
Was ist Volatilität? Und was bedeutet sie für meine Geldanlage?
Wenn die Kurse schwanken, kann das beunruhigen. Doch Volatilität ist nicht automatisch schlecht. Sie kann auch Chancen bieten – für erfahrene Anlegerinnen und Einsteiger.


Wenn die Kurse schwanken, kann das beunruhigen. Doch Volatilität ist nicht automatisch schlecht. Sie kann auch Chancen bieten – für erfahrene Anlegerinnen und Einsteiger.

Volatilität beschreibt, wie stark Kurse schwanken. Sie bedeutet nicht dasselbe wie Verlust.
Kursschwankungen sind grundsätzlich normal. Bei Aktien können sie zum Beispiel entstehen, weil Anlegerinnen und Anleger zum Beispiel auf Nachrichten oder unternehmensbezogene Ereignisse reagieren. Bei Rentenpapieren können äußere Einflüsse (z. B. fallende Zinsen) zu Schwankungen führen.
Ob eine Volatilität als niedrig oder hoch gilt, hängt von Anlageklasse, Marktumfeld und Zeitraum ab.
Eine hohe Volatilität bedeutet größere Kursschwankungen, aber oft auch höhere Renditechancen.
Wer das Geld langfristig anlegt, bei Kursschwankungen Ruhe bewahrt und über einen Sparplan investiert, kann auch von volatilen Anlagen profitieren.
Volatilität beschreibt einfach gesagt, wie stark der Kurs eines Wertpapiers – zum Beispiel einer Aktie, eines ETFs oder einer Anleihe – über einen bestimmten Zeitraum schwankt. Je stärker die Ausschläge nach oben oder unten, desto höher die Volatilität.
Volatilität kann rückblickend oder vorausschauend angegeben werden. Die historische Volatilität zeigt, wie stark ein Kurs in der Vergangenheit geschwankt hat. Die implizite Volatilität spiegelt wider, welche künftigen Schwankungen der Markt derzeit erwartet.
Der Kurs – also der Preis, zu dem ein Wertpapier am Markt gehandelt wird – entsteht durch Angebot und Nachfrage. Wenn viele Anlegerinnen und Anleger eine Aktie kaufen wollen, steigt der Kurs. Wenn viele eine bestimmte Aktie verkaufen, fällt er. Ändert sich das Verhältnis aus Angebot und Nachfrage, kann es also zu Schwankungen kommen.
Dass Bewegung auf dem Markt ist – Anlegerinnen und Anleger also eher kaufen oder verkaufen – hat verschiedene Gründe:
Wenn Regierungen Gesetze ändern, neue Umwelt- oder Sozialstandards einführen, Kriege ausbrechen oder enden, kann das den Kurs beeinflussen. Denn solche Ereignisse beeinflussen, wie Anlegerinnen und Anleger die Zukunft einschätzen, also ob sie Gewinne oder Verluste erwarten.
Mit dem Kauf einer Aktie werden Anlegerinnen zu Miteigentümern eines Unternehmens. Sie haben also Interesse daran, dass das Unternehmen sich positiv entwickelt – und damit ihre Dividenden steigen. Wenn diese Unternehmen nun Quartalszahlen veröffentlichen, Managementwechsel bekanntgeben oder Innovationen vorstellen, kann das dazu führen, dass die Kurse schwanken, weil Anlegerinnen ihre Aktien verkaufen oder mehr Anleger Interesse an einer Aktie haben.
Makroökonomische Daten wie Inflation, Wirtschaftswachstum oder Arbeitsmarktberichte können die Kurse beeinflussen. Steigt etwa die Inflation, rechnen Märkte häufig mit höheren Zinsen. Das kann insbesondere Aktien und Anleihen belasten. Die Wirkung hängt jedoch von der jeweiligen Marktlage ab.
