Scribble mit Geldmünzen

Sondertilgung vornehmen oder Geld anlegen?

Sie haben gerade einen größeren Geldbetrag zur Verfügung und fragen sich, ob Sie Ihren Kredit tilgen oder das Geld doch lieber anlegen sollen? Wir zeigen es Ihnen, wann Sie wie am meisten profitieren.

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Mann schaut auf Karte, welchen Weg er nehmen soll

Das Wichtigste in Kürze

  • Ob sich eine Sondertilgung lohnt oder ob Sie Ihr Geld besser anlegen, kommt auf Ihre individuelle Situation an.

  • Die grundlegende Frage ist: Sind die Kreditzinsen höher als die geschätzte Rendite Ihrer Geldanlage nach Steuern? Wenn ja, ist eine Sondertilgung meist sinnvoller.

  • Da Ratenkredite oft hohe Zinsen haben, ist eine Sondertilgung in der Regel die bessere Entscheidung. Risikoarme Geldanlagen erzielen meist keine vergleichbare Nachsteuer-Rendite.

  • Baufinanzierungen haben hingegen oft niedrigere Zinsen, wodurch eine Geldanlage attraktiver sein kann – vor allem dann, wenn Sie langfristig in Aktien oder ETFs investieren und Kursschwankungen aushalten können.

  • Wer sich für eine Geldanlage entscheidet, sollte auch immer beachten, dass sie zwar hohe Renditechancen hat, aber keine Gewinngarantie bietet. Sondertilgungen hingegen garantieren Zinsersparnisse.

  • Grundsätzlich können Sondertilgungsmöglichkeiten begrenzt sein. Prüfen Sie daher am besten vorab Ihren Vertrag auf kostenfreie Sondertilgungsoptionen und möglicherweise anfallende Vorfälligkeitsentschädigungen.

  • Neben der reinen Renditebetrachtung spielen auch emotionale Faktoren wie Schuldenfreiheit, Risikobereitschaft und finanzielle Flexibilität eine wichtige Rolle für Ihre Entscheidung.

Was genau bedeutet „Sondertilgung“?

Eine Sondertilgung ist eine zusätzliche Kreditzahlung, die über die vereinbarten monatlichen Raten hinausgeht. Mit ihr können Sie also einen Teil oder auch die gesamte Restschuld vorzeitig zurückzahlen. Damit werden Sie nicht nur schneller schuldenfrei, Sie können auch Zinsen sparen.

Solche Sondertilgungen sind oft, aber nicht bei jedem Kreditvertrag kostenlos möglich. Bei vollständiger Ablösung kann Ihre Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen. Das bedeutet: Sie müssen der Bank Geld dafür zahlen, dass Sie den Kredit früher tilgen. Hintergrund ist, dass die Bank dadurch weniger Zinsen als geplant verdient.

Prüfen Sie daher am besten im Vorfeld Ihre Vertragsbedingungen: Sind Sondertilgungen möglich? Und wenn ja, zu welchen Konditionen?

Wann ist es sinnvoller den Kredit zu tilgen? Und wann ist eine Geldanlage die bessere Entscheidung?

Diese Frage lässt sich so einfach nicht beantworten. Am besten ist es, wenn Sie Schritt für Schritt Ihre individuelle Situation prüfen.

1. Kreditzinsen und Rendite bei anderen Geldanlagen vergleichen

Um zu entscheiden, ob eine Sondertilgung oder eine Geldanlage sinnvoller ist, vergleichen Sie zuerst die Zinsen, die Sie für Ihren Kredit zahlen, mit der Rendite, die Sie durch eine Geldanlage erwirtschaften könnten.

Denn generell gilt: Sind die Kreditzinsen höher als die geschätzte Rendite einer Geldanlage nach Steuern, kann eine Sondertilgung finanziell vorteilhafter sein – jeder Euro Tilgung spart mehr Zinsen, als Sie durch eine Anlage verdienen würden. Andersrum kann eine Geldanlage sinnvoller sein, wenn die zu erwartende Anlagerendite höher als Ihre Kreditzinsen ausfällt. Oder anders gesagt: Mit Ihrer Geldanlage verdienen Sie mehr als Ihnen die Zinsersparnis bringen würde.

