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Was sind Zertifikate? Und für wen sind sie eine sinnvolle Geldanlage?

Zertifikate sind strukturierte Wertpapiere, die in vielen Varianten angeboten werden. Anlegerinnen und Anleger, die die Besonderheiten dieser Papiere kennen und bereit sind, die Kursrisiken zu tragen, können damit in jeder Marktlage Chancen nutzen, insbesondere auch in seitwärts laufenden oder leicht fallenden Märkten.

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Frau vor dem PC hat in Zertifikate investiert

Das Wichtigste in Kürze

  • Zertifikate sind strukturierte Wertpapiere, deren Wertentwicklung von einem Basiswert abhängt (z. B. Aktie, Index, Rohstoff).

  • Sie ermöglichen es Anlegerinnen und Anlegern von verschiedenen Börsensituationen zu profitieren – auch bei stagnierenden oder fallenden Kursen.

  • Es gibt eine große Auswahl an Basiswerten und Zertifikaten, die das Portfolio diversifizieren und Kapital vor Verlusten schützen können.

  • Flexibilität: Zertifikate können mit unterschiedlichen Chance-/Risikoprofilen gestaltet werden – von defensiv bis spekulativ.

  • Zertifikate sind eine komplexe Anlageform, insbesondere spekulative Varianten können mit hohem Risiko (z. B. Totalverlust) verbunden sein.

  • Daher sind sie vor allem für erfahrene Anlegerinnen und Anleger geeignet, die sich mit den Produkten auskennen.

  • Zertifikate müssen in einem Depot verwahrt werden, das bei Banken oder Sparkassen eröffnet werden kann.

  • Zertifikate können an der Börse oder direkt bei den Emittenten gekauft werden.

Zertifikate einfach erklärt

Rein rechtlich handelt es sich bei Zertifikaten um eine Schuldverschreibung, also eine Kreditaufnahme von demjenigen, der sie herausgibt. Meist ist das eine Bank oder ein Wertpapierhaus. Anders als bei einer klassischen Anleihe, bei der regelmäßig Zinsen gezahlt werden und am Ende das investierte Kapital zurückkommt, funktioniert ein Zertifikat anders. Die Zahlungen, die Anlegerinnen und Anleger erhalten, hängen von der Entwicklung eines bestimmten Werts ab, wie zum Beispiel einer Aktie, einem Index oder einem Rohstoff. Anlegerinnen und Anleger investieren durch Zertifikate also indirekt in diese Werte. Das bedeutet: Sie können nicht nur von steigenden, sondern auch von fallenden oder stagnierenden Kursen profitieren, je nach Art des Zertifikats.

Zertifikate sind auch als strukturierte Wertpapiere bekannt, weil sie verschiedene Finanzprodukte miteinander kombinieren. Das sind in der Regel Derivate, also spezielle Finanzinstrumente, die sich auf den Basiswert beziehen. Wie diese Derivate miteinander kombiniert werden, entscheidet über das Risiko und die Chancen eines Zertifikats – von eher sicheren bis hin zu risikoreicheren Varianten.

Die wichtigsten Begriffe vorab

Barriere oder Schwelle

Bestimmter, mit der Emission festgelegter Kurs, den der Basiswert nicht über- oder unterschreiten darf, bei manchen Zertifikatekonstruktionen aber auch muss, um eine Auszahlung auszulösen, in anderen Fällen, um eine Schutzfunktion zu aktivieren.

Basiswert

Der Vermögenswert, auf dessen Wertentwicklung sich das Zertifikat bezieht. Dies kann zum Beispiel eine Aktie, ein Aktienindex wie etwa der DAX, ein Rohstoff wie Gold, eine Währung oder eine Anleihe sein.

Cap

Bezeichnung für eine Obergrenze beziehungsweise einen Höchstbetrag, der am Ende der Laufzeit ausgezahlt wird. Dieser Cap entspricht dem potenziell maximal erzielbaren Gewinn – etwa beim Bonus- oder Discount-Zertifikat.