Die Volatilität hängt eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung und der Stimmung an den Finanzmärkten zusammen. In wirtschaftlichen Aufschwungphasen (sog. Bullenmärkten) sind die Kurse häufig stabiler und die Volatilität niedriger. In Rezessionen (sog. Bärenmärkten) steigt dagegen oft die Unsicherheit. Schlechtere Unternehmenszahlen, zurückhaltende Investitionen und eine pessimistischere Markterwartung führen dazu, dass Kurse stärker schwanken und die Volatilität zunimmt.
Bei schlechten Nachrichten verkaufen mehr Anlegerinnen und Anleger ihre Wertpapiere, weil sie befürchten, dass die Kurse weiter sinken. Bei steigenden Kursen zeigt sich oft das Gegenteil: Mehr Anlegerinnen und Anleger kaufen – auch aufgrund der Herdendynamik.
Volatilität wird statistisch meist als Standardabweichung der Renditen beziehungsweise Kursveränderungen gemessen und häufig auf ein Jahr hochgerechnet angegeben. Es wird also berechnet, wie stark die Kursveränderungen vom Durchschnittswert pro Jahr abweichen. Je größer diese Abweichungen, desto höher die Volatilität. Vereinfacht gesagt zeigt die Volatilität, wie stark die prozentualen Kursbewegungen eines Wertpapiers um ihren Durchschnitt schwanken. Je größer diese Ausschläge, desto höher die Volatilität.
Ein simples Beispiel: Eine Aktie kostet über ein Jahr im Durchschnitt 100 Euro. Mal steht sie bei 98 Euro, mal bei 103 Euro, mal bei 95 Euro. Die Standardabweichung – also die durchschnittliche Abweichung vom Durchschnittswert – beträgt in diesem Fall etwa 3 Euro.
Das Gute: Die meisten Banken, Depotanbieter und Finanzportale zeigen die Volatilität für das jeweilige Wertpapier an. Sie müssen sie also nicht selbst berechnen.
Ob eine Volatilität als niedrig oder hoch gilt, hängt von Anlageklasse, Marktumfeld und Zeitraum ab. Als grobe Orientierung gelten bei Aktien oft Werte im niedrigen zweistelligen Bereich als moderat, deutlich höhere Werte als eher hoch.
| Volatilitätsklasse | Orientierungswert p. a. | Typische Beispiele |
|---|---|---|
Niedrig | 0 – 5 % | Geldmarkt, Tagesgeld, kurzfristige Staatsanleihen, sehr defensive Rentenfonds |
Mittel | 5 – 10 % | Staatsanleihen mittlerer/längerer Laufzeit, Investment-Grade-Unternehmensanleihen, defensive Mischfonds |
Hoch | 10 – 20 % | Aktien Industrieländer, Gold, REITs, ausgewogene bis offene Mischfonds |
Sehr hoch | Über 20 % | Aktien Schwellenländer, breite Rohstoffindizes, spezialisierte Themenaktien, Kryptowährungen |

Der VIX-Index ist auch als „Angstbarometer“ bekannt. Er misst die erwartete Volatilität des US-Aktienmarkts über die nächsten 30 Tage. Werte unter 15 gelten als niedrig. Der Markt ist also ruhig. Werte über 30 signalisieren dagegen eine hohe Unsicherheit und Nervosität. In der Corona-Krise 2020 stieg der VIX auf einen Extremwert über 80.
Eine hohe Volatilität ist nicht dasselbe wie Verlust. Denn die Kurse können sich über die Zeit wieder einpendeln. Langfristige Anlegerinnen und Anleger können selbst bei schweren Finanzkrisen Gewinne machen, Gewinne sind jedoch nicht garantiert. Der DAX ist beispielsweise in den letzten 30 Jahren im Durchschnitt um 8 Prozent pro Jahr gestiegen, trotz einiger schwerer Krisen (z. B. der Finanzkrise 2008 oder der Corona-Pandemie 2020). Solange Sie das Wertpapier also nicht verkaufen, bestehen die Kursverluste nur auf dem Papier. Ob sich der Kurs später erholt, ist jedoch ungewiss.
