So entwickeln Sie Ihre persönliche Anlagestrategie
Schritt 1: Definieren Sie Ihre Anlageziele
Die Frage ist: Was möchten Sie mit Ihrem Investment erreichen? Typische Ziele sind die Altersvorsorge, der Aufbau von Eigenkapital für eine Immobilie, Rücklagen für Kinder oder ganz allgemein Ihre finanzielle Unabhängigkeit.
Bei der Definition Ihrer Anlageziele gilt: Je konkreter Sie Ihr Ziel formulieren, desto besser. Denn so können Sie Ihre Strategie gezielt darauf ausrichten. Statt „Ich möchte mehr Geld haben“ sollte Ihr Ziel lauten: „Ich möchte in 15 Jahren 50.000 Euro Eigenkapital für eine Immobilie ansparen“ oder „Ich möchte meine gesetzliche Rente um 500 Euro monatlich aufstocken“.
Schritt 2: Legen Sie Ihren Anlagehorizont fest
Ihr Anlagehorizont ist die Zeitspanne, über die Sie Ihr Geld anlegen können, ohne darauf zurückzugreifen. Generell unterscheidet man dabei zwischen:
- kurzfristig (unter 5 Jahren),
- mittelfristig (5 bis 10 Jahre) und
- langfristig (über 10 Jahre).
Diese Zeitspanne beeinflusst, welche Anlageprodukte sinnvoll sind. Als Faustregel gilt: Je länger Ihr Anlagehorizont ist, desto mehr Risiko können Sie eingehen. Denn mit einem langen Anlagezeitraum haben Sie genug Zeit, Verlustphasen auszusitzen und von langfristigen Wertsteigerungen zu profitieren.
Benötigen Sie Ihr Geld also zum Beispiel in drei Jahren für ein neues Auto, sollten Sie eher auf Festgeld oder Tagesgeld und eben nicht auf volatile Aktien setzen. Haben Sie hingegen 20 bis 30 Jahre Zeit, können Sie Kursschwankungen aushalten und so von den langfristig höheren Renditechancen am Aktienmarkt profitieren.
Kleiner Tipp: Es kann sich außerdem lohnen, nicht nur Ihr Hauptziel, sondern auch Zwischenziele sowie mögliche Lebensphasen einfließen zu lassen. Möchten Sie zum Beispiel für Ihre eigene Hochzeit sparen und dafür Geld anlegen? Oder Geld für Ihre Kinder investieren, damit sie zum 18. Lebensjahr ein wenig Startkapital fürs Erwachsenenleben haben? Definieren Sie nicht einfach nur das große Ganze, sondern denken Sie auch in kleinen Schritten.
Schritt 3: Analysieren Sie Ihre finanzielle Situation
Bauen Sie einen Notgroschen auf, bevor Sie Ihr Geld an der Börse anlegen. Im Idealfall haben Sie drei bis sechs Monatsgehälter auf einem Tagesgeldkonto angespart. Mit diesem Puffer können Sie unerwartete Ausgaben bezahlen – ohne Ihre Geldanlage eventuell mit Verlust verkaufen zu müssen.
Wenn Sie einen Notgroschen zur Seite gelegt haben, berechnen Sie, wie viel Geld Ihnen monatlich zur Geldanlage zur Verfügung steht. Am einfachsten geht das mit einem Haushaltsrechner.
Ein solcher Rechner macht Ihre Einnahmen und Ausgaben transparent und zeigt, wie viel am Ende des Monats übrig ist, also wie viel Sie letztlich investieren können.
Schritt 4: Bestimmen Sie Ihr Risikoprofil
Ihr Risikoprofil hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu gehören:
- Ihr Alter: Je jünger Sie sind, desto länger können Sie Ihr Geld anlegen. Und das bedeutet: Sie können eher auf risikoreiche Anlagen setzen, weil sie Kursschwankungen abwarten können. Andererseits setzen Sie kurz vor der Rente lieber auf risikoarme Anlagen, bei denen das Geld kurzfristig verfügbar ist.
- Ihre Einkommenssituation: Wer ein stabiles Einkommen hat, also mehr Geld anlegen kann, ist oft risikobereiter und investiert auch in volatile Anlageprodukte.
- Ihre persönliche Risikobereitschaft: Also die Frage danach, wie viel Risiko Sie eingehen wollen. Seien Sie dabei möglichst ehrlich mit sich selbst: Können Sie Kursschwankungen oder ein Verlustrisiko in Ruhe aushalten? Oder machen Sie solche Veränderungen nervös?
- Ihre Risikokapazität: Das ist die Frage danach, wie viel Risiko Sie auf Basis Ihrer Lebenssituation wirklich eingehen können.
Ihr Risikoprofil ist also eine Mischung aus all diesen Faktoren. In der Theorie gibt es verschiedene Ausprägungen. In der Praxis unterscheidet man jedoch grob drei Anlegertypen:
- Die konservative Anlegerin bzw. der konservative Anleger legt großen Wert auf Sicherheit und akzeptiert dafür niedrigere Renditen. Er oder sie investiert überwiegend in sichere Anlageformen wie Tagesgeld, Festgeld oder Anleihen mit guter Bonität.
- Die ausgewogene Anlegerin bzw. der ausgewogene Anleger setzt auf eine Mischung aus Sicherheit und Renditechancen, zum Beispiel auf ein Portfolio mit 50 bis 60 Prozent Aktien und 40 bis 50 Prozent Anleihen.
- Die dynamische Anlegerin bzw. der dynamische Anleger ist bereit, für höhere Renditechancen auch höhere Risiken einzugehen und investiert bis zu 80 oder 100 Prozent in Aktien oder Aktienfonds.