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Thesaurierend oder ausschüttend: Welcher Fonds passt zu mir?

Welcher Fonds besser zu Ihnen passt, hängt vor allem von Ihrem Anlageziel, Ihrer Lebenssituation und Ihrem Zeithorizont ab. Denn sowohl thesaurierende als auch ausschüttende Fonds haben Vorteile.

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Person taucht wieder ins Wasser ein

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei ausschüttenden Fonds werden die Erträge (z. B. Zinsen) ausgezahlt. Sie erhalten Ihr Geld also direkt auf Ihr Konto.

  • Bei thesaurierenden Fonds werden die Erträge automatisch wieder angelegt. Sie erhalten erst eine Auszahlung, wenn Sie Ihren Fonds verkaufen.

  • Für den langfristigen Vermögensaufbau sind thesaurierende Fonds durch den Zinseszinseffekt oft sinnvoller. Ausschüttende Fonds können dagegen eine gute Wahl sein, wenn Sie sich immer mal wieder Ausschüttungen wünschen, wobei nicht garantiert ist, dass der Wert des jeweiligen Fonds steigt.

  • Es ist auch möglich, beide Anlagevarianten zu kombinieren: thesaurierend für den Vermögensaufbau und ausschüttend für gelegentliche Auszahlungen.

  • Bei beiden Varianten sind die Erträge steuerpflichtig. Der Unterschied liegt nur im Zeitpunkt der Besteuerung.

Ausschüttende Fonds vs. thesaurierende Fonds

Unterschied 1: Umgang mit Erträgen

Der größte Unterschied zwischen ausschüttenden und thesaurierenden Fonds ist, was mit dem Geld passiert, das Sie erwirtschaften: Bei ausschüttenden Fonds werden Ihre Erträge tatsächlich auch ausgeschüttet. Sie erhalten das Geld (z. B. Zinsen oder Dividenden) also direkt auf Ihr Konto. Bei thesaurierenden Fonds bleiben die Erträge im Fonds. Sie werden also automatisch reinvestiert.

Ein einfaches Beispiel: Angenommen, Ihr Fonds erwirtschaftet in einem Jahr Erträge von 400 Euro, zum Beispiel durch Dividenden von enthaltenen Aktien oder Zinsen von Anleihen.

Symbol für Bezahlung oder Tickets

Bei einem ausschüttenden Fonds

Die 400 Euro (abzüglich Steuern, dazu später mehr) landen auf Ihrem Konto. Sie können damit also machen, was Sie möchten – ausgeben, sparen oder es wieder anlegen.

Symbol für Münzen

Bei einem thesaurierenden Fonds

Die 400 Euro bleiben im Fonds und werden automatisch reinvestiert, wodurch der Wert Ihres Fondsanteils steigt.

Unterschied 2: Transaktionskosten

Bei thesaurierenden Fonds übernimmt der Fonds die Wiederanlage automatisch, meist ohne zusätzliche Kosten für Sie.

Bei ausschüttenden Fonds können je nach Broker zusätzliche Kosten anfallen, wenn Sie die erhaltenen Ausschüttungen manuell anlegen (z. B. in einen anderen Fonds). Wer häufig kleine Beträge manuell reinvestiert, sollte diese Gebühren im Blick behalten. Denn sie können die Rendite deutlich schmälern.

Unterschied 3: Steuern

Beide Fondstypen sind steuerpflichtig, aber zu unterschiedlichen Zeitpunkten: Bei ausschüttenden Fonds fällt die Kapitalertragsteuer sofort auf jede Ausschüttung an. Das sind 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer. Das bedeutet auch: Der Betrag, den Sie wieder anlegen oder beiseitelegen, wird kleiner.

Bei thesaurierenden Fonds greift seit 2018 die sogenannte Vorabpauschale: Auch wenn keine Ausschüttung erfolgt, wird jährlich ein fiktiver Mindestbetrag besteuert. In der Regel ist dieser Betrag allerdings deutlich geringer als die tatsächliche Steuerlast. Beim Verkauf muss deshalb noch die nicht versteuerte Wertsteigerung (nach Abzug der Vorabpauschale) besteuert werden. Bei thesaurierenden Fonds bleibt also mehr Kapital über einen längeren Zeitraum im Fonds und kann weiterwachsen. Das ist steuerlich gesehen oft vorteilhaft.

