„Bitcoin ist ein digitaler Rohstoff“

Philipp Sandner ist Professor an der Frankfurt School of Finance & Management und leitet das dortige Blockchain Center. Er beobachtet die Welt der Kryptowährungen sehr genau. Im Interview berichtet er, was hinter der Entwicklung der vergangenen Monate steckt. 

April 2021

Stocksy/Martí Sans

Herr Sandner, der Kurs vieler Kryptowährungen, insbesondere des Bitcoins, ist im Laufe der letzten Monate stark angestiegen. Hat Sie das überrascht?
Dass der Kurs so stark ansteigen würde, war nicht vorhersehbar. Doch ich konnte mir vorstellen, dass sich insbesondere der Preis des Bitcoins erhöhen würde. Das Angebot ist mathematisch eingeschränkt, die Nachfrage ist gestiegen. Bitcoin oder Ether sind so etwas wie digitale Rohstoffe – vergleichbar etwa mit Gold, Platin oder Bor.

Das Blockchain-Prinzip

Quelle: Frankfurt School Blockchain Center

A möchte eine Transaktion B durchführen; zum Beispiel Geld überweisen.

Quelle: Frankfurt School Blockchain Center

Alle Informationen einer Transaktion bilden einen sogenannten Block.

Quelle: Frankfurt School Blockchain Center

Der Block wird an alle Netzwerkmitglieder geschickt.

Quelle: Frankfurt School Blockchain Center

Die Mitglieder prüfen, ob die Transaktion OK ist.

Quelle: Frankfurt School Blockchain Center

Der Block kann nun zur Blockchain hinzugefügt werden. Diese dient als unlöschbares und transparentes Archiv der Transaktionen.

Quelle: Frankfurt School Blockchain Center

Die Transaktion ist durchgeführt. B sieht zum Beispiel, dass Geld von A bei ihm angekommen ist.

Was meinen Sie damit?
Man muss auch Kryptowährungen schürfen. Das kostet Aufwand und Strom. Doch so erhält man knappe Güter, die gehandelt werden können. Und wie bei Gold und Co. ist zu Beginn nicht bekannt, wie viel man damit tatsächlich anfangen kann. Nach und nach entdeckt dann die Industrie, wozu der Rohstoff gut geeignet ist – und der Bitcoin fängt gerade erst an, populär zu werden. Diesen Verbreitungsprozess der digitalen Rohstoffe beobachten wir aktuell.

Philipp Sandner, Professor an der Frankfurt School of Finance & Management und Leiter des Blockchain Centers

Und warum steigt die Neugier von Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie von Unternehmen, sich mit Kryptowährungen zu beschäftigen?
Dahinter stecken zwei Aspekte, die sich gegenseitig überlagern. Zum einen erkennen die Menschen, dass es sich eben um einen digitalen Rohstoff handelt – und sie spekulieren, dass der Preis dafür übermorgen höher ist als heute. Dabei handelt es sich um ein Investment. Zum anderen gibt es Menschen, die eine starke Inflation befürchten, weil die Zentralbanken ihre Bilanzen stark erhöht haben. Diese überlegen, was sie mit ihrem Geld machen wollen. Und da kann der Bitcoin, neben Immobilien oder Silbermünzen, ein Baustein der Vermögenssicherung sein.

Wie können sich Verbraucherinnen und Verbraucher dem Thema nähern?
Es macht in jedem Fall Sinn, sich mit der Blockchain-Technologie zu beschäftigen. Dahinter steckt ein unglaubliches Potenzial und das Thema nimmt langsam an Fahrt auf. Es gilt aber natürlich immer: Man muss sich gut darüber informieren – und sollte man selbst investieren wollen, dann ist es besser, nicht alles auf eine Karte zu setzen.

Werden wir denn bald im Alltag mehr mit Kryptowährungen bezahlen?
Das halte ich angesichts der starken Kursschwankungen für recht unwahrscheinlich. Ich erwarte momentan nicht, dass die Zahl derer, die beispielsweise den Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren, zunehmen wird. Spannend ist aber natürlich, dass sich Aggregatoren wie Paypal mit dem Thema befassen und Kryptowährungen in ihr Angebot integrieren wollen. So könnte das indirekte Bezahlen mit Bitcoin und Co. zunehmen.

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