EcoHopping: „Dein Einkaufszettel ist dein Stimmzettel“

Dieses Motto hat Olivér Szabó für das von ihm ins Leben gerufene EcoHopping in diesem Jahr gewählt. Begleitet von einem Programm stellen sich dabei Geschäfte und Initiativen vom 20. August bis zum 19. September 2021 vor. Alles dreht sich um Ökologie, Nachhaltigkeit, Klima und Umweltschutz. Der 43-jährige Familienvater und Mitgründer der ersten „grünen“ Karnevalsgesellschaft Kölns erzählt meinkoelnbonn.de, was hinter seiner Idee steckt und warum wir öfter unsere Großeltern um Rat fragen sollten. 

August 2021

Sarah Görtz

Richtig ins Grübeln kam der ehemalige Prokurist einer Kölner Eventlocation mit einem großen Außenbereich, als die Outdoor-Saison Jahr für Jahr länger wurde. Die Pflanzen litten unter Hitze und Trockenheit, Bäume fielen aufgrund vieler Stürme um. Der Klimawandel war da, sichtbar, direkt vor seinen Augen. Er informierte sich, schaute einen Film über Plastik im Meer.

„Wenn wir die Mikroorganismen in unseren Ozeanen und den Sauerstoff aus dem Regenwald nicht mehr haben, sind wir verloren. Aber ich bin Vater von drei Kindern. Ich möchte, dass sie eine gute Zukunft haben. Und außerdem will ich mir nicht vorwerfen lassen, nichts unternommen zu haben“, sagt Olivér Szabó.

Ideen verwirklichen

Also wird der Kölner aktiv. Seine Überzeugung:

„Alles, was man sich vorstellen kann, wird real.“

Zunächst versuchte er, in seinem Job etwas zu ändern. „Ich fragte die Lieferanten: Wo kommt das Fleisch her? Warum ist die Gurke in Plastik?“ Nach zwei weiteren Jahren hatte er genug. Der 43-Jährige wollte etwas grundlegend anders machen. Also sprach er mit seiner Frau und kündigte.

Als er seine Kinder in den Kindergarten brachte, sah er einen Aufruf zur Bewerbung für den Kölner Umweltpreis. Er reichte eine erste Idee ein: Müll sammeln am Rhein, verbunden mit einem sozialen Aspekt. Die Idee war nicht ausgereift, und Olivér Szabó hat damit auch nicht gewonnen. Aber der Anfang war gemacht. Beim Urlaub am Strand in Portugal sah er seinen Kindern am Meer beim Spielen zu und kam mit einem anderen Elternteil ins Gespräch. Im Laufe der Unterhaltung wurde ihm klar:

„Gutes tun muss nicht umsonst sein.“

Der Eventexperte fragte sich: Wie wäre es mit Veranstaltungen mit einem ökologischen Aspekt?

Zuhause in Köln gründete er Ende 2018 Greencentive, eine Agentur für ökologisches Event- und Projektmanagement. Zunächst bot er Workshops an, wie ein Insektenhotel basteln mit Kindern oder Pilzesammeln im Wald.

„Transparenz für Verbraucherinnen und Verbraucher fehlt oft“

Zudem vernetzte er sich in der Gründerszene. Um Leute kennenzulernen, besuchte er etwa das Festival Straßenland auf der Nord-Süd-Fahrt. Dort waren etwa auch der Unverpackt-Laden Tante Olga oder die Marktschwärmer vor Ort, die frische Produkte regionaler Erzeuger anbieten. Der Unternehmer erzählt: „Ich hatte das Gefühl, dort waren viele Besucher unterwegs, die noch nicht so tief im Thema Nachhaltigkeit drin sind.“ Und die Transparenz für die Verbraucherinnen und Verbraucher fehle oft, kritisiert Olivér Szabó. Was verbirgt sich hinter englischen Begriffen wie „fast fashion“? Was genau ist eigentlich Viskose?

Die Brücke zwischen „grünen“ Angeboten und den Menschen

Drei Monate später auf dem Tag des guten Lebens war es ganz anders, berichtet der Kölner. Dort waren viele aus der grünen Szene der Stadt vertreten. „Innerhalb dieser 'Blase' wissen alle, wie wichtig es ist, dass sich etwas ändert. Sie tun etwas dafür. Aber sie sind nur ein kleiner Teil. Es braucht mehr“, sagt er. Der Unternehmer möchte den Menschen die Sorge nehmen, dass sie etwas verlieren, aber ohne erhobenen Zeigefinger. Er ist sich sicher:

„Freiwilliger, bewusster Verzicht ist der Schlüssel.“

Er möchte die Brücke bauen zwischen den „grünen“ Ausstellern und dem Publikum, den Menschen in der Mitte. Er möchte nicht konfrontieren, nicht dogmatisch sein, sondern mit gutem Beispiel vorangehen und ein Angebot schaffen. Den Stein ins Rollen bringen. Er möchte mit Firmen und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern arbeiten.