Im Gegenteil kann eine hohe Volatilität auch höhere Renditechancen und die Chance auf günstige Einstiegspreise mit sich bringen: Aktien mit starken Schwankungen bieten zum Beispiel oft höhere Renditechancen – vor allem wenn Sie das Wertpapier günstig kaufen. Um die Gewinne zu realisieren, brauchen Anlegerinnen und Anleger in der Regel allerdings nicht nur ein gutes Timing, sondern auch Geduld und starke Nerven.
Eine hohe Volatilität gibt also nicht an, ob ein Wertpapier langfristig steigen oder fallen wird, sondern nur, wie stark es über die Zeit schwankt.
Ein Beispiel: Aktie A kostet am Montag 100 Euro, am Dienstag 102 Euro, am Mittwoch 101 Euro. Man würde hier von geringen Schwankungen, also einer geringen Volatilität, sprechen. Aktie B hingegen kostet am Montag 100 Euro, am Dienstag 90 Euro, am Mittwoch 110 Euro. Hier würde man von hohen Schwankungen sprechen, also einer hohen Volatilität. Aktie B ist damit nicht unbedingt schlechter als Aktie A, weist jedoch ein höheres Schwankungsrisiko auf, weil ihre Kursausschläge deutlich stärker sind.
Auch wenn eine hohe Volatilität nicht per se schlecht ist, kann sie vor allem für Einsteigerinnen und Einsteiger herausfordernd sein. Doch wer folgende Insights kennt, kann sich vor Impulsverkäufen schützen – und langfristig profitieren:
Verlustangst wiegt schwerer als Gewinnfreude: Psychologisch schmerzt ein Verlust von 100 Euro stärker, als ein Gewinn von 100 Euro freut. Bei fallenden Kursen wächst deshalb oft die Angst, alles zu verlieren – selbst wenn das Depot langfristig im Plus liegt. Versuchen Sie daher Ruhe zu bewahren und langfristig zu denken.
Wer in größeren Abständen das Depot checkt, sieht oft ein Plus: Kurse können über Wochen oder Monate stark schwanken. Über Jahre gleichen sich die Schwankungen aber meist aus. Wenn Sie Ihr Depot täglich checken, sehen Sie viele Minus-Tage. Wenn Sie hingegen ein Jahr betrachten, sehen Sie oft ein Plus. Ein regelmäßiger Depotcheck ist zwar wichtig, ständiges Reinsehen kann allerdings unnötig stressen.
Schwankungen sind normal: Kursschwankungen sind grundsätzlich keine Seltenheit und sogar ein Zeichen dafür, dass der Markt „lebt“. Was für erfahrene Anlegerinnen klar ist, macht neue Anleger oft nervös.
Medien verstärken Panik: Schlagzeilen wie „Aktienmärkte im freien Fall!“ erzeugen Druck und Panik. Auch hier gilt: Ruhe bewahren und die Kurse (langfristig) weiterverfolgen. Denn gute Nachrichten stehen seltener in den Schlagzeilen als schlechte.
Impulsverkäufe sind selten eine gute Idee: Überhastete Entscheidungen in turbulenten Marktphasen können nachteilig sein. Bevor Sie verkaufen, machen Sie sich klar: Die Verluste stehen aktuell nur auf dem Papier.
Ein Einstieg bei steigenden Kursen ist nicht immer gut: Denn überhastete Käufe bei steigenden Kursen führen oft dazu, dass Sie das Wertpapier zu einem Höchstpreis kaufen.
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Wer gerade einsteigt, kann sich also schon anhand der Anlage für oder gegen eine hohe Volatilität entscheiden:
Eine hohe Volatilität ist nicht unbedingt schlecht – und damit kein Grund zur Panik. Ganz im Gegenteil kann eine hohe Volatilität sogar höhere Renditen und günstigere Einstiegspreise ermöglichen.
Gerade für Einsteigerinnen und Einsteiger ist es wichtig, während der Kursschwankungen Ruhe zu bewahren. Denn übereilte Verkäufe oder Käufe sind selten sinnvoll. Für viele Anlegerinnen und Anleger ist daher ein Sparplan eine gute Möglichkeit, regelmäßig und diszipliniert zu investieren.
