Drei Wege zum finanziell sorglosen Ruhestand

Je jünger man ist, desto weniger will man sich mit den Themen Rente, Altersvorsorge und Geldanlage beschäftigen. Das ist schade, denn so geht Zeit verloren, die beim Vermögensaufbau durchaus hilfreich ist: Je früher man spart, desto mehr hat man am Ende. Und je besser die private Vorsorge ist, desto weniger ist man im Ruhestand darauf angewiesen, dass die gesetzliche Rente ausreichen wird.

August 2021

adobestock/FlamingoImages

Frauen sorgen seltener privat fürs Alter vor als Männer. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage aus dem Juli 2021, die das Befragungsinstitut YouGov in Zusammenarbeit mit Swiss Life Deutschland durchgeführt hat. Demnach sind 43 Prozent derer, die ein Altersvorsorgeprodukt abgeschlossen haben, weiblich. 56 Prozent sind männlich und ein Prozent hat sich keinem Geschlecht zugeordnet. Die Studie zeigt außerdem, dass die Frauen, die privat fürs Alter vorsorgen, geringere Summen zurücklegen als Männer. Dadurch entsteht ein so genannter Gender Pension Gap. Das ist eine geschlechterabhängige Lücke bei den Renten über alle drei Säulen der Altersvorsorge hinweg, der bei 46 Prozent liegt. Die Deutsche Rentenversicherung weist für das Jahr bei den gesetzlichen Altersrenten eine Differenz von 408 Euro im Monat zwischen Männern und Frauen aus. Eine positive Nachricht gibt es trotzdem: Frauen sorgen heute gut drei Jahre früher fürs Alter vor als noch vor zwölf Jahren.

Früh anfangen zu sparen

Und das rechnet sich. Denn je früher man beginnt, Geld zurückzulegen, desto mehr profitiert man davon. Angenommen, 20-Jährige würden im Monat 30 Euro zurücklegen. Dann hätten sie nach 47 Jahren, also mit 67, wenn sie in Rente gehen, 16.920 Euro – ohne Zinsen oder Rendite. Wer dagegen erst mit 40 anfängt, die gleiche Summe zurückzulegen, der kommt nur auf 9.720 Euro. Oder andersrum: Wer erst mit 40 beginnt zu sparen, muss größere Beträge zurücklegen. In diesem Beispiel müssten es monatlich etwas mehr als 52 Euro sein, um auf 16.920 Euro zu kommen. Wer dann ab 67 Jahren 100 Euro im Monat entnimmt, kann gut 14 Jahre, also bis 81 Jahre, seine Rente damit aufstocken.

Das Rechenbeispiel ist einfach gehalten – wie gesagt: ohne Rendite oder Zinsen. Allerdings auch ohne die Geldentwertung durch die Inflation: Mit 17.000 Euro wird man sich in 20 beziehungsweise 40 Jahren nicht mehr dasselbe kaufen können wie heute. Auch darum ist es wichtig, eine Rendite mit dem angesparten Geld zu erzielen. Das allerdings ist in einer Niedrigzinsphase nicht so einfach möglich. Informieren Sie sich jetzt.

Wie die optimale Vorsorge aussieht

„Genau deshalb sollte man darüber einmal nachdenken“, sagt Patrick Schiffer, Fachberater für Versicherungen bei der Sparkasse KölnBonn. „Denn selbst wenn man davon ausgeht, später eine gesetzliche Rente zu bekommen, so ist das nur eine Art Grundversorgung.“ Genauer gesagt: „Wenn Sie 45 Jahre lang Beitragszahlungen auf Basis eines durchschnittlichen Einkommens geleistet haben, beträgt derzeit die Rente rund 48 Prozent des heutigen Einkommens“, sagt auch Jasmin Sobczak aus dem Referat Presse und Information der Deutschen Rentenversicherung Rheinland. Um zu prüfen, ob die gesetzliche Rente ausreichen wird, sollte man seine Renteninformation genau anschauen und sich gegebenenfalls beraten lassen.

Welche Summen man zurücklegen sollte

Ob man im Alter zusätzlich 20.000 oder 100.000 Euro benötigen wird, kann man nicht pauschal sagen. Das hängt zum einen vom jeweiligen Lebensstandard ab, zum anderen aber auch davon, wie hoch die gesetzliche Rente ausfallen wird. Die Antwort muss also individuell ausfallen. Das heißt, man muss sich frühzeitig informieren und sich beraten lassen. Hier helfen beispielsweise die Deutsche Rentenversicherung oder die Finanzberaterinnen  und –berater der Banken und Sparkassen weiter. Grundsätzlich sollte die Höhe der Rücklage immer im Einklang mit der aktuellen Lebenssituation stehen. Wer noch studiert oder in der Ausbildung ist, wird nicht die gleichen Summen zur Verfügung haben, wie jemand, der seit 20 Jahren arbeitet, dessen Immobilie fast abbezahlt ist und dessen Kinder aus dem Haus sind.

Vermögensbildung für die ganz Jungen

Schon früh sollte man im Blick haben, welche staatlich geförderten Produkte den Einstieg in die Vermögensbildung erleichtern. Die Wohnungsbauprämie beispielsweise gibt es schon ab 16 Jahren, wenn man ein zu versteuerndes Einkommen von bis zu 25.600 Euro im Jahr hat und in einen Bausparvertrag einzahlt. Dieser wiederum kann später den Immobilienkauf erleichtern, und somit lebt man früher mietfrei.