Emittent

Die Bank oder das Finanzhaus, das das Zertifikat herausgibt und damit in der Regel auch der Schuldner ist, der für das Zahlungsversprechen des Zertifikats einsteht.

Emittentenrisiko

Risiko, dass der Emittent zahlungsunfähig wird und seinen Zahlungsverpflichtungen aus dem Zertifikat nicht mehr vollständig oder nur teilweise nachkommen kann. Bei einer Insolvenz des Emittenten droht mit hoher Wahrscheinlichkeit der Totalverlust der Anlage.

Knock-Out

Kursereignis beziehungsweise Kursschwelle beim Basiswert, deren Berühren dazu führt, dass das Zertifikat automatisch und unmittelbar wertlos verfällt. Für die Inhaber des Papiers bedeutet das den Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

Kupon

Bei einer Anleihe der Wertpapierabschnitt, der die laufende Zinszahlung verbrieft. Bei einem Zertifikat die Vereinbarung einer regelmäßigen Zinszahlung – meist jährlich –, die der Emittent an den Inhaber leisten muss. Die Höhe des Kupons wird bei der Emission festgelegt. Sie kann fest oder variabel sein – abhängig von der Art des Zertifikats.

Kurs

Der aktuelle Preis, zu dem das Zertifikat an der Börse gehandelt wird. Der Kurs wird einerseits durch Angebot und Nachfrage, andererseits aber maßgeblich von der Kursentwicklung des Basiswerts bestimmt und der Art und Weise, wie das Zertifikat daran partizipiert.

Welche Chancen und Risiken bieten Zertifikate als Geldanlage?

Chancen

Zertifikate sind wegen ihrer Flexibilität und großen Vielfalt aus der Finanzwelt nicht mehr wegzudenken. Das breite Angebot an unterschiedlichen Basiswerten und Zertifikatevarianten sollten Anlegerinnen und Anleger für sich nutzen:

  • Das Portfolio diversifizieren: Zertifikate ermöglichen Ihnen den Zugang zu verschiedenen Basiswerten. Sie können sie einsetzen, um Ihr Portfolio breiter zu streuen und damit besser zu diversifizieren.
  • Zugang zu speziellen Märkten bekommen: Zertifikate ermöglichen Ihnen den Zugang zu Anlageklassen und Basiswerten, die direkt für Sie als Privatanlegerin oder -anleger nur schwer zugänglich wären – zum Beispiel bestimmte Rohstoffe.
  • Flexibel agieren und potenziell Erträge in jeder Marktphase erzielen: Es gibt ein großes Spektrum von Zertifikatetypen mit unterschiedlichen Rendite-/Risikoprofilen. Dadurch haben Sie die Möglichkeit, in Papiere zu investieren, die auf Ihre individuellen Bedürfnisse und Markterwartungen zugeschnitten sind – und auch dann Geld zu verdienen, wenn die Kurse seitwärts laufen oder leicht abwärts tendieren.
  • Positionen absichern: Zertifikate können Sie nutzen, um damit eine bestehende Position im Portfolio abzusichern, in der Fachsprache auch hedgen genannt, oder auch das gesamte Portfolio vor Marktverlusten zu schützen.
  • Das Kapital schützen: Bestimmte Zertifikatetypen wie etwa Garantie-Zertifikate sehen die Rückzahlung des eingesetzten Kapitals selbst dann vor, wenn der Basiswert bis zum Ende der Laufzeit an Wert verloren haben sollte. Voraussetzung ist: Der Emittent bleibt zahlungsfähig.