Schritt für Schritt zur Antwort:

1

Zinseinsparungen bei vorzeitiger Tilgung ermitteln

Berechnen Sie, wie viel Zinsen Sie bei vorzeitiger Tilgung einsparen würden. Berücksichtigen Sie dabei sowohl die verbleibende Restschuld als auch die Restlaufzeit Ihres Kredits.

2

Anlagerendite berechnen

Ermitteln Sie im nächsten Schritt die zu erwartende Anlagerendite bei einer Geldanlage. Bedenken Sie dabei zwei Dinge:

  1. Zinseszinseffekt: Ihre erwirtschafteten Erträge können weitere Erträge abwerfen, wenn sie reinvestiert werden. Und genau das kann sich positiv auf Ihre Anlagerendite auswirken.
  2. Nachsteuer-Rendite: Auf Kapitalerträge fallen 25 Prozent Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer an. Die Nachsteuer-Rendite kann damit Ihre Anlagerendite schmälern.
3

Grundregel anwenden

Szenario 1: Die zu erwartende Anlagerendite ist höher als Ihre Kreditzinsen:
Eine Geldanlage könnte sich in diesem Fall mehr für Sie lohnen.

Szenario 2: Die Kreditzinsen sind höher als die zu erwartende Anlagerendite:
Eine Sondertilgung ist finanziell vorteilhafter.

Das Problem bei dieser Grundregel: Die tatsächliche Rendite einer Geldanlage ist in der Regel nicht genau im Vorfeld planbar, denn sie hängt von der Anlageart, Marktentwicklung und dem Anlagezeitraum ab – und kann daher nur geschätzt werden.

2. Kreditart beachten

Die Höhe Ihres Zinssatzes hängt unter anderem davon ab, um welchen Kredit es sich handelt. Außerdem bestimmt die Kreditart oft auch über die Laufzeit – und hat deshalb Einfluss auf Ihre Entscheidung.

Bei laufenden Ratenkrediten

Bei klassischen Ratenkrediten, zum Beispiel für Autos oder Möbel, liegen die Zinssätze je nach Bonität und Laufzeit zwischen vier und zehn Prozent (Stand November 2025). Auch wenn der Nominalzins meist über die gesamte Laufzeit gleich bleibt, werden die gezahlten Zinsen absolut gesehen über die Zeit weniger, weil die Zinsen nicht auf den ursprünglichen Kreditbetrag berechnet werden, sondern auf die Restschuld – also das, was noch übrig ist. Mit einer Sondertilgung verkleinern Sie die Restschuld zusätzlich. Und damit auch die zu zahlenden Zinsen.

In der Regel haben Sie bei Ratenkrediten ein Sondertilgungsrecht. Je nach Vertrag kann eine vollständige Ablösung (vollständige Sondertilgung) aber mit einer Vorfälligkeitsentschädigung verbunden sein.

Warum eine Ablösung bei Ratenkrediten oft sinnvoll ist:

  • Weil Sie bei Zinssätzen zwischen vier und zehn Prozent mit einer Geldanlage ähnliche oder höhere Renditen (nach Steuern) erzielen müssten. Bei sicheren Anlagen ist das allerdings selten möglich.
  • Weil ein Tagesgeldkonto aktuell 0,5 Prozent Zinsen pro Jahr (Stand November 2025) bringt. Das ist deutlich weniger als die Kreditzinsen.
  • Weil bei risikoreichen Anlagen (z. B. ETFs) zwar hohe Renditechancen bestehen, die Rendite aber immer unsicher ist und schwanken kann. Die Zinsersparnis durch Tilgung ist hingegen garantiert.
  • Weil Sie mit jeder Sondertilgung die Restschuld und damit auch die Gesamtzinsbelastung über die Laufzeit erheblich reduzieren.

