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Was die Zinserhöhung der EZB bedeutet

Am 8. September 2022 hat die Europäische Zentralbank den Leitzins um 0,75 Punkte auf 1,25 Prozent erhöht. Mit der Erhöhung der Zinsen nutzt die EZB ein geldpolitisches Instrument, um der Inflation und damit den Preissteigerungen entgegen zu wirken. Sie hat angekündigt, die Zinsen in den kommenden Monaten weiter zu erhöhen. Doch welche Konsequenzen hat die Zinserhöhung für Verbraucherinnen und Verbraucher?

Noppasinw/adobe.stock

*Die Entscheidung trat am 14. September 2022 in Kraft

 

Hauptrefinanzierungszins, Spitzenrefinanzierungszins und Einlagefazilität

Tatsächlich hat die EZB nicht nur einen Zins erhöht, sondern gleich drei. Ihre Namen sind kompliziert, doch für die Arbeit von Sparkassen und anderen Finanzinstituten sind sie wichtig. Denn sie sind die Grundlage für die Produkte und auch deren Preise, die Sparkassen und andere Finanzinstitute den Kundinnen und den Kunden bieten.

Hauptrefinanzierungszins: Der Leitzins. Er legt fest, zu welchem Zinssatz sich Banken bei der EZB über einen Zeitraum von mindestens einer Woche Geld leihen können. Diese Kosten geben Banken in Form von Zinsen an die Kundinnen und Kunden weiter, die einen Kredit aufnehmen. Der Leitzins wurde am 8. September 2022 von 0,5 Prozent auf 1,25 Prozent angehoben. Entsprechend werden die Zinsen auf Kredite steigen.

Spitzenrefinanzierungszins: Dieser Zins legt fest, zu welchem Preis sich Sparkassen und Banken kurzfristig Geld bei der Europäischen Zentralbank leihen können. Niedrige Zentralbank-Zinsen sollen die Kreditvergabe durch die Geschäftsbanken ankurbeln und damit der Wirtschaft neue Wachstumsimpulse verleihen. Umgekehrt sollen steigende Zinsen Kredite teurer machen und damit dämpfend auf die Nachfrage wirken, was zu nachlassendem Preisdruck und damit geringerer Inflation führen soll. Dieser Zins wurde am 8. September 2022 von 0,75 Prozent auf 1,5 Prozent angehoben.

Einlagefazilität: Sie sagt aus, wie Geld verzinst wird, das Sparkassen und Banken über Nacht bei der EZB angelegt haben. Dieser Zins war seit 2014 negativ. Finanzinstitute mussten also für geparktes Geld bezahlen. Mit der Entscheidung vom 8. September 2022 steigt dieser Zins auf 0,75 Prozent.

Was für Kreditnehmerinnnen und Kreditnehmer eines Immobiliendarlehens gilt

Wer gerade erst eine Immobilienfinanzierung abgeschlossen und eine möglichst lange Zinsbindungsfrist gewählt hat, kann sich noch einigermaßen entspannt zurücklehnen. Alle, deren Kreditlaufzeit in den kommenden Monaten endet, sollten dagegen aktiv werden. Denn viele müssen bei der Anschlussfinanzierung mit höheren Zinssätzen als bisher rechnen. Das heißt: Die monatlichen Rückzahlungsraten werden steigen. In Kombination mit den höheren Kosten für Energie und Lebensmittel kann das zu einer besonderen finanziellen Herausforderung werden.

„Läuft die Zinsbindungsfrist Ihres Immobiliendarlehens innerhalb der nächsten vier Jahre aus, können Sie sich mit einem Forward Darlehen die noch immer günstigen Zinsen von heute für Ihre Anschlussfinanzierung sichern. Die Konditionen werden somit heute schon vereinbart und festgelegt und greifen dann bei Ablauf der Zinsbindung des bestehenden Darlehens.“, sagt Olga Gusser, Referentin Produkt- und Preismanagement bei der Sparkasse KölnBonn. Wer also bald das Ende seiner Zinsbindungsfrist erreicht hat, sollte sich jetzt beraten lassen. Denn der EZB-Rat um Christine Lagarde hat weitere Zinserhöhungen für die kommenden Monate in Aussicht gestellt.