Risiken

Jede Geldanlage ist mit einem bestimmten Risiko verbunden. Zertifikate machen da keine Ausnahme. Auf welche Besonderheiten Sie achten sollten:

  • Komplexität: Zertifikate sind strukturierte Finanzprodukte, die mitunter aus einer Vielzahl von einzelnen Termin- und Optionsgeschäften zusammengebaut werden. Funktionsweise, Renditechancen und Risiken von Zertifikaten sind dadurch häufig nur schwer zu durchschauen. Insbesondere wenn Sie Börseneinsteigerin oder -einsteiger sind, sollten Sie auf leichter verständlichere Anlageformen wie etwa Investmentfonds oder ETFs
  • Emittentenrisiko: Zertifikate sind rechtlich gesehen Inhaberschuldverschreibungen. Gerät der Herausgeber (Emittent) in finanzielle Schwierigkeiten oder rutscht er gar in die Insolvenz, droht Ihnen der Totalverlust des in das Zertifikat investierten Kapitals. Wichtig zu wissen: Anders als etwa bei Bankkonten gibt es bei Zertifikaten keine Einlagensicherung, die bei einer Pleite der Bank einspringt.
  • Marktrisiko: Die Vielzahl an Basiswerten und möglichen Marktszenarien, auf die man mit Zertifikaten setzen kann, bedeutet auch: Es besteht das Risiko, in ein Wertpapier zu investieren, dessen Kursentwicklung anders verläuft als erwartet. Dann entstehen häufig Verluste.
  • Intransparenz: Komplexe Strukturen bedeuten in der Folge auch: Bei Zertifikaten kommen viele verschiedene Komponenten zusammen. Wie viel Geld dafür im Einzelfall vom Einsatz abgezweigt wird, ist selten transparent. Das muss zwar im Key-Information-Document ausgewiesen werden. Aber diese Unterlage ist oft nur schwer verständlich – gerade, wenn Sie Einsteigerin oder Einsteiger sind.
  • Kosten: Bei Zertifikaten gilt: Jede Komponente, die verbaut wird, hat ihren Preis und auch der Aufwand bei der Konzeption muss bezahlt werden. Seien Sie sich also bewusst darüber, dass die Anlage in Zertifikate mit vergleichsweise hohen direkten und indirekten Kosten verbunden ist. Beides schmälert am Ende die Renditeaussichten.

Auf welche Kosten ist bei Zertifikaten zu achten?

Jedes Wertpapierinvestment ist mit Kosten verbunden – das gilt auch für Zertifikate. Index- und Discount-Zertifikate sind häufig vergleichsweise günstig, bei Knock-Out-Produkten können die Kosten höher ausfallen. Wir haben Ihnen unten die üblichen Zuschläge aufgelistet. Welche Kosten genau entstehen und wie hoch sie ausfallen, hängt vom jeweiligen Zertifikatetyp und vom Anbieter ab. Bei der Sparkasse KölnBonn beispielsweise werden Zertifikate in der Beratung in der Regel als Erstemission (Neuemission) gezeichnet – dabei fällt typischerweise der Ausgabeaufschlag an; ein Spread oder eine Orderprovision entsteht in diesem Fall meist nicht.

Ordergebühr

Wie beim Erwerb von jedem anderen Wertpapier auch müssen Sie beim Kauf von Zertifikaten eine Bankprovision und Börsengebühren zahlen. Wie hoch diese Positionen ausfallen, hängt von den Konditionen Ihrer Depotbank ab.

Spread

Ähnlich wie bei ausländischem Bargeld, das Sie vor einer Reise zu Hause erwerben wollen, gibt es im Handel mit Zertifikaten eine Differenz zwischen dem Ankauf- (Geld) und dem Verkaufskurs (Brief). Der höhere Briefkurs zeigt, zu welchem Preis Sie als Anlegerin oder Anleger das Zertifikat kaufen können. Der Geldkurs gibt an, zu welchem Preis die Bank oder der Händler das Zertifikat zurücknimmt. Diese Differenz wird auch als Spread bezeichnet. Sie ist eine Art Absicherungsgebühr, die Emittenten oder Makler dafür erheben, dass sie im fortlaufenden Handel jederzeit Kurse stellen. Wichtig für Sie: Der Spread, also die Geld-Brief-Spanne, ist nicht konstant hoch. Vor allem in turbulenten Börsenphasen weitet er sich aus.

