Warum die Riester- oder Rürup-Rente bei der Altersvorsorge sinnvoll ist

Zu intransparent und teuer, heißt es bei den Kritikern. Dabei bieten Riester- und Rürup-Rente einen entscheidenden Vorteil gegenüber Wertpapieren und Immobilien beim Thema Altersvorsorge: Sie garantieren monatliche Zahlungen bis zum Lebensende. Patrick Schiffer, Versicherungsexperte bei der Sparkasse KölnBonn, erklärt die Zusammenhänge.

Dezember 2020

Foto:LIGHTFIELD-STUDIOS//stock.adobe.com

Herr Schiffer, Sie sagen, ganz ohne Wertpapiere ist Altersvorsorge nicht möglich. Warum ist das so?

Patrick Schiffer: Alle Kunden wollen immer zwei Dinge: Sicherheit und Wertsteigerung. Sicherheit gibt es beispielsweise bei Sparbüchern. Aber in einer Niedrigzinsphase kann man damit eben sein Vermögen nicht steigern. Das ist derzeit nur mit Wertpapieren möglich, also beispielsweise mit Aktien oder Fonds. Die wiederum sind vielen nicht sicher genug. Wenn man eine Garantie auf sein Vermögen verbunden mit einer Wertsteigerung möchte, bleiben nicht so viele Möglichkeiten übrig: Das gelingt im Prinzip nur mit einer Rentenversicherung wie der Riester- oder Rürup-Rente. Die Versicherungsgesellschaften legen die Einzahlungen der Kundinnen und Kunden an, zum größten Teil konservativ. Aber eine Beimischung von Wertpapieren an der Börse ist wichtig. Sie investieren beispielsweise in Bundesanleihen, Windparks oder eben Aktien. Nur so ist es ihnen möglich, eine gute Rendite bis zum Ende der Laufzeit auszahlen zu können. Die Kundinnen und Kunden selbst müssen sich dafür jedoch nicht mit Wertpapieren oder der Börse auseinandersetzen.

„Wenn man eine Garantie auf sein Vermögen verbunden mit einer Wertsteigerung möchte, gelingt das im Prinzip nur mit einer Rentenversicherung wie der Riester- oder Rürup-Rente.“

Patrick Schiffer, Fachberater für Versicherungen bei der Sparkasse KölnBonn

Wenn man sich aber mit dem Thema auseinandersetzt und selbst investiert, würde man viel Geld sparen, oder?

Natürlich hat es seinen Preis, wenn die Versicherungsgesellschaften die Einzahlungen der Kundinnen und Kunden anlegen und verwalten. Immerhin müssen die Unternehmen die Entscheidungen so sorgfältig treffen, dass nichts von der eingezahlten Summe verloren geht. Das ist eine große Verantwortung. Davon abgesehen: Selbst, wenn man sich für Wertpapiere begeistert und dadurch, dass man selbst investiert, Geld spart, muss man sein Depot im Alter sehr durchdacht verwalten. Sonst ist es irgendwann leer, weil man sein Geld ausgegeben hat. Das kann mit der Riester- oder Rürup-Rente nicht passieren. Denn damit bekommt man bis zum Lebensende monatliche Beträge ausgezahlt.

Also auch dann noch, wenn die eigentliche Summe, die man angespart hat, aufgebraucht ist?

Genau. Im Prinzip schließen wir eine Wette auf das Alter des Kunden ab: Wir orientieren uns an statistischen Berechnungen des Durchschnittsalters. Die Anlegenden halten dagegen: Wir werden älter. Haben sie Recht, was wir ihnen sehr gönnen, geht das zu unseren Lasten.

Das klingt gut. Aber warum empfehlen Sie eine Renten- und keine Kapitallebensversicherung?

Bei den Kapitallebensversicherungen sind die Garantiezinsen in den vergangenen Jahren gesunken. Außerdem erhält man damit am Ende der Laufzeit eine gewisse Summe ausbezahlt. Sie kann wie ein Vermögen im Depot irgendwann aufgebraucht sein. Hinzu kommt, dass die Kapitallebensversicherung mit einer Absicherung für den Todesfall verbunden ist. Diese wiederum kostet Geld. Darum ist die Kapitallebensversicherung nur bedingt als Sparvertrag geeignet.