Ein Beispiel:

Restschuld10.000 €

Zinssatz

6 % pro Jahr

Restlaufzeit

3 Jahre

Ohne Sondertilgung

Zinszahlung ca. 950 € über 3 Jahre

Mit sofortiger Ablösung

950 € Zinsersparnis

Das entspricht 9,5 % „Rendite“ über 3 Jahre oder 3,1 % pro Jahr.

Bei einer laufenden Baufinanzierung

Baufinanzierungen haben deutlich niedrigere Zinssätze als klassische Ratenkredite. Aktuell (Stand November 2025) liegen sie zwischen 2,5 und 4,5 Prozent – je nach Zinsbindung und Eigenkapitalquote.

In der Regel ist es möglich, Sondertilgungen zu leisten. Sie sind meist vertraglich festgelegt und oft auf fünf bis zehn Prozent der ursprünglichen Darlehenssumme begrenzt. Innerhalb Ihres vereinbarten Sondertilgungsrechts sind Sondertilgungen kostenfrei. Außerhalb des Sondertilgungsrechts (während der Zinsbindung) kann Ihre Bank allerdings eine erhebliche Vorfälligkeitsentschädigung verlangen. Diese kann sogar so hoch ausfallen, dass die eigentliche Ersparnis nicht mehr spürbar ist. In diesem Fall ist eine Geldanlage logischerweise die bessere Entscheidung.

Grundsätzlich ist bei einer laufenden Baufinanzierung die Frage, ob eine Sondertilgung oder Geldanlage sinnvoll ist, nicht so leicht zu beantworten. Relevant sind unter anderem folgende Aspekte:

  • Selbstgenutzte vs. vermietete Immobilie

Der Vorteil bei vermieteten Immobilien: Sie können die Kreditzinsen steuerlich absetzen und so Ihre Steuerlast mindern. Damit sinkt die effektive Zinsbelastung, wodurch eine Geldanlage die bessere Entscheidung sein kann.

Bei einer selbstgenutzten Immobilie kann dagegen eine Sondertilgung finanziell gesehen sinnvoller sein. Schließlich sparen Sie mit ihr Zinsen.

  • Lange vs. kurze Laufzeit

Bei langen Laufzeiten (20 bis 35 Jahre) können Sie von langfristigen Geldanlagen mehr profitieren als von Sondertilgungen. Denn ein langer Anlagenhorizont gibt Ihnen die Möglichkeit, Kursschwankungen auszusitzen und von potenziell höheren Renditen zu profitieren.

Breit gestreute Aktien-ETFs haben zum Beispiel historisch gesehen eine Rendite von sechs bis acht Prozent pro Jahr (über 15 bis 20 Jahre). Nach Steuern sind das 4,5 bis sechs Prozent.

  • Zinsbindung

Wenn Ihre Zinsbindung in den nächsten fünf bis zehn Jahren ausläuft, kann sich eine Sondertilgung lohnen. Denn bei einer Anschlussfinanzierung besteht immer das Risiko, dass die Zinsen steigen. Mit einer Sondertilgung können Sie Ihre Restschuld reduzieren.

Ein Beispiel:

Restschuld

200.000 €

Zinssatz

3 % p.a.

Restlaufzeit

20 Jahre

Verfügbare Summe

20.000 €

Variante 1: Sondertilgung

Zinsersparnis über 20 Jahre

ca. 6.500 €

Hinweis: Die Ersparnis ist niedriger als die vereinfachte Rechnung (20.000 € × 3 % × 20 Jahre = 12.000 €) vermuten lässt, da die Zinsen auf die sinkende Restschuld berechnet werden, nicht auf die ursprüngliche Darlehenssumme.