Ausgabeaufschlag/Aufgeld

Ähnlich wie bei Investmentfonds wird bei neu herausgegebenen Zertifikaten häufig ein Aufschlag fällig. Er liegt üblicherweise zwischen ein und drei Prozent des Ausgabekurses.

Währungsabsicherung

Viele Basiswerte notieren in ausländischer Währung – Gold zum Beispiel in Dollar. Viele Emittenten bieten Zertifikate an, bei denen das Währungsrisiko, das damit für Anlegerinnen und Anleger aus dem Euroraum verbunden ist, ausgeschaltet wird. Dadurch entstehen zusätzliche Kosten, die sich jährlich meist zwischen 1,5 % und 2 % bewegen.

Rücknahmegebühr

Bei manchen Zertifikaten mit sehr komplizierten Strukturen werden Gebühren von rund ein bis zwei Prozent für die Rücknahme erhoben, wenn Sie das Zertifikat vor Ende der Laufzeit zurückgeben. Die Höhe dieser Rücknahmegebühr ist für Sie im jeweiligen Verkaufsprospekt ersichtlich.

Wie Sie in jeder Marktsituation in passende Zertifikate investieren können

Wer in eine Aktie investiert, erwartet, dass der Kurs steigt, damit am Ende ein Gewinn bei dem Geschäft herauskommt. Zertifikate erweitern die Anlagemöglichkeiten. Die unterschiedlichen Typen und Auszahlungsstrukturen bieten Anlegerinnen und Anleger die Möglichkeit, auch in anderen Marktsituationen Renditechancen zu nutzen – zum Beispiel, wenn die Kurse stark schwanken oder sich umgekehrt nur ganz wenig auf und ab bewegen. Das ist ein wichtiger Unterschied zu Aktien. Zu jeder Anlagestrategie und Börsensituation gibt es passende Zertifikate-Varianten, die Gewinn versprechen.

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Von Kurssteigerungen profitieren

Ganz klassisch auf steigende Kurse setzen – das geht selbstverständlich auch mit Zertifikaten. Wenn der Basiswert zulegt, können Anlegerinnen und Anleger davon zum Beispiel auch mit Index- oder Bonus-Zertifikaten profitieren.

Index-Zertifikate

Index-Zertifikate sind die einfachste Variante unter allen Zertifikatetypen. Historisch haben Zertifikate damit auch ihren erfolgreichen Start mit der Indexvariante geschafft. Wie der Name bereits sagt, beziehen sich Indexzertifikate auf einen bestimmten Index als Basiswert. Die Wertentwicklung dieses Börsenbarometers bilden sie nahezu 1:1 nach. Das ist transparent und leicht verständlich. Wegen der breiten Streuung – im Deutschen Aktienindex sind zum Beispiel ständig vierzig Aktien enthalten – wird das Anlagerisiko zudem breit gestreut. Dazu kommt, dass sie häufig keine feste Laufzeit haben und im Vergleich zu anderen Zertifikatetypen sehr kostengünstig sind. Das macht sie grundsätzlich auch für eine langfristige Anlage geeignet. Allerdings sollten dann nur Emittenten gewählt werden, die über eine einwandfreie Bonität verfügen.

Basket-Zertifikate

Basket-Zertifikate sind im Grunde nichts anderes als Wertpapierkörbe, die nach bestimmten Kriterien zusammengestellt werden. Der Deutschen Aktienindex umfasst zum Beispiel die vierzig größten deutschen Aktien, die an der Frankfurter Börse gelistet sind. Basket-Zertifikate sind damit quasi die Zwillingsprodukte von Indexzertifikaten. Der Unterschied ist, dass der Emittent die Wertpapierkörbe individuell zusammenstellen kann – zum Beispiel, indem er die fünfzig wichtigsten Aktien aus dem Bereich Künstliche Intelligenz zusammenstellt. Der Korb kann aber auch Anleihen, Rohstoffe oder andere Wertpapierkörbe enthalten. Grundsätzlich begründen muss der Emittent die Auswahl nicht, auch nicht, nach welchen Kriterien er die Zusammensetzung im Zeitablauf verändert. Aber in der Praxis macht er seine Entscheidung häufig transparent, damit sich Anlegerinnen und Anleger ein Bild von den Chancen und Risiken des Papiers machen können.

