Polka, Punk und Politik

Die Brüder Peter und Stephan Brings sagen: „Wir sind Volksmusiker“ und erzählen, was ihre Band Brings seit fast drei Jahrzehnten aus- und erfolgreich macht.

Foto: Martin Scherag

Die Band Brings gibt es seit 27 Jahren. Was ist Ihr Geheimrezept für eine so lange funktionierende Beziehung?
Stephan: Das Wichtigste ist, dass wir uns gern haben und das, was wir tun, gern zusammen tun.
Peter: Für uns war es immer klar, dass wir Musik machen wollen. Wir alle hatten keine großen Alternativen. Das hat uns zusammengehalten.

Beziehungen ändern sich bekanntlich mit der Zeit. Was hat sich bei Ihnen verändert?
Peter: Die Geschichten, die uns beschäftigen. Früher haben wir den Rock ’n’ Roll gepflegt, viel gefeiert. Dann kamen Familien, Kinder. Mit dem Alter hat sich unsere Sicht der Dinge verändert, was auch gut ist.
Stephan: Dank unserer Lebenserfahrung können wir jetzt viel gelassener an Dinge rangehen.  

„Wir sind Volksmusiker – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.“

Kölschrocker, Karnevalsstars – wie sehen Sie sich?
Peter: Ich finde, wir sind eine richtig geile Rockband. Klar spielen wir auch im Karneval, aber unsere Wurzeln haben wir nie verraten.

Unter Brings steht: deutsche und kölsche Rockmusik. Und wie passt diese zu Schottenkaros?
Stephan: Als wir im Jahr 2000 angefangen haben, im Karneval aufzutreten, wollten wir einen eigenen Style haben. Wir galten ja damals als die Lauten, als Punker. Und da ist dem Peter eingefallen, dass die britischen Punkbands ihre Auflehnung gegen die Obrigkeit mit solchen schottischen Attributen zeigten. Inzwischen ist das unser Markenzeichen geworden.

Ein weiteres Markenzeichen von Ihnen sind inzwischen russische Melodien, oder?
Stephan: Den Polkarhythmus finden wir klasse, und er liegt uns gewissermaßen im Blut. Unser Vater spielte gern russische Lieder auf der Gitarre.
Peter: Wir sind Volksmusiker – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Diese Melodien sind zum Teil uralt und geben den Menschen ein wohliges Heimatgefühl. Und wenn man daraus etwas Zeitgemäßes macht, dann funktioniert es. So wie bei „Superjeilezick“ damals. 

Foto: Martin Scherag

Stephan Brings, Peter Brings, Kai Engel, Harry Alfter und Christian Blüm (von links) sind die Brings.

Was war rückblickend für Sie als Band eine wirklich „superjeile Zick“?
Peter: Der Schub, den wir durch den Karneval bekommen haben. Dass wir nach zehn Jahren als Band die Karriere nicht beenden mussten, sondern dass es dann erst so richtig losging, das war der Wahnsinn.
Stephan: Das absolute Highlight war, als wir zum 20-jährigen Jubiläum zum ersten Mal im RheinEnergie STADION aufgetreten sind – es war wie ein Ritterschlag.

Und welche Zeit war besonders schwierig?
Stephan: Als wir Ende der 90er das Album „Knapp“ produziert haben, war es auch bei uns ziemlich knapp. Zwar nicht so wie für unsere Mutter früher – alleinerziehend mit vier Pänz. Wir konnten alle von der Musik leben, aber die Perspektive fehlte. Das änderte sich dann zum Glück.

„Geld ist natürlich nicht das Wichtigste im Leben, aber es nimmt dir einige Sorgen.“

Hat das Ihr Verhältnis zu Geld geprägt?
Stephan: Geld ist natürlich nicht das Wichtigste im Leben, aber es nimmt dir einige Sorgen. Als Band ist es schön, genügend im Topf zu haben, um das Erlebnis für die Leute schöner zu machen mit Technik, Leinwänden und so weiter.
Peter: Wir wollen nicht zu denjenigen gehören, die den Hals nicht vollkriegen, und versuchen zum Beispiel, die Ticketpreise human zu halten. Es sollen auch Leute, die uns lieben, aber nicht so viel Geld zur Verfügung haben, zu unseren Konzerten kommen können.
Stephan: Deshalb sind wir auch privat und als Band Kunde bei der Sparkasse KölnBonn: Die engagieren sich für die Menschen in der Stadt. Sie haben immer Stellung gegen Rechts bezogen.

Wie engagieren Sie sich aktuell?
Stephan: Wir haben festgestellt, dass Lieder mit engagierten Texten gar nicht so viel bringen. Was wir in die Waagschale werfen können, ist unsere Popularität. Zu den „Arsch huh“-Konzerten kommen Menschen, die sich sowieso mit dem Problem beschäftigen. Über den Karneval hingegen, so wie es das Festkomitee beim AfD-Parteitag in Köln gemacht hat, erreichen wir ein anderes Publikum. Das ist nun unser Weg.
Peter: Wir sind Kinder der 68er-Generation, also sehr politisch bewusst lebender Menschen, die uns oft von der Geschichte der Weimarer Republik erzählt haben. Und wir wissen, dass wir an einem privilegierten Ort in Europa leben. Deshalb wollen wir die Mitte der Gesellschaft erreichen, damit unser Land nicht nach rechts kippt. Damit die Leute begreifen, dass dieses Gequatsche keine Alternative ist.

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