Kryptogeld: „Neue Entwicklungen trotz Ernüchterung“

Philipp Sandner ist Professor an der Frankfurt School of Finance & Management und leitet das dortige Blockchain Center. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit den Chancen und Grenzen der neuen Blockchain-Technologie – und hat dabei auch die Kryptowährungen im Blick. Im Kurzinterview berichtet er über die möglichen Hintergründe der intensiven Kursschwankungen und verrät, wie sich die Technologie in den Alltag der Verbraucher vorarbeiten könnte. 
 

Juli 2019

Stocksy/Martí Sans

Herr Sandner, der Bitcoin-Kurs ist im vergangenen Jahr zwischenzeitlich um bis zu Prozent abgestürzt. War die Aufregung um die Kryptowährungen übertrieben?
Die Aufregung, die sich 2017 und 2018 entwickelt hatte, galt nicht nur Bitcoin, sondern auch den vielen Initial Coin Offerings, kurz: ICOs, die auf den Markt kamen. ICOs stellen eine Methode des Crowdfunding dar, die es Start-ups ermöglichen, sich über die Ausgabe sogenannter Token auf einer Blockchain, also digitaler Anteile, zu finanzieren – es ist eine Art Onlinebörsengang, der Kapital in die Kassen der Unternehmen spülen soll. Das war ein einfacher und unbürokratischer Weg, um Geld einzusammeln. Dabei versprachen die Start-ups den Investoren hohe Gewinne. Dies hat sich auch auf den Bitcoin-Kurs ausgewirkt. Die Aufregung hat natürlich verschiedene Hintergründe bei verschiedenen Investoren. Menschen, die an Bitcoin und die Blockchain-Technologie glauben, investierten um der Technologie willen. Andere wollten den Hype nicht verpassen und die Gewinne, die ihnen versprochen wurden – und folgten der Mehrheit.

Das Blockchain-Prinzip

Quelle: Frankfurt School Blockchain Center

A möchte eine Transaktion B durchführen; zum Beispiel Geld überweisen.

Quelle: Frankfurt School Blockchain Center

Alle Informationen einer Transaktion bilden einen sogenannten Block.

Quelle: Frankfurt School Blockchain Center

Der Block wird an alle Netzwerkmitglieder geschickt.

Quelle: Frankfurt School Blockchain Center

Die Mitglieder prüfen, ob die Transaktion OK ist.

Quelle: Frankfurt School Blockchain Center

Der Block kann nun zur Blockchain hinzugefügt werden. Diese dient als unlöschbares und transparentes Archiv der Transaktionen.

Quelle: Frankfurt School Blockchain Center

Die Transaktion ist durchgeführt. B sieht zum Beispiel, dass Geld von A bei ihm angekommen ist.

Das erklärt den Aufschwung – aber nicht das zwischenzeitliche Tief.
Viele ICOs haben sich leider die Aufregung zunutze gemacht und sind ihren Versprechen gegenüber den Investoren nie nachgekommen. Hat man sich hierbei nicht ausreichend erkundigt und war sich der Risiken nicht bewusst, konnte das für Anleger in einem Totalverlust enden. Dies gilt nicht bei allen diesen Vorhaben, aber doch bei ausreichend vielen, sodass sich viele Investoren aus dem Markt schnell wieder zurückgezogen und den bekannten Kursabsturz verursacht haben.  Dies hatte wiederum einen Einfluss auf den Bitcoin-Kurs. Heute arbeiten Regulatoren daran, den Anleger besser zu schützen. Beim sogenannten Security Token wird etwa ein digitaler Token rechtlich genauso behandelt wie eine Aktie – das erhöht die Sicherheit für Anleger. Denn die Start-ups müssen ihr Geschäftsmodell und ihre Pläne ausführlich in einem Prospekt darlegen, dass zudem von der Finanzaufsicht Bafin geprüft wird.

Philipp Sandner, Professor an der Frankfurt School of Finance & Management und Leiter des Blockchain Centers

Werden sich Kryptowährungen weiter in den Alltag von Verbrauchern vorarbeiten? 
Trotz der Ernüchterung des letzten Jahres gibt es weiterhin neue Entwicklungen von Produkten und Dienstleistungen in diesem Bereich – etwa Apps, die das Bezahlen im Alltag leichter machen sollen. Dazu muss jedoch gesagt werden: Kryptowährungen können auch als Geldanlage interessant sein, für den alltäglichen Verbrauch als Zahlungsmittel finden sie jedoch kaum Anwendung. Es gibt nur wenige Geschäfte oder Dienstleistungen in Deutschland, die Kryptowährungen akzeptieren. 

Also wird der Verbraucher auch in Zukunft eher wenig mit der Blockchain zu tun haben?
Nicht unbedingt, aber vielleicht eher im Verborgenen. Ein anderer Aspekt ist nämlich die Verbindung von digital vernetzten Maschinen und Anlagen mit Kryptowährungen. Ein Beispiel: Wenn Maschinen über die Blockchain-Technologie direkt miteinander kommunizieren, können sie Dienstleistungen in Anspruch nehmen und diese ohne menschliches Zutun mithilfe von automatisierten Verträgen, sogenannten Smart Contracts, bezahlen. Diese Zahlungen zwischen Maschinen könnte etwa ein Auto tätigen, wenn es in ein Parkhaus einfährt und bei der Ausfahrt für die beanspruchte Zeit bezahlt. Heutzutage wird dies über Parkscheine oder Parkmünzen von einem Menschen getätigt. Eine Parkmünze kann durch einen Token ersetzt werden. Genauso könnte das etwa beim Laden von Elektroautos passieren – da würde das Auto automatisiert mit dem Betreiber abrechnen. In zwei bis drei Jahren könnten solche Szenarien bereits realistisch sein.

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