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Gewinne trotz seitwärts laufender Kurse

Die Konjunkturaussichten sind gut, die Unternehmensgewinne steigen – aber manchmal läuft es an der Aktienbörse einfach nicht rund – zum Beispiel, weil die Zinsen steigen und die Investorinnen und Investoren ihr Geld lieber in sichere Anleihen umschichten. Einige Zertifikate wie etwa Bonus- und Express-Zertifikate werfen vergleichsweise hohe Gewinne ab, auch wenn der Basiswert kaum oder nur steigt.

Bonus-Zertifikate

Bonus-Zertifikate zahlen am Ende der Laufzeit einen festen Betrag, wenn der Kurs des Basiswerts (z. B. Aktie oder Index) während der Laufzeit eine bestimmte Schwelle nicht berührt oder unterschritten hat. Wird die Schwelle überschritten, entfällt der Bonus, und es wird nur der Nennwert oder der aktuelle Kurs des Basiswerts zurückgezahlt. Das Risiko hoher Verluste oder Totalverlusts besteht, wenn der Basiswert stark fällt. Daher sollten große, stabile Unternehmen oder bekannte Indizes gewählt werden, um das Verlustrisiko zu minimieren. Bonus-Zertifikate sind vor allem für Anlegerinnen und Anleger geeignet, die mit seitwärts oder moderat steigenden Kursen rechnen.

Express-Zertifikate

Express-Zertifikate haben eine feste Laufzeit, die vorzeitig endet, wenn der Kurs des Basiswertes an einem Bewertungstag eine definierte Tilgungsschwelle erreicht oder überschreitet. In diesem Fall wird das Papier vorzeitig zum Nennwert und mit Zinsen zurückgezahlt.

Liegt der Kurs des Basiswertes unter der Tilgungsschwelle, läuft das Zertifikat weiter. Am nächsten Bewertungstag wird erneut überprüft, ob die Schwelle erreicht wurde. Wird sie auch dann nicht überschritten, gibt es nur den Nennwert zurück, ohne Zinszahlung. Wenn der Kurs zudem eine Schutzbarriere unterschreitet, wird der aktuelle Kurs des Basiswertes ausgezahlt, was zu Verlusten führen kann.

Einige Express-Zertifikate bieten zusätzlich einen Schutz (Protect-Level), der mindestens den Nennwert am Ende der Laufzeit garantiert, wenn das Protect-Level nicht verletzt wurde. Dies geht jedoch zulasten des Zinsbetrags.

Fazit: Express-Zertifikate sind geeignet, wenn Anlegerinnen und Anleger erwarten, dass der Basiswert die Tilgungsschwelle erreicht, und das Risiko einer Barriereverletzung gering eingeschätzt wird.

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Gewinnchancen auch bei leicht fallenden Kursen nutzen

Die Börsenstimmung ist gedrückt, die Kurse tendieren abwärts, aber sie fallen nicht gleich ins Bodenlose. In diesem Marktumfeld sind Discount- oder Airbag-Zertifikate eine überlegenswerte Anlagealternative. Beide Zertifikatetypen bieten einen Puffer gegenüber dem aktuellen Börsenkurs des Basiswertes, werden dann später bei Fälligkeit aber zu einem höheren Betrag ausbezahlt. Dadurch eröffnen diese Papiere die Chance, auch bei moderaten Kursverlusten eine positive Rendite zu erzielen. Dieser Kurspuffer reicht allerdings nur bis zum aktuellen niedrigen Zertifikatekurs beziehungsweise einer fest definierten Schwelle. Wird dieser Grenzwert unterschritten, sind theoretisch unbegrenzte Verluste möglich, wenn die Anlegerin oder der Anleger das Papier nicht vorzeitig über die Börse verkauft oder an den Emittenten zurückgibt. Eine positive Rendite zu erzielen, ist in dem Fall unwahrscheinlich.

