Damit das Geld auch in der Rente reicht

Der Renteneintritt scheint vielen noch weit weg zu sein. So weit, dass sie sich gar nicht mit diesem trockenen Thema beschäftigen wollen. Dabei ist das unerlässlich, wenn man später seinen Lebensstandard beibehalten möchte.

Dezember 2020

adobestock/komokvm

Nur rund 48 Prozent des heutigen Einkommens beträgt derzeit die Rente. Wohlgemerkt: „Wenn Sie 45 Jahre lang Beitragszahlungen auf Basis eines durchschnittlichen Einkommens geleistet haben“, sagt Jasmin Sobczak aus dem Referat Presse und Information der Deutschen Rentenversicherung Rheinland. 48 Prozent, also weniger als die Hälfte von dem, was Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern heute zur Verfügung steht. Natürlich fallen später auch Ausgaben weg: So braucht man in späteren Jahren beispielsweise keine Berufsunfähigkeitsversicherung mehr, vielleicht geht man seltener aus und wer ein Eigenheim besitzt, muss keine Miete mehr einkalkulieren.

Tipp: Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hat drei Online-Rechner ins Netz gebracht. Damit lässt sich feststellen, ob man im Alter eher nochmal die Welt erobern oder sich zurückziehen wird, welche Lebenserwartung man hat, und was ein Friseurbesuch, der Jahresurlaub oder ein Hund in der Zukunft kosten werden.

Trotzdem können 48 Prozent gesetzliche Rente wenig sein. „Darum sollte man gut prüfen, ob die gesetzliche Rente später ausreichen wird“, sagt Sobczak. Dazu schaut man sich in einem ersten Schritt seine jährliche Renteninformation genau an. Wenn die zu erwartende Summe sehr niedrig ist, gibt es Handlungsbedarf.

Scheint sie hoch, sollte man bedenken, dass ...

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sie eine Prognose ist und man davon ausgeht, dass der oder die Rentenversicherte so weiter verdienen wird wie bisher.

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jeder und jede davon noch einen Teil für die Kranken- und Pflegeversicherung sowie für Steuern abzweigen muss.

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selbst bei einer niedrigen Inflation das angesparte Geld in Zukunft weniger wert ist.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf lässt sich jetzt ein realistischer Blick auf die künftige Rente beziehungsweise die Rentenlücke werfen.

Rentenlücke? Was war das gleich?

Die Rentenlücke ist der Unterschied zwischen dem monatlichen Nettoeinkommen bevor man in Rente geht und der künftigen Rentenzahlung. Wenn Sie also ein Nettoeinkommen von 1.500 Euro haben und die monatliche Nettorente nach allen Abzügen bei 1.000 Euro liegen wird, haben Sie eine Rentenlücke von 500 Euro. Sie lässt sich stopfen, indem Sie beispielsweise privat vorsorgen.

 

Tipp: Wer seine Rente selbst berechnen möchte, kann sich am Rentenformel-Rechner der Deutschen Rentenversicherung ausprobieren.

Nägel mit Köpfen machen: Zunächst das Rentenkonto prüfen lassen

Zweiter Schritt: Einen Termin bei der Deutschen Rentenversicherung ausmachen oder das kostenlose Servicetelefon unter 0800 10004800 anrufen, um das Rentenkonto zu klären. Das klingt bürokratisch, ist aber wichtig: „Wir prüfen dabei gemeinsam, ob alle Beschäftigungszeiten, Zeiten aus einem Versorgungsausgleich, von Schule und Studium nach dem 17. Lebensjahr, Kindererziehungs- und Pflegezeiten und noch einiges mehr erfasst sind“, erklärt Sobczak. Denn das alles hat später Auswirkungen auf die Höhe der Rente. Je früher man sein Rentenkonto klärt, desto besser: Denn je länger die entsprechenden Zeiten zurückliegen, umso schwieriger ist es, dafür noch Nachweise zu beschaffen. Das macht dann die Anrechnung problematisch.

 

Wer bekommt überhaupt Rente?

Wer Rente beziehen möchte, muss einige Voraussetzungen erfüllen:

Wartezeit: Damit Sie überhaupt einen Anspruch auf eine Rentenzahlung haben, müssen Sie mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben. Diese Zeit nennt man Wartezeit. „Es zählen aber nicht nur die Monate, in denen man gearbeitet und Beiträge gezahlt hat. Auch Zeiten, in denen beispielsweise Arbeitslosen-, Übergangs- oder Krankengeld bezogen wurden, spielen dabei einer Rolle. Oder die Zeiten, in denen man Kinder erzogen oder freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat“, verdeutlicht Jasmin Sobczak.

