich bin zumindest nicht zufällig Leser der „Knax“-Hefte.

Wie würden Sie Ihren Umgang mit Geld beschreiben?
Ich bin Freiberufler und habe daher meist saisonale Einkommensflüsse zu verzeichnen. Ich kenne auch noch die Zeiten ganz ohne Zahlungseingänge, dennoch habe ich niemals von der jeweiligen Höhe meines Kontostandes auf meinen Charakter geschlossen.

Haben Sie eventuell eine Lebensweisheit in Sachen Finanzen, die Sie beherzigen?
Schau dir den Schein, den du ausgeben willst, lieber noch mal genau an.

Was war die bisher sinnvollste Investition Ihres Lebens?
Das konsequente Ignorieren von Trends, Statussymbolen und Schnickschnack.

Welchen Traum möchten Sie sich unbedingt noch erfüllen?
Ich habe immer davon geträumt, von meinem geliebten Beruf leben zu können. Der nächste Traum müsste sich da ganz schön anstrengen.

Foto: Božica Babić

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