Warum die Thesaurierung langfristig gesehen oft sinnvoller ist

Der Grund ist vor allem der Zinseszinseffekt: Wenn Erträge direkt wieder angelegt werden, erwirtschaften sie selbst wieder Erträge.

Ein vereinfachtes Beispiel zeigt, wie stark der Zinseszinseffekt wirken kann: Angenommen, Sie investieren 10.000 Euro in einen Fonds mit einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 6 Prozent. Der Fonds entwickelt sich positiv.

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Bei einem ausschüttenden Fonds

Wenn sich die Fonds ideal entwickeln, würden Sie jedes Jahr rund 600 Euro erhalten. Der investierte Ausgangsbetrag würde bei 10.000 Euro bleiben. Nach 20 Jahren hätten Sie insgesamt 12.000 Euro an Ausschüttungen erhalten.

Symbol für Münzen

Bei einem thesaurierenden Fonds

Die 600 Euro würden jedes Jahr reinvestiert (wenn sich der Fonds ideal entwickelt). Ihr Kapital würde damit auf rund 32.071 Euro nach 20 Jahren wachsen. Das wäre ein Plus von 22.071 Euro. Durch den Zinseszinseffekt würden Sie unterm Strich also deutlich mehr erwirtschaften.

Scribble einer Glühbirne

Der Wert eines Fonds kann steigen – aber auch fallen

Fonds können sich in der Praxis sowohl positiv als auch negativ entwickeln. Ausschüttungen und positive Zinseszinseffekte sind also nie garantiert. Und auch Ihr eingesetztes Kapital kann sinken, wenn sich der Fonds negativ entwickelt.

Wann Ausschüttungen trotzdem sinnvoll sind

Trotz des Wiederanlageeffekts können ausschüttende Fonds in bestimmten Lebenssituationen sogar die bessere Wahl sein:

  • Sie wünschen sich regelmäßige Ausschüttungen: Möchten Sie zum Beispiel im Ruhestand oder einfach nebenbei regelmäßig Geld aus Ihren Investments beziehen, können Sie von automatischen Ausschüttungen profitieren, ohne Ihre Anteile verkaufen zu müssen. Bitte beachten Sie: Ausschüttungen sind nie garantiert.
  • Sie möchten flexibel bleiben: Mit ausschüttenden Fonds können Sie selbst entscheiden, was mit Ihren Erträgen passiert. Sie können sie ausgeben, investieren oder auch sparen.
  • Sie möchten den Sparerpauschbetrag ausnutzen: In Deutschland sind Kapitalerträge bis zu 1.000 Euro pro Jahr (2.000 Euro für Verheiratete) Dahinter steckt der sogenannte Sparerpauschbetrag. Bleiben Sie mit Ihren jährlichen Kapitalerträgen unterhalb des Freibetrags, können Sie Erträge durch Ausschüttungen steuerfrei realisieren.

Welche Anlageform passt zu Ihnen?

Das kommt auf Ihre Ziele und Ihre Lebenssituation an.

Thesaurierende Fonds sind eher geeignet für:

  • Junge Anlegerinnen und Anleger, die Vermögen aufbauen möchten: Denn genau dann profitieren Sie am stärksten vom Zinseszinseffekt.
  • Anlegerinnen und Anleger, die keine laufenden Einnahmen aus dem Depot benötigen: Denn genau dann lassen Sie Ihre möglichen Erträge besser im Fonds arbeiten. So können Sie Schritt für Schritt Kapital aufbauen. Der große Vorteil: Sie haben keinen manuellen Aufwand. Das Geld wird automatisch reinvestiert.
  • Anlegerinnen und Anleger, die steuerlich profitieren möchten: Mit thesaurierenden Fonds können Sie von der sogenannten Steuerstundung profitieren, weil Erträge in voller Höhe (unversteuert) reinvestiert werden.