Rentenart: Ist der grundsätzliche Anspruch auf eine Rente geklärt, spielt eine Rolle, welche Rentenart Sie beantragen möchten: Regelaltersrente? Altersrente für langjährig Versicherte mit 35 Jahren Wartezeit oder für besonders langjährig Versicherte mit 45 Jahren Wartezeit? Oder geht es um eine Altersrente wegen Schwerbehinderung? Hier beträgt die Wartezeit 35 Jahre bei einer Schwerbehinderung von 50 Prozent zum Zeitpunkt des Rentenbeginns.

Rentenalter: „Alle Altersrenten sind an ein bestimmtes Rentenalter gebunden“, erklärt Sobczak weiter. Bei der Regelaltersrente steigt die Altersgrenze seit 2012 stufenweise auf 67 Jahre an. „Aktuell liegt sie für den Geburtsjahrgang 1955 bei 65 Jahren plus 9 Monaten“.

Wer sicher ist, dass die Informationen im Rentenkonto stimmen, und wer seine Rentenlücke kennt, der sollte sich mit einer Expertin oder einem Experten unterhalten: Finanzberaterinnen, Finanzberater oder auch die Altersvorsorgeberatung der Deutschen Rentenversicherung helfen dabei, den perfekten Mix für die Altersvorsorge zu erstellen. Das kann beispielsweise eine Kombination aus einer Immobilie, konservativen Anlageformen und Wertpapieren sein, sowie die passende Versicherung, die dafür sorgt, dass man bis zum Lebensende Beiträge ausgeschüttet bekommt. Auch eine betriebliche Altersversorgung durch den Arbeitgeber spielt dabei zunehmend eine Rolle. Lesen Sie dazu mehr im Beitrag 'Drei Wege zum finanziell sorglosen Ruhestand'.

Früher in Rente gehen

Wer nicht warten möchte, bis er das Rentenalter erreicht hat, sollte auf jeden Fall den Rat von Expertinnen und Experten einholen. Denn wer in Rente gehen möchte, bevor er die Regelaltersgrenze (siehe Kasten) erreicht hat, muss die Zeit zwischen seinem individuell gewählten Renteneintritt und dem Beginn der staatlichen Zahlungen überbrücken. Das kann beispielsweise mit Hilfe des Arbeitgebers gelingen, indem man Zeitguthaben anspart, in Altersteilzeit geht oder eine Vorruhestandsregelung trifft. Wer früher aus dem Arbeitsleben ausscheiden will, muss finanziell vorgesorgt haben – und sollte beachten, dass man in diesem Fall vermutlich keine weiteren Rentenansprüche erwirbt. Die künftige Rente wird also vermutlich geringer ausfallen als erwartet.

Einfacher ist der vorgezogene Rentenbeginn, wenn man die jeweilige Wartezeit von 35 oder 45 Jahren und das entsprechende Mindestrentenalter erreicht hat oder eine Schwerbehinderung von mindestens 50 Prozent hat. Wer weniger als 45 Jahre eingezahlt hat, muss allerdings mit einem Abschlag auf die Rentenzahlungen rechnen. „Der Abschlag beträgt pro Monat der vorzeitigen Inanspruchnahme 0,3 Prozent beziehungsweise pro Jahr 3,6 Prozent“, so Jasmin Sobczak. Zwar darf man bei der vorgezogenen Altersrente 6.300 Euro pro Kalenderjahr dazuverdienen, in diesem Jahr coronabedingt sogar 44.590 Euro. „Aber Achtung! Wer mehr verdient, bekommt weniger oder sogar gar keine Rente mehr, da der Dazuverdienst auf die Rente angerechnet wird “, sagt Sobzcak. Arbeitnehmende, die sich für die so genannte Flexirente entscheiden, sollten sich auf jeden Fall im Vorfeld mit den Expertinnen und Experten beraten.

Rentenübersicht digitalisiert

Übrigens: Ab 2023 soll eine digitale Rentenübersicht verfügbar sein. Das hat das Bundeskabinett im August 2020 beschlossen. Dort sollen die Rentenansprüche aus gesetzlicher, privater und betrieblicher Vorsorge für alle verständlich aufgelistet sein.

 

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