Was wirklich zählt

Roland Kaiser ist Deutschlands bekanntester Schlagersänger. Aber ihm ist nicht nur die Musik wichtig. Der Vater von drei Kindern engagiert sich mit großem persönlichen Einsatz. 

Foto: Sandra Ludewig

Herr Kaiser, Sie haben im vorletzten Jahr den Bundesverdienstorden für Ihr soziales Engagement erhalten. Warum kümmern Sie sich um benachteiligte Menschen?
Mich zu engagieren, ist Teil meiner Lebensphilosophie. Ich habe durch die Gesellschaft sehr viel Glück empfangen. Daher empfinde ich es als meine Pflicht, der Gesellschaft etwas zurückzugeben – und das in möglichst vielfältiger Weise. Das Leben wird doch auch viel interessanter, wenn man etwas tun kann, etwas verändern kann – sei es auch nur in kleinen Schritten. Menschen zu helfen, deren Lebenssituation nicht optimal ist – das ist eine schöne Aufgabe. Ohne unsere ehrenamtlich engagierten Helfer wäre Deutschland ein armes Land. Unsere Vereine und viele Einrichtungen funktionieren nur durch die Hilfe von Ehrenamtlichen. 

Gibt es ein Projekt, das Sie in den letzten Jahren besonders bewegt hat? 
Ich bin im Vorstand der Solidarfonds Stiftung NRW. 2016 haben wir einem jungen Menschen, der Rollstuhlhockey spielt, helfen können. Sein Verband hatte beschlossen, dass die Rollstühle der Spieler eine bestimmte PS-Zahl mehr haben sollten. Damit wäre der Junge jedoch ausgeschlossen gewesen, weil seine alleinstehende Mutter das Geld für einen neuen Rollstuhl nicht aufbringen konnte. Wir haben den Rollstuhl dann finanziert. Unter dem Strich eine kleine Aktion, die aber für den jungen Mann ganz groß war und mich auch sehr bewegt hat.

„Unsere Vereine und viele Einrichtungen funktionieren nur durch die Hilfe von Ehrenamtlichen.“

Was bedeutet älter werden für Sie?
Es ist eine Chance, mit jungen Menschen im Dialog zu bleiben. Der Satz „Kinder halten jung“ klingt schnell dahergesagt. Wer aber selbst Kinder hat, merkt, dass das die Wahrheit ist. Ich muss die Sprache meiner Kinder verstehen, um mit ihnen reden zu können. Die Musik, die sie hören, führt mich zu neuen Klängen hin, die ich aufnehme und als Anstoß nehmen kann. Ich behalte durch junge Menschen den Kontakt zum Zeitgeist.

Sie haben einige Jahre in Brühl gelebt. Gibt es auch eine musikalische Verbindung zum Rheinland?
Der Kölner Karneval ist der musikalisch interessanteste in Deutschland mit tollen Gruppen, die gute Musik machen. Der Kölner Karneval brilliert durch die Musik und der Mainzer durch die politischen Büttenreden. Als Obrist der Kölner Ehrengarde bin ich selbst einmal im Rosenmontagszug mitgefahren. Dass die Kölner sich da im siebten Himmel fühlen, kann ich verstehen. 

Lebensfreude ist auch bei der Genesung wichtig. Hat die Lungentransplantation im Jahr 2010 Ihre Art zu leben verändert?
Meine Genesung hat mich zu einem gelassenen, entspannten Menschen werden lassen, weil ich eine zweite Chance habe, mit einem zweiten Leben. Ich bin deutlich entspannter, sehe alles weniger aufgeregt und lebe bewusster. Ich nehme vieles nicht mehr so ernst wie früher. Ein Beispiel: Wenn ich Bühnenarbeit mache, dann bin ich nicht mehr auf der Suche nach der totalen Perfektion, sondern nach der Freude am Tun. 

„Als Obrist der Kölner Ehrengarde bin ich selbst einmal im Rosenmontagszug mitgefahren.“

Sie haben also heute kein Lampenfieber mehr, wenn Sie auf die Bühne gehen?
Die Freude auf das, was kommt, überwiegt das Lampenfieber komplett.

Ein Lied Ihrer CD „Auf den Kopf gestellt“ heißt „Fünfundzwanzig Stunden“. Was würden Sie mit einer gewonnenen Stunde anfangen?
Ich würde mir Zeit für mich nehmen. Ich bin ein begeisterter Pilot und fliege gerne. Das ist Zeit, die ich mir immer wieder raushole. Der Titel des Songs ist ein Synonym für „sich nicht hetzen lassen“. Jeder sollte Ruhephasen finden und sich nicht so wahnsinnig wichtig nehmen: immer schauen, dass man entspannt bleibt.

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