Mit Immobilien fürs Alter vorsorgen

Was liegt näher, als eine eigene Wohnung oder ein Haus zu kaufen, um im Alter mietfrei wohnen zu können? Das allerdings ist in vielen Regionen in Deutschland gar nicht so einfach möglich. Denn wer dort zum Eigenheimer werden möchte, braucht im Zweifel viel Geld. Die gute Nachricht: Um von der Wertbeständigkeit einer Immobilie zu profitieren, muss man nicht zwingend eine eigene Wohnung kaufen. Es gibt auch andere Möglichkeiten.

August 2021

Foto: adobestock/Monster Ztudio

Die eigene Immobilie – das wünschen sich viele Deutsche. Das ist verständlich, denn: „Wenn man im Alter mietfrei wohnen kann, spart man unter Umständen viel Geld“, weiß Patrick Schiffer, Fachberater für Versicherungen bei der Sparkasse KölnBonn. Wer die Preisentwicklungen für Mietwohnungen in den Ballungsgebieten im Blick hat, kann das nur bestätigen. Zwei Beispiele aus dem September 2020: In Bonn West bezahlt man für 57 Quadratmeter 900 Euro Kaltmiete, in der Kölner Neustadt für 36 Quadratmeter 954 Euro kalt. Diese und ähnliche Summen müssen nicht gezahlt werden, wenn man im Eigentum wohnt.

Auch Eigentum kostet

Das ist aber schneller gesagt, als durchdacht, denn: „Egal, in welcher Lage ich ein Haus oder eine Wohnung kaufe, es kommen zum Kaufpreis immer die Kaufnebenkosten dazu, wie Notargebühren, Kosten für den Grundbucheintrag, möglicherweise die Courtage für die Immobilienvermittlung und die Grunderwerbsteuer muss auch gezahlt werden“, sagt Schiffer. Da der Kaufpreis in der Regel durch ein Immobiliendarlehen finanziert wurde, kommen zu diesen einmaligen Kosten dann noch die monatlichen Zinszahlungen auf das Darlehen. „Zwar sind die Zinsen derzeit günstig, aber mittlere fünfstellige Summen für die Zinsen sind die Regel, bis die Immobilie oder das Haus abbezahlt ist“, sagt der Versicherungsfachberater. Als Eigentümerin beziehungsweise Eigentümer muss man außerdem Rücklagen bilden, um für anfallende Renovierungen und Reparaturen, wie Dach, Heizung oder Fassade vorbereitet zu sein.

Trotzdem: Mit einer Immobilie hat man üblicherweise einen Wert. Will oder kann man im Alter dort nicht mehr selbstständig leben, verkauft man das Haus oder die Wohnung und kann entweder die Miete für eine kleinere Immobilie über eine oft lange Zeit damit bezahlen oder auch den Zuschuss fürs Pflegeheim.

In Immobilien investieren

So, wie in der Region Köln/Bonn die Mietpreise gestiegen sind, haben sich allerdings leider auch die Kaufpreise entwickelt. Wer es also finanziell nicht stemmen kann, sich seine Traumwohnung zu kaufen, aber auf das Betongeld schwört, der sollte über eine Kapitalanlage in Immobilien nachdenken. Hier käme eine kleinere Wohnung in Betracht, deren Preis sich über die Jahre durch die Mieteinnahmen refinanzieren lässt. Allerdings: „Der Kauf ist nicht sinnvoll, wenn man sonst keine Rücklagen hat“, warnt Patrick Schiffer. „Denn es kann immer zu Mietausfällen kommen. Oder im schlimmsten Fall ziehen Mietnomaden ein, die die Wohnung abwohnen und keinen Cent dafür bezahlen“. Das Ausfallrisiko ist also nicht zu unterschätzen. Darum sollte man es durch andere Anlagen abfedern und ausgleichen können.

Hinzu kommt: „In Selbstregie zu vermieten, kann sehr nervenaufreibend sein“, weiß Schiffer. Das beginnt damit, bei einem Mieterwechsel im schlimmsten Fall Hunderte von Bewerbungen sichten zu müssen. Auch Anrufe am frühen Morgen, weil das Wasser nicht warm oder die Heizung ausgefallen ist, sind eher unerfreulich. „Hat man eine Wohnung als Kapitalanlage gekauft, und kümmert sich eine Haus- beziehungsweise eine Mietverwaltung um das Meiste, sieht die Situation wieder anders aus“, so Patrick Schiffer. Das allerdings kostet auch wieder mehr Geld. Ist dies zu stemmen, ist jedoch die Immobilie als Kapitalanlage ein guter Baustein im Altersvorsorgeportfolio.

 

„Hat man eine Wohnung als Kapitalanlage gekauft, und kümmert sich eine Haus- beziehungsweise eine Mietverwaltung um das Meiste, sieht die Situation wieder anders aus.“

Patrick Schiffer, Fachberater für Versicherungen bei der Sparkasse KölnBonn

Wer keine zusätzlichen Rücklagen hat, und wem die Eigenvermietung zu aufwändig ist, der kann einen ganz anderen Weg gehen, falls Immobilien auf jeden Fall in den Altersvorsorge-Mix gehören sollen. Schiffers Tipp lautet in diesem Fall: „Man könnte in einen entsprechenden Fonds oder ETF investieren“. Diese wiederum finanzieren mit dem angesammelten Geld beispielsweise Parkhäuser, Pflegeheime oder natürlich Wohnanlagen. In beiden Fällen wird durch die Streuung das Risiko gemindert, die Anlegerinnen und Anleger profitieren jedoch von den Renditen. „So lässt sich langfristig mit der Kombination aus Immobilien und Wertpapieren ein solides Vermögen als Baustein für die Altersvorsorge aufbauen“, so Schiffer. Allerdings ist es für den Laien sinnvoll, sich zu diesem Thema beraten zu lassen. Schließlich gibt es sowohl offene als auch geschlossene Immobilienfonds. Beide haben Vor- und Nachteile und sind längst nicht für jedes Portfolio geeignet. Hinzu kommt, dass es immer wieder Berichte über Immobilienfonds gibt, mit denen Investoren sehr viel Geld verloren haben. Wer dieses Risiko nicht eingehen möchte, sollte Expertinnen beziehungsweise Experten um Rat fragen. Oder sich mit alternativen Altersvorsorgeprodukten wie Versicherungen beziehungsweise mit anderen Wertpapieren auseinandersetzen.

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