„Köln ist ein Teil von mir“

Am liebsten parodiert sie die Skurrilitäten des Alltags – und nimmt dabei selten ein Blatt vor den Mund. Im Interview spricht die Komikerin Carolin Kebekus über Köln, Karneval und klare Kante.

Foto: Frank Schoepgens

Sie leben seit Kindertagen in Köln. Welche Rolle spielt die Stadt für Sie?
Köln ist meine Heimat, und für jeden Kölner ist es ja besonders wichtig, das sehr oft und sehr laut zu sagen – warum auch immer (lacht). Für mich ist die Stadt auch Teil meiner Persönlichkeit. Die Menschen hier sind einzigartig. Die Kölner haben diese leicht selbstverliebt-besoffene Art. Gleichzeitig wird sofort jeder aufgenommen, der ein Karnevalslied mitsingt.

Sie sind Präsidentin einer alternativen Kölner Karnevalssitzung und sind bekennender Fan der Stunksitzung. Langweilt Sie der traditionelle Karneval?
Nein, das nicht. Es ist eher eine Rebellion gegen den klassischen  Karneval, bei dem Frauen nichts dürfen außer das Mariechen sein. Durch meine Eltern habe ich die alternativen Sitzungen früh kennengelernt und bin seitdem ein großer Fan.

Haben Sie privat auch immer flotte Sprüche auf Lager?
Ja, und das ist manchmal richtig nervig für meine Mitmenschen. Mir fallen häufig Witze zu einem Thema ein, und das kann dann ein wenig anstrengend sein. Ich bin unglaublich albern – und das auch noch gerne!

Gibt es Themen, die für Sie tabu sind?
Wenn mich ein Thema beschäftigt und ich darüber sprechen möchte, setze ich mich damit auch in meinen Shows auseinander. Es darf aber nie platt daherkommen, eher ganz im Gegenteil: Je heikler das Thema ist, desto besser muss die Pointe sein.

„Das ist ein gutes Gefühl, für andere eine prägende Rolle auszuüben.“

Sie sind für viele Frauen ein Vorbild. Wie gehen Sie damit um?
Es war nie meine Absicht, das kam mit der Zeit aber automatisch. Wenn ich auf der Bühne stehe, sehe ich durchweg junge Mädchen. Ich merke, dass es ein besonderer Moment für sie ist, bei der Show zu sein. Die hören mir sehr genau zu, und ich weiß, dass ich ihnen etwas erzähle, was sie beeinflussen könnte. Das ist ein gutes Gefühl, für andere eine prägende Rolle auszuüben. Manchmal, wenn ich die Mädels so sehe, denke ich aber auch: „Krass, wie kommt ihr nach der Show wieder nach Hause, holt euch jemand ab?“

Sie engagieren sich für die internationale Lobbyorganisation ONE. Wie kam es dazu, und wie sieht Ihr Beitrag konkret aus?
Als ONE, eine Organisation, die sich für die Bekämpfung extremer Armut in Afrika einsetzt, mich darum bat, die Kampagne „Armut ist sexistisch“ zu unterstützen, war sofort klar, dass ich mich daran beteiligen möchte. Ziel der Kampagne ist die Stärkung der Rechte von Mädchen und Frauen, und da gibt es eine Schnittmenge mit meiner Arbeit auf der Bühne. Letztes Jahr war ich mit ONE in Sambia. Dort habe ich unter anderem eine Grundschule und eine Ausbildungsstätte für Lehrkräfte besucht. Ich war total beeindruckt von dem Enthusiasmus, mit dem sowohl die Schüler und Schülerinnen als auch die Lehrkräfte in die Schule gehen und ihr Land zum Besseren verändern wollen.

Wofür machen Sie sich außerdem stark?
Ich bin Patin von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Dies ist ein Projekt von Schülern für Schüler, das darauf abzielt, Zivilcourage an Schulen zu fördern und ein gleichberechtigtes Miteinander ohne Diskriminierung, insbesondere Rassismus, zu ermöglichen.

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