Rückkehr des Bausparvertrags

In Zeiten der steigenden Zinsen auf Immobiliendarlehen werden auch Bausparverträge als Baustein für die Immobilienfinanzierung wieder attraktiver – egal, ob Neu- oder Anschlussfinanzierung. „Denn auch mit ihnen sichert man sich die noch günstigen Zinsen von heute für später“, so Olga Gusser. Und mit dem heute gesicherten Zinssatz kann die Finanzierung langfristig geplant werden. Für die individuellen Bedürfnisse gibt es unterschiedliche Bauspartarife.  Entsprechend sollten diejenigen, die über einen Haus- oder Wohnungskauf in der Zukunft nachdenken oder für die noch eine Anschlussfinanzierung ansteht, sich jetzt beraten lassen. Noch lukrativer wird der Bausparvertrag für diejenigen, die dort vermögenswirksame Leistungen einzahlen oder die Arbeitnehmerspar- oder die Wohnungsbauprämie dafür in Anspruch nehmen können. Ein Bausparvertrag eignet sich übrigens auch, um später beispielsweise eine Modernisierung des Hauses oder der Wohnung finanziell stemmen zu können.

Wie sich die Zinserhöhung auf Sparerinnen und Sparer auswirken könnte

Wem monatliche feste Sparraten zu viel sind, der sollte zumindest versuchen, immer wieder kleinere Geldbeträge zurückzulegen. So lassen sich dann beispielsweise die zu erwartenden Nachzahlungen der Energieunternehmen leichter bezahlen.

Nina Schneider ist Referentin für Produkt- und Preismanagement bei der Sparkasse KölnBonn

Hierbei gibt es dank der Zinserhöhungen möglicherweise bald wieder mehr lukrative Angebote. „Wir haben alle keine Glaskugel. Tendenziell könnte es sein, dass auch die Zinsen für Sparprodukte wie Festgeld oder Tagesgeld in den kommenden Monaten steigen werden“, sagt Nina Schneider, Referentin Produkt- und Preismanagement. „Sollten die Zinsen wieder steigen, ist das zumindest für die Anlegerinnen und Anleger, die eher konservativ Vermögen aufbauen, eine gute Nachricht“. Davon würden auch diejenigen profitieren, die aktuell noch größere Summen auf dem Girokonto geparkt haben, und die ihr Geld zumindest kurzfristig zu besseren Konditionen anlegen wollen. Dazu können sie mit dem Sparkassen-Zinsnavi das für sie passende Festgeld-Angebot ganz einfach selbst finden. Möglich ist das durch eine Kooperation mit europäischen Partnerbanken, um hier eine größere Produktauswahl zu bieten. „Die Anlegerinnen und Anleger wählen einfach das Angebot, das Ihnen von den Konditionen und der Laufzeit am besten gefällt“, so Finanzfrau Nina Schneider. „Wer dagegen in Fonds, ETFs oder Aktien investiert hat, wird dort vermutlich auch bleiben. Denn ein Investment an der Börse ist immer langfristig gedacht.“

Höhere Zinsen für Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer

Für die Kundinnen und Kunden, die in der nächsten Zeit einen Kredit aufnehmen wollen, kann die Leitzinserhöhung in den Konditionsangeboten spürbar werden. Denn durch diese Erhöhung steigen auch bei Ratenkrediten die Zinsen. „Diese Entwicklung beobachten wir schon seit Jahresbeginn“, sagt Olga Gusser, Geld leihen wird für Kundinnen und Kunden der Sparkasse und anderer Finanzinstitute also teurer.

Die Aufnahme eines Ratenkredits kann jetzt auch sinnvoll sein, wenn man sowieso über eine größere Anschaffung nachdenkt. „Da die Preise und die Zinsen vermutlich weiter steigen werden, kann es günstiger sein, diese Anschaffung jetzt vorzuziehen“, sagt Olga Gusser. So profitiere man noch von den heutigen Preisen und Zinsen. Allerdings muss eine solche Entscheidung immer individuell und abhängig von der finanziellen Situation getroffen werden.

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