Ausschüttende Fonds sind eher geeignet für:

  • Anlegerinnen und Anleger, die sich regelmäßige Ausschüttungen wünschen: Wer sich regelmäßige Auszahlungen wünscht, ohne Anteile verkaufen zu müssen, kann von ausschüttenden Fonds profitieren. Viele Anlegerinnen und Anleger wünschen sich das im Ruhestand oder kurz davor.
  • Anlegerinnen und Anleger, die den Sparerpauschbetrag ausschöpfen möchten: Jährliche Kapitalerträge bis 1.000 Euro sind in Deutschland steuerfrei. Wer diesen Freibetrag nicht überschreitet, kann die Erträge steuerfrei realisieren.
  • Anlegerinnen und Anleger, die die Kontrolle über ihre Erträge behalten wollen: Bei ausschüttenden Fonds können Sie selbst entscheiden, wofür Sie die Erträge nutzen – für andere Investments, laufende Kosten oder als finanzieller Puffer.

Beide Fondsvarianten lassen sich auch kombinieren

Für viele Anlegerinnen und Anleger ist die Kombination beider Varianten die sinnvollste Lösung. Denn mit ihr wird Vermögen aufgebaut und die Flexibilität bleibt bestehen. Eine gängige Anlagestrategie ist zum Beispiel:

  • Thesaurierender ETF als Kern: Der größte Teil des Portfolios läuft als thesaurierender Fonds für den langfristigen Vermögensaufbau.
  • Ausschüttender Fonds als Ergänzung: Ein kleinerer Anteil wird in ausschüttende Fonds investiert und generiert (im besten Fall) jährliche Einnahmen. So können Sie zum Beispiel den Sparerpauschbetrag ausschöpfen oder einfach einen finanziellen Puffer aufbauen, ohne Anteile zu verkaufen.
Scribble einer Glühbirne

Noch unsicher, welche Variante zu Ihnen passt? Diese 3 Fragen helfen bei der Antwort

Frage 1: Wünschen Sie sich die Möglichkeit jährlicher Auszahlungen aus Ihrer Geldanlage?
Bei Ja: Ausschüttend
Bei Nein: Thesaurierend

Frage 2: Wie lang ist Ihr Anlagehorizont?
Unter 5 Jahre: Ausschüttend
Über 10 Jahre: Thesaurierend

Frage 3: Schöpfen Sie Ihren Sparerpauschbetrag (1.000 Euro pro Jahr) bereits aus?
Bei Ja: Thesaurierend
Bei Nein: Ausschüttend

Alle Vorteile und Nachteile im Überblick

Thesaurierende Fonds

VorteileNachteile
  • Automatischer Zinseszinseffekt, damit ideal für einen langfristigen Vermögensaufbau
  • Kein manueller Aufwand für die Wiederanlage
  • Mehr Kapital bleibt länger im Fonds, weil die tatsächlichen Steuern erst beim Verkauf fällig werden
  • Keine laufenden Einnahmen
  • Vorabpauschale kann zu Steuerbelastung führen
  • Ohne Verkauf kein direkter Zugriff auf Erträge

Ausschüttende Fonds

VorteileNachteile
  • Sofern sich der Fonds positiv entwickelt: jährliche Ausschüttung (manchmal auch mehrmals im Jahr)
  • Flexibilität bei der Verwendung der Erträge
  • Nutzung des Sparerpauschbetrags möglich
  • Sofortige Besteuerung der Ausschüttungen
  • Weniger Kapital bleibt im Fonds
  • Manuelle Wiederanlage für vergleichbaren Zinseszinseffekt nötig

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Fazit: Beide Varianten haben ihre Vorteile – entscheidend ist Ihre Lebenssituation

Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte und zum jetzigen Zeitpunkt keine Auszahlungen aus dem Depot braucht, fährt mit einem thesaurierenden Fonds in der Regel besser. Wer Flexibilität, die Chance auf regelmäßige Auszahlungen oder die gezielte Nutzung des Sparerpauschbetrags im Blick hat, kann von ausschüttenden Fonds profitieren. Und wer beides will, kombiniert einfach – denn die beiden Typen schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich.

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