Discount-Zertifikate

Discount-Zertifikate ermöglichen den Einstieg zu einem günstigeren Preis als der aktuelle Marktwert des Basiswerts. Sie partizipieren 1:1 an dessen Wertentwicklung, aber das Gewinnpotenzial ist begrenzt: Am Ende der Laufzeit wird höchstens ein festgelegter Maximalbetrag (Cap) ausgezahlt, auch wenn der Kurs höher liegt. Es gibt drei Szenarien:

  1. Der Basiswert notiert unter dem Ausgabekurs: Der Emittent zahlt den aktuellen Kurs oder den Basiswert aus. Verluste entstehen, wenn der Kurs den Puffer unterschreitet.
  2. Der Basiswert liegt zwischen Ausgabekurs und Cap: Der Basiswert wird zurückgegeben und kann mit Gewinn verkauft werden.
  3. Der Basiswert liegt auf oder über dem Cap: Der Maximalbetrag wird ausgezahlt, ein Teil des Gewinns entfällt.

Die Markterwartung sollte eine seitwärts bis leicht steigende Entwicklung des Basiswerts sein.

Airbag-Zertifikate

Mit diesem Zertifikatetyp können Anlegerinnen und Anleger in einem bestimmten Verhältnis an steigenden Kursen des Basiswerts partizipieren. Gleichzeitig schützt der Airbag das eingesetzte Kapital bis zu einer bestimmten Schwelle vor Verlusten – oftmals sind das zwischen 70 % und 85 % des Nennwertes. Erst, wenn diese Schwelle unterschritten wird, entstehen Verluste.

Anlegerinnen und Anleger profitieren, wenn auch nur anteilig, aber dafür meist uneingeschränkt von Kurssteigerungen des Basiswertes – und dennoch ist ihr Kapital geschützt. Bei Unterschreiten der Sicherungsschwelle kann das Zertifikat allerdings stark an Wert verlieren – bis hin zum Totalverlust.

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Mit Risiko auf überproportionale Gewinne setzen

Manchmal suchen Anlegerinnen und Anleger nach höheren Risiken, um potenziell höhere Renditen an der Börse zu erzielen. Dann sind Hebel- oder Knock-out-Zertifikate die passende Wahl. Sie bieten die Möglichkeit, mit vergleichsweise kleinem Einsatz überproportional an Kursbewegungen zu partizipieren – und zwar sowohl nach oben, wie nach unten. Entscheidend ist, dass sich der Basiswert dafür in die erwartete Richtung bewegt. Ist das nicht der Fall, kommt es zu großen Verlusten.

Hebel- und Knock-out-Zertifikate

Hebel- und Knock-out-Zertifikate enthalten hochspekulative Options- oder Termingeschäfte, die es Anlegern ermöglichen, multiplikativ von Kursbewegungen des Basiswerts zu profitieren. Der Einsatz des Zertifikats ist nur ein Bruchteil des Basiswertkurses, aber die Partizipation erfolgt im Verhältnis des Hebels. Beispiel: Ein Hebelzertifikat auf einen Basiswert, der bei 100 Euro notiert, kostet nur 10 Euro. Steigt der Basiswert auf 110 Euro, legt das Zertifikat aufgrund des Hebels um 100 % zu, obwohl der Basiswert nur um 10 % gestiegen ist.

Der Hebel wirkt jedoch auch in die andere Richtung: Sinkt der Basiswert, kann der Verlust bis zum Totalverlust des Zertifikats führen.

Knock-out-Zertifikate sind ähnlich, jedoch verfällt das Zertifikat wertlos, wenn eine festgelegte Knock-out-Schwelle erreicht wird, was zu einem Totalverlust führt.