„Rendite“

ca. 1,5 % pro Jahr

Variante 2: Anlage in ETF

Rendite vor Steuern über 20 Jahre (als Annahme)

6 % pro Jahr

Endkapital

ca. 64.100 €

Nach Abgeltungssteuer auf Gewinne

ca. 53.000 €

Gewinn

ca. 33.000 €

Variante 3: Anlage mit Festgeld

Zinsen über 20 Jahre (als Annahme)

3,5 % pro Jahr

Endkapital

ca. 39.800 €

Nach Abgeltungssteuer auf Zinsen

ca. 34.600 €

Gewinn

ca. 14.600 €

Scribble mit Glühbirne

Auch eine Kombination aus Tilgung und Anlage kann sinnvoll sein

Der große Vorteil: Mit dieser Kombination können Sie Schulden abbauen und Vermögen aufbauen. Leisten Sie zum Beispiel eine Sondertilgung von fünf Prozent pro Jahr und investieren Sie Ihr restliches Geld in einem ETF-Sparplan, um langfristig mehr aus Ihrem Geld zu machen.

3. Persönliche Situation und Einstellung beachten

Neben der Frage, was finanziell vorteilhafter für Sie ist, sollten Sie sich auch fragen, womit Sie sich wohler fühlen. Berücksichtigen Sie dazu:

Ihre finanzielle Flexibilität und Liquidität

Denn die Sache ist: Mit einer Sondertilgung ist Ihr Geld gebunden, im Notfall also nicht verfügbar. Bei Geldanlagen sind Sie meist etwas flexibler: ETFs oder Fonds können bei Bedarf zum Beispiel verkauft werden. Ist der Zeitpunkt allerdings gerade ungünstig, kann es dabei zu Verlusten kommen.

Bevor Sie Ihren Kredit tilgen oder Geld anlegen, sollten Sie daher ein finanzielles Polster aufbauen. Empfehlenswert sind drei bis sechs Monatsgehälter auf einem Tagesgeldkonto. Im Notfall oder bei einer finanziellen Schieflage sind Sie so garantiert liquide.

Ihre Risikobereitschaft

Während eine Sondertilgung risikofrei ist, sind Geldanlagen immer mit Verlustrisiken verbunden. Schließlich können Kursschwankungen Ihr Kapital temporär – und auch dauerhaft – mindern. Genauso aber auch dauerhaft steigern.

Lassen Sie daher auch Ihre persönliche Risikobereitschaft in die Entscheidung einfließen: Möchten Sie eine sichere Zinsersparnis? Oder sind Sie bereit, ein gewisses Risiko einzugehen, um Ihr Geld anzulegen?

Tipp: Bei niedrigen Zinsen und langer Kreditlaufzeit können Sie das Risiko reduzieren, indem Sie zum Beispiel eine Sondertilgung mit einer breit gestreuten ETF-Anlage kombinieren.

Den emotionalen und psychischen Einfluss

Für viele Menschen sind Schulden belastend – auch wenn sie rein mathematisch sinnvoll sein können. Schuldenfreiheit kann daher emotional gesehen einen hohen Wert für Sie haben.

Berücksichtigen Sie bei Ihrer Entscheidung also zuletzt auch den psychischen Einfluss: Möchten Sie schnell schuldenfrei sein? Oder möchten Sie das Renditepotenzial ausschöpfen und sind dafür bereit, vorerst weiterhin Schulden zu haben?

Machen Sie mehr aus Ihrem Geld

Nutzen Sie Ihre Renditechancen und bauen Sie mit der Sparkasse KölnBonn Schritt für Schritt Vermögen auf – vielleicht auch in Kombination mit einer Sondertilgung. Wir beraten Sie gern.

Fazit: Es kommt drauf an

Ob es besser ist, Ihren Kredit frühzeitig zurückzuzahlen oder Ihr Geld anzulegen, lässt sich nicht pauschal beantworten. Denn es kommt immer auf Ihre individuelle Situation an.
Bei hohen Kreditzinsen ist eine Sondertilgung oft sinnvoller, bei niedrigen Zinsen kann Geldanlage attraktiver sein. Neben der reinen Renditebetrachtung spielen aber auch die Kreditart, Ihr Sicherheitsbedürfnis, Ihre Risikobereitschaft und der emotionale Wert von Schuldenfreiheit eine wichtige Rolle.
In vielen Fällen lohnt sich auch eine Kombination aus Tilgen und Anlegen. Denn auf diese Weise können Sie Ihre Schulden schneller abbauen und gleichzeitig Vermögen aufbauen.

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