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Wer steckt hinter der Katharina-Schauberg-Promenade?

Wer beim Spaziergang vor der eigenen Haustür die Augen offenhält, findet so manchen Namen auf Straßenschildern, dem er vorher noch nicht begegnet ist. Welche spannenden Geschichten und herausragenden Persönlichkeiten dahinterstecken, erfahren die Leser von meinkoelnbonn.de in der neuen Reihe „Wer steckt eigentlich hinter ...?“. In diesem Monat geht es an den Rhein.

adobestock-babayuka/Creative DuMont Rheinland
Sarah Luisa Görtz
Im Kölner Rheinauhafen tragen viele Wege und Plätze die Namen von Frauen.
Sarah Luisa Görtz
Unter anderem gibt es dort die Katharina-Schauberg-Promenade.
Sarah Luisa Görtz
Doch wer verbirgt sich hinter dem Straßennamen?

Im Kölner Rheinauhafen lässt sich ein seltenes Bild beobachten: Ein Großteil der Wege und Plätze trägt die Namen weiblicher Persönlichkeiten. Seit 2006 stehen die Namen von Unternehmerinnen, Stifterinnen oder Feministinnen auf den Schildern des modernen Quartiers, die sich in unterschiedlichen Weisen um die Stadt Köln verdient gemacht haben. So ist etwa die Agrippinawerft nach der Stadtgründerin und gebürtigen Kölnerin „Agrippina die Jüngere“ benannt. Der Ordensfrau Maria Clementine Martin, die den „Klosterfrau Melissengeist“ erfand, ist der Maria-Clementine-Martin-Platz gewidmet.

Druckerin und Verlegerin

Doch dieser Spaziergang führt von der Bayenwerft, wo die Kölnerinnen und Kölner im Sommer während des Sonnenuntergangs auf die Kinoleinwand schauen können, zum Fluss, der die Domstadt prägt. Auf dem Weg Richtung Süden, vorbei am Bayenturm, am Spielplatz, an diversen Restaurants und Bars bis zum Skatepark kann fast einen halben Kilometer auf der Katharina-Schauberg-Promenade flaniert werden. Benannt wurde sie nach der Druckerin und Verlegerin Katharina Schauberg.

Ist Ihnen auch schon einmal ein Straßenname in der Region begegnet, den Sie nicht zuordnen konnten? Dann senden Sie uns eine E-Mail an meinkoelnbonn@sparkasse-koelnbonn.de.

Katharina Schauberg

Die Nachkommin einer Buchdruckerfamilie war Geschäftsfrau und Mutter von zwölf Kindern.

DuMont

Maria Catharina Jacobina Schauberg heiratete 1805 Marcus DuMont.

 

1779:
2. Februar 1779 wird Maria Catharina Jacobina Schauberg in Düsseldorf geboren.

1805:
Sie heiratet Marcus DuMont und hilft ihm dabei, die Schaubergsche Druckerei von ihrer Familie für 1.400 Reichstaler zu kaufen.

1831:
Ihr Ehemann stirbt am 24. November 1831. Die zwölffache Mutter übernimmt mit ihrem Sohn Joseph DuMont die Geschäfte.

1845:
Am 25. März 1845 stirbt Katharina Schauberg in Köln.

DuMont-Schauberg

Die Nachkommin einer Buchdruckerfamilie wurde am 2. Februar 1779 in Düsseldorf als Maria Catharina Jacobina Schauberg geboren. 1805 heiratete sie Marcus DuMont und half ihrem 25-jährigen Ehemann dabei, die Schaubergsche Druckerei von ihrer Familie für 1.400 Reichstaler zu kaufen. Damit übernahm Marcus DuMont auch die seit 1802 von den Erben Schauberg und zeitweilig von seinem Onkel Nicolaus DuMont verlegte Kölnische Zeitung. Die Auflagenstärke des Blattes betrug damals lediglich 250 Exemplare. Am 1. April 1818 gründete Marcus DuMont die DuMont-Schauberg’sche Buchhandlung und das Verlagshaus M. DuMont Schauberger. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Kölnische Zeitung zu einem einflussreichen Presseblatt im Rheinland. Sie galt als katholisch, preußenkritisch und wurde häufig zensiert. Bis 1829 erschien das Blatt viermal in der Woche, danach gab es sechs Ausgaben. Die zeitnahe Berichterstattung von der Julirevolution 1830 in Frankreich verhalf der Zeitung zu einer Steigerung der Auflage auf über 3.300 Exemplare.

Die Ideologie des „natürlichen Geschlechtscharakters“

Doch zum Erfolg des Blattes trug wohl nicht nur Marcus DuMont bei. Der Kölner Archivar, Historiker und Mitarbeiter der Allgemeinen Deutschen Biographie Leonard Ennen beschrieb Katharina Schauberg so: „Sie war eine tätige Frau, der man einen nicht geringen Antheil an dem blühenden Aufschwung des Geschäftes zuerkennen musste, da ihr praktischer Verstand, ihre kaufmännische Klugheit und ihr energischer Wille sich mit den gewiegten Kenntnissen und den großen geistigen Fähigkeiten ihres Mannes vereinigt hatten. Wenn der Mann abwesend war, so ließ das Geschäft, sowohl die Buchhandlung und Druckerei als auch das Zeitungsbüro, die männliche Leitung nicht vermissen, mit Kraft und Entschiedenheit stellte dann sie sich an die Spitze des ganzen Unternehmens.“

Sie entsprach also nicht dem damals vorherrschenden „natürlichen Geschlechtscharakter“ der Frau. Danach waren Frauen keine mündigen, autonomen Menschen, sondern benötigten eine Geschlechtsvormundschaft, ausgeübt durch den Vater, den Bruder oder den Ehemann. Aufgrund der ihnen zugewiesenen „natürlichen Geschlechtseigenschaften“ wie Tugend, Sittsamkeit und Fleiß war die ihnen nun zugedachte Rolle die der Ehefrau und Mutter. Der Ort von Frauen war das Haus, der Ort von Männern die Öffentlichkeit. Diese Ideologie richtete sich vor allem auf die Frauen des Bürgertums – wie Katharina Schauberg sie war – in Abgrenzung zum Adel und zur Arbeiterschicht.

Eine Frau an der Spitze der Kölnischen Zeitung

Marcus DuMont starb am 24. November 1831. Die zwölffache Mutter Katharina Schauberg leitete mit ihrem 20-jährigen Sohn Joseph DuMont den Vertrieb von Verlag, Sortimenten, heute genannt Periodika, und Zeitungen bis 1844. Damit reihte sie sich ein in eine Riege von Frauen, die sich anfangs des 19. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum als Autorinnen und Redakteurinnen, als Zeitungsverlegerinnen und Dramatikerinnen einen Namen machten und mit dieser Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienten. Neben Katharina Schauberg etwa Sophie von La Roche, die als erste finanziell unabhängige Berufsschriftstellerin in Deutschland gilt.

1845 übernahmen die Brüder Joseph und Michel DuMont die Geschäfte. Am 25. März 1845 starb Katharina Schauberg in Köln.

Zu Ehren ihres Mannes befindet sich in der Breite Straße in Köln der DuMont-Brunnen mit Reliefportrait. Katharina Schaubergs Sohn Joseph DuMont ist seit 1990 als Ratsturmfigur am historischen Kölner Rathaus verewigt. Und ihren Namen ziert nun ein Straßenschild im Kölner Rheinauhafen.

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