Bei einer Rürup- oder Riester-Rentenversicherung ist das anders, weil die Rentenzahlungen wie gesagt bis zum Lebensende garantiert sind.

Was denn jetzt: Riester oder Rürup?

Für eine Riester-Rente kann sich nur entscheiden, wer in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen muss. Wer dort nicht pflichtversichert ist, sondern freiwillig einzahlt, kann nicht riestern. Das sind üblicherweise Arbeitnehmende, aber keine Selbstständigen – mit Ausnahme von manchen Freiberuflern. Außerdem sind bei einer Riesterrente die Einzahlungen heute steuerfrei – dafür fallen in der Rente Abschläge darauf an. Das Geld in einem Riester-Vertrag steht den Anlegenden erst ab frühestens 62 Jahren zur Verfügung. Stirbt man vorher, können der Ehegatte oder die –gattin beziehungsweise die Lebenspartnerin, der Lebenspartner oder die Kinder das eingezahlte Geld erben. Nach Beginn der Rentenphase kann die bezugsberechtigte Person die Renten ausgezahlt bekommen, muss dann allerdings je nach familiärer Konstellation die staatliche Förderung anteilig zurückzahlen.

Die Rürup-Rente lohnt sich zwar auch für Arbeitnehmende – wenn diese viel verdienen. Denn die Beiträge lassen sich zumindest teilweise steuerlich absetzen. Da viele Arbeitnehmende aber schon mithilfe der betrieblichen Altersversorgung oder mit Riester Geld zurücklegen, haben sie im Regelfall kaum noch die Mittel für einen zweiten Versicherungsvertrag. Sinnvoller ist Rürup darum für die Selbstständigen, die üblicherweise weder auf eine gesetzliche Rente bauen, noch in einen Riestervertrag einzahlen können. Darum heißt die Rürup-Rente in Hinblick darauf auch Basis-Rente. Selbstständige können ihre Einzahlungen natürlich auch steuerlich geltend machen. Stirbt die Versicherungsnehmerin beziehungsweise der Versicherungsnehmer, verfällt das angesparte Kapital. Aber Kinder, die Ehegattin oder der Ehegatte beziehungsweise die eingetragene Lebenspartnerin oder der Lebenspartner können eine Hinterbliebenenrente bekommen.

Verstanden. Aber ist das nicht auch etwas unflexibel?

Ja. Allerdings soll es ja auch eine sichere Rente sein. Da muss ein Produkt etwas starrer sein. Es gibt speziell bei der Riester-Rente zwei interessante Optionen zur klassischen Verrentung, also zur Auszahlung des Vermögens bis zum Lebensende:

  1. Wer in Rente geht, kann sich je nach Vertrag bis zu 30 Prozent des Kapitals auszahlen lassen – um damit beispielsweise eine Weltreise zu machen. Oder sogar bis zu 100 Prozent, um die noch nicht abbezahlte Immobilie zu entschulden. Denn ist ein Haus oder eine Wohnung zum Renteneintritt noch nicht schuldenfrei, kann es schwierig werden, die monatlichen Raten noch aufzubringen. Das ist dann übrigens der sogenannte Wohn-Riester. Bei dieser Option wird also nicht die gesamte angesparte Summe verrentet.
  2. Wer alleine lebt und eine schlimme Diagnose bekommt, wie beispielsweise „Krebs im Endstadium“, kann seinen Riester-Vertrag kündigen. Dann muss man zwar die Zulagen zurückzahlen und die Einzahlungen nachträglich versteuern, aber man bekommt sein Geld größtenteils zurück – mit Zinsen. Denn als Single würde man ja im Falle eines frühen Todes das gesamte Vermögen verlieren. So kann man es möglicherweise nutzen, um sich das Lebensende noch möglichst angenehm zu gestalten.

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