Auch vermögenswirksame Leistungen (VL), die vom Arbeitgeber kommen, sind ein erster Schritt zu einem Vermögen. Sie können beispielsweise in einen Fondssparplan eingezahlt werden. Bei der VL gibt es keine Altersbegrenzung. Entscheidend ist, dass ein Arbeitsvertrag vorliegt – sei es in der Ausbildung oder beim Berufseintritt nach dem Studium.

Rücklagen bilden in den 30ern

Spätestens wenn Kinder unterwegs sind, kann sich ein Riestervertrag lohnen. Schließlich gibt es pro Kind eine Zulage. Außerdem haben Arbeitnehmer einen Anspruch auf betriebliche Altersversorgung. Wer die Vorzüge von Wertpapieren zu schätzen weiß, kann beispielsweise auch über einen Sparplan regelmäßig kleine Summen in ETFs anlegen.

Vermögensbildung mit 40+

Wer die eigene Immobilie noch abbezahlt und den Kindern die Ausbildung oder das Studium finanziert, kann wahrscheinlich keine großen Rücklagen machen. Wobei das Abbezahlen einer Immobilie natürlich auch eine Art der Vermögensbildung ist. Dazu lesen Sie in dem Artikel: „Mit Immobilien fürs Alter vorsorgen“.

50 und älter: Vermögen verwalten

Die Kinder sind aus dem Haus, die letzte Rate der eigenen Wohnung oder des Hauses ist abbezahlt. Wer seit Jahren regelmäßig in einen Riester- oder Rürupvertrag einzahlt und im Wertpapierdepot etwas angesammelt hat, ist ganz gut aufgestellt. Jetzt bleiben noch maximal 17 Jahre Zeit bis zur Rente. Da die Anlage in Wertpapiere immer langfristig sein muss, um Kurseinbrüche wie zuletzt Anfang 2020 in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie auszugleichen, kann man jetzt noch einige wenige Jahre auf Rendite setzen. Natürlich nur, falls man der Typ dafür ist. Grundsätzlich gilt: Je mehr Geld konservativ angelegt ist, desto mehr darf noch im Wertpapierdepot liegen. Lesen Sie mehr zur Riester- oder Rüruprente.

Wichtig ist außerdem: Wer mit 67 in Rente geht, hat hoffentlich noch viele Jahre Leben vor sich. Mit einer Versicherung hat man zwar die Sicherheit, bis zum Lebensende monatlich eine fixe Rente zu bekommen. Wer aber etwas mehr möchte, sollte auch in diesem Alter noch Geld in Wertpapieren anlegen. Es müssen ja nicht mehr Einzelaktien sein. Fonds oder ETFs, die breit gestreut sind, bringen auch Rendite – und mehr Sicherheit.

Welche Rolle die betriebliche Altersversorgung spielt

„Die gesetzliche Rente bezeichnen wir als erste Schicht der Altersvorsorge“, sagt Schiffer. „Dazu gibt es zwei weitere, das sind die private und die betriebliche Altersversorgung.“ Allerdings haben laut Angaben des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft nur knapp 60 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten eine betriebliche Altersversorgung. Und das, obwohl Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bereits seit 2002 einen gesetzlichen Anspruch darauf haben, einen Teil ihres Gehalts in eine bAV, also eine betriebliche Altersversorgung, umwandeln zu lassen. „Wer beispielsweise auf 100 Euro seines Gehalts jetzt verzichtet, muss darauf zunächst keine Sozialversicherung und Steuern zahlen“, sagt Patrick Schiffer. „Zwar muss die Rente im Alter versteuert werden, und es fällt auch der Krankenkassenbeitrag darauf an. Aber beides ist in der Regel niedriger als die Abgaben, die im aktiven Arbeitsleben abzuführen sind.“ Übrigens profitiert auch der Arbeitgeber davon, wenn seine Mitarbeitenden Geld zurücklegen: Er muss auf die Beträge, die für die bAV zurückgelegt werden, nämlich auch keine Sozialabgaben zahlen. Dafür ist er seit 2019 in der Regel verpflichtet, die bAV seiner Mitarbeitenden mit mindestens 15 Prozent zu bezuschussen. „Viele Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber zahlen freiwillig mehr“, weiß Patrick Schiffer. „Schließlich fühlen sie auch verantwortlich für ihre Belegschaft. Davon abgesehen gibt es in vielen Branchen Fachkräftemangel. Wer also gute Leute finden und binden will, kann dadurch einen attraktiveren Arbeitsplatz anbieten.

Tipp: Sie haben bisher keinen bAV-Vertrag abgeschlossen? Dann sprechen Sie doch einmal Ihren Chef an.

Das Portfolio der privaten Vorsorge

Wer zusätzlich zur gesetzlichen Rente später einmal von der betrieblichen Altersversorgung profitieren wird, ist finanziell betrachtet auf einem guten Weg. Optimal aufgestellt ist jedoch nur, wer auch privat fürs Alter vorsorgt. „Hier ist ein Mix sinnvoll“, sagt Patrick Schiffer. In Frage kommen dafür konservative Anlageprodukte wie Versicherungen, die zwar sicher sind, aber bei denen die Rendite eher gering ist. „Aber auch Wertpapiere zählen dazu. Denn irgendwie muss sich das zurückgelegte Geld ja vermehren. Und in einer Niedrigzinsphase, wie wir sie derzeit haben, kann das auf dem traditionellen Weg nicht funktionieren.“ Und natürlich können bei der privaten Altersvorsorge auch Immobilien eine Rolle spielen – für den Eigennutz, zur Vermietung oder als Investitionsobjekt für Wertpapiere.

Alle drei Bausteine eines gut gemischten Portfolios gibt es in verschiedenen Formen, mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen.

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