Beide Zertifikate ermöglichen es, sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse zu setzen. Aufgrund des hohen Risikos sollten nur Beträge investiert werden, deren Verlust verkraftbar ist.

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Von hoher Verzinsung profitieren

Bei vielen Zertifikatetypen besteht die Renditechance durch die Aussicht auf einen Auszahlungsgewinn am Ende der Laufzeit. Es gibt aber auch Papiere, die ähnlich wie eine herkömmliche Anleihe während der Laufzeit regelmäßige Auszahlungen vorsehen. Dazu gehören zum Beispiel Aktienanleihen, aber auch einige Express-Varianten.

Aktien- und Indexanleihen

Aktienanleihen bieten eine laufende Verzinsung in Form eines festen Kupons, der über der Verzinsung sicherer Anleihen liegt. Dabei sind Kupons von 5 Prozent bis 10 Prozent häufig. In Phasen sehr niedriger Zinsen und bei besonders risikoreichen Basiswerten kommen auch zweistellige Kupons (über 10 Prozent) vor.

Allerdings kann es bei Fälligkeit zu Problemen kommen: Die Anleihe wird zum Nennwert zurückgezahlt, wenn der Kurs des Basiswerts (z. B. eine Aktie oder ein Index) während der Laufzeit eine festgelegte Barriere nicht berührt. Wird diese Barriere jedoch verletzt, erhalten Anlegerinnen und Anleger den Basiswert statt den Nennwert, entsprechend einem festgelegten Bezugsverhältnis. Der Kupon wird in jedem Fall gezahlt, außer bei Knock-Out-Anleihen, bei denen der Kupon entfallen kann, wenn die Barriere verletzt wird.

Das Risiko lässt sich durch die Wahl eines soliden Basiswerts verringern.

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Zertifikate für Vorsichtige

Im großen Zertifikate-Kosmos aus unterschiedlichen Varianten und Risikoprofilen kommen auch vorsichtige Anlegerinnen und Anleger zum Zuge – zum Beispiel mit Garantie-Zertifikaten.

Garantie-Zertifikate

Garantie-Zertifikate sind strukturierte Anlageprodukte, bei denen der Emittent die Rückzahlung des Kapitals zum Laufzeitende garantiert – auch dann, wenn der Basiswert, auf den sich das Zertifikat bezieht, negativ entwickelt. Diese Garantie bezieht sich allerdings nur auf den Nenn- oder Nominalwert des Papiers. Je nach Kaufkurs und Ausgabeaufschlag kann die Höhe des tatsächlich eingesetzten Kapitals davon abweichen. Die Garantie setzt zudem voraus, dass der Emittent bis zum Ende der Laufzeit ausreichend zahlungsfähig bleibt.

Der Vorteil der Garantiepapiere ist, dass Inhaber damit nahezu unbegrenzt an der positiven Wertentwicklung des Basiswerts partizipieren, während das Verlustrisiko vergleichsweise gering ist. Diese Sicherheit gibt es allerdings nicht zum Nulltarif. Der Schutz mancher Garantie-Zertifikate bezieht sich nur auf 90 Prozent des Nennbetrags. Andere Varianten hingegen machen eine positive Aufwärtsbewegung nur anteilig mit – zum Beispiel nur 80 Prozent davon. Das mindert entsprechend die Gewinnchancen.

Also: Für wen sind Zertifikate eine gute Geldanlage?

Zertifikate bieten für verschiedene Basiswerte und Risikoneigungen passende Optionen – von konservativen Papieren mit Kapitalschutz bis hin zu hochspekulativen Hebelpapieren für risikofreudige Anlegerinnen und Anleger. Letztere erfordern jedoch ein tiefes Verständnis der Struktur, um Verluste zu vermeiden.

Zertifikate ermöglichen einfache Investitionen in Märkte wie Rohstoffe und erlauben es, unterschiedliche Kurserwartungen abzubilden. Sie bieten auch höhere Renditechancen als Direktinvestments, jedoch bei höheren Risiken.