Nachhaltige Angebote sichtbar machen

Zunächst organisierte er Stadtteilspaziergänge, bei denen er nachhaltige Einkaufsmöglichkeiten, Öko-Programme und „grüne“ Orte vorstellte. Dabei stellte er fest: „Ich erreiche zu wenige Menschen, ich muss größer denken.“ Die Idee des EcoHopping war geboren. Begleitet von einem Programm stellten teilnehmende Geschäfte und Initiativen am 22. August 2020 ihr Angebot vor. Das Motto: „Buy less, choose well, make it last.“

Doch ein Tag allein war nicht genug. Also fand das zweite EcoHopping in der Weihnachtszeit 2020 statt. „Zeit, die wir uns nehmen, ist Zeit, die uns etwas gibt.“

Jetzt, beim dritten EcoHopping, sind elf Stadtteile mit dabei und 104 Adressen, von der Südstadt bis nach Holweide. EcoHopping wird zudem unterstützt von der Sparkasse KölnBonn.

Wer mitmachen darf, richtet sich nach einem Kriterienkatalog. Bewirbt sich etwa ein Restaurant, weil es hauptsächlich vegane Küche anbietet, muss der Anteil an rein pflanzlichen Gerichten 80 Prozent oder mehr betragen. Die Teilnahme ist umsonst. Passend zur diesjährigen Bundestagswahl lautet das Motto: „Dein Einkaufszettel ist dein Stimmzettel“.

Das Programmheft des EcoHopping ist für Olivér Szabó wie ein „grüner City-Guide“: vom Fashion Travellers Festival über Tauschbörsen bis hin zu Zero-Waste-Workshops. Das aktuelle Heft ist immer online zu finden und bei den Teilnehmenden vor Ort.

Die App „EcoHopper“

Um noch mehr Menschen zu erreichen, entwickelte der Kölner zusammen mit seinem Geschäftspartner Dr. Marcel Graus und dessen Team von der Cambio Analytics GmbH die App EcoHopper, einen Stadtführer mit dem Fokus auf nachhaltigen Geschäften und Initiativen. Mehr als 400 Adressen sind dort zu finden, etwa Unverpackt-Läden oder Urban-Gardening-Projekte. Nutzerinnen und Nutzer können zudem verschiedene Filter auswählen, sich auf einen bestimmten Stadtteil beschränken oder die Option „Überrasche mich“ anklicken. So gehen Interessierte auf ihre persönliche Entdeckungstour. Die App ist auch Teil des Entdecke-Köln-Tages. Bislang hat sie bereits 600 Downloads.

Rallyes durch Köln und Europa

Mit ihr und dem aktuellen EcoHopping-Heft können Interessierte sogar Rallyes durch die Stadt unternehmen. Diese könnten etwa auch Schulen nutzen, um dem Nachwuchs einen anderen Zugang zur Stadt zu vermitteln. „Nicht alle jungen Menschen sind bei Fridays for Future aktiv“, sagt der Familienvater. Seine App richte sich an die urbane Ökotouristik und die lokale Wirtschaft in den Stadtteilen. Auf lange Sicht möchte Olivér Szabó das Konzept weiter vergrößern und den Fokus auf immer mehr Stadtteile ausweiten, sogar auf ganz Europa. Denn:

„Der Konsum ist der Hebel in der industrialisierten Welt.“

Geplant ist zudem EcoHopping Youth unter dem Motto: „Mache dir die Welt, wie sie dir gefällt.“

Analoge Tipps

Auch für Menschen ohne Smartphone hat er einige Tipps. Schließlich ist er selbst eher ein „analoger Typ“. Wer konkret etwas sucht, sollte sich fragen: Gibt es das auch in „grün“? Meist lautet die Antwort: Ja. „Mein liebstes Beispiel sind da immer noch die Ökobaumärkte, die ich lange Zeit nicht kannte“, sagt Olivér Szabó, wie etwa Raum – der Naturbaumarkt in Köln-Ehrenfeld oder Pro Natura in Köln-Nippes. Wer nicht gezielt sucht, kann sich auf Entdeckungstour begeben. In den meisten Veedeln bündeln sich nachhaltige Angebote an bestimmten Ecken oder Straßen. Einfach mal die Einkaufsmeilen des eigenen Stadtteils langflanieren und die ein oder andere Abzweigung nehmen. Ein weiterer Tipp: Ältere Generationen fragen. Wie haben Groß- oder sogar Urgroßeltern Dinge verpackt? Wie wurde früher gewaschen?

So können alle etwas gegen den fortschreitenden Klimawandel tun und dazu beitragen, dass unsere Zukunft grüner wird.

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