Für Einsteigerinnen und Einsteiger sind Zertifikate ohne fachkundige Beratung aufgrund der Risiken und Angebotsfülle weniger geeignet. Grundsätzlich gilt – Zertifikate sollten nur als Beimischung in einem Portfolio verwendet werden. Auch langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger können von Zertifikaten profitieren, sofern sie die Entwicklung aktiv verfolgen und das Emittentenrisiko im Blick behalten. Für reine Buy‑and‑Hold‑Strategien, bei denen keine weitere Überwachung erfolgt, sind Zertifikate hingegen weniger empfehlenswert.

Scribble mit Glühbirne

Alternative Anlagemöglichkeiten für Einsteigerinnen und Einsteiger

Basiswert, Aufgeld, Chance-Risiko-Profil – klingt alles etwas kompliziert. Ist es im Grunde auch – jedenfalls, wenn man mit der Anlage in Zertifikaten keine Erfahrung hat. Sie sind eher etwas für fortgeschrittene Wertpapieranlegerinnen und -anleger. Für Einsteigerinnen und Einsteiger eignen sich alternativ Aktien, Fonds oder Anleihen. Auch dabei handelt es sich um Wertpapieranlagen. Im direkten Vergleich zu Zertifikaten sind sie jedoch weniger komplex und haben zum Teil auch ein geringeres Risiko.

Wie und wo kann ich Zertifikate kaufen?

Zertifikate werden an der Börse gehandelt. Das Angebot ist groß. Laufen bestimmte Zertifikate aus oder werden sie vorzeitig fällig, werden sie meist taggleich durch neue mit gleichem Basiswert und ähnlicher Laufzeit ersetzt. Daher ist es wichtig, sich vor dem Kauf gut zu informieren und diese Fragen zu klären:

  • In welchen Basiswert will ich investieren?
  • Welche Kurserwartung habe ich innerhalb eines bestimmten Zeitraums?
  • Welche Renditeerwartung habe ich?
  • Welches Risiko bin ich bereit, dafür einzugehen?

Aus diesen Vorgaben ergibt sich, welche Zertifikatetypen zu Ihrem Investmentvorhaben passen.

Nachdem Basiswert und Zertifikatetyp festgelegt sind, hilft eine gezielte Suche, das passende Papier zu finden. Finanzportale und Emittenten-Websites bieten Suchmaschinen, mit denen Sie Kriterien wie Basiswert, Laufzeit, Rendite und Risiko eingeben können.

Ist die Auswahl getroffen, gibt es zwei Möglichkeiten, ein Zertifikat zu kaufen:

  • Börse: Geben Sie eine Wertpapierorder mit WKN/ISIN und Handelsplatz auf (z. B. Frankfurt oder Stuttgart). Ein Limit kann sinnvoll sein.
  • Direkt beim Emittenten: Viele Banken und Sparkassen bieten ihren Kunden Zugang zu privaten Handelsplattformen oder verkaufen Zertifikate direkt.

Depot eröffnen und schon bald profitieren

Mit Zertifikaten oder anderen Wertpapieren: Ein Depot ist der Grundstein, um mehr aus Ihrem Geld zu machen. Das Gute: Bei der Sparkasse KölnBonn gibt’s das schon ab 0 Euro.

Fazit: Gute Alternative, sofern man die Risiken versteht

Zertifikate können eine gute Anlagemöglichkeit sein, vor allem, weil Sie von verschiedenen Marktentwicklungen profitieren können. Voraussetzung ist, dass Sie sich mit den Risiken und dem passenden Basiswert auskennen. Für Einsteigerinnen und Einsteiger sind Zertifikate weniger geeignet – Fonds, ETFs und Anleihen sind hier bessere Alternativen. Wer unsicher ist, sollte sich beraten lassen, anstatt eigenständig zu investieren. Die Beraterinnen und Berater der Sparkasse KölnBonn stehen gerne zur Verfügung.

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