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„Ohne Zuschauer zu spielen, ist eine bittere Pille“

Wolfgang Wiedlich, seit 1998 Präsident der Telekom Baskets Bonn, spricht im Interview mit meinkoelnbonn.de über die Herausforderung für Profivereine während der Pandemie, die Nutzung der vereinseigenen Halle in Krisenzeiten und seine Erwartungen an die kommenden Monate.

Im vereinseigenen Telekom Dome finden die Spiele der Profis normalerweise vor bis zu 6.000 Zuschauern statt, aktuell sind bei den Partien allerdings keine Fans zugelassen.
Wolfgang Wiedlich ist seit dem Jahr 1998 Präsident der Telekom Baskets Bonn. Foto: Jörn Wolter

Die Telekom Baskets Bonn spielen seit 25 Jahren in der Basketball-Bundesliga. In dieser Zeit konnten sie acht Finalteilnahmen in Meisterschaft und Pokal erreichen.

Herr Wiedlich, ist die Corona-Pandemie die größte Herausforderung, der Sie sich als Präsident der Telekom Baskets Bonn je stellen mussten?

Sie ist groß, aber die Hallenbauphase war wirtschaftlich schwieriger.

 

Was hat sich für den Verein durch die Pandemie geändert?

Es ist schon ein seltsames Gefühl. Es gibt ja nicht nur Geisterspiele in der Bundesliga, sondern auch eine Art Geisterstimmung auf der Geschäftsstelle. Der Kinder- und Jugendsport findet ebenfalls nicht statt. Wir liegen in einer Art Wachkoma.

Die Corona-Pandemie im Profisport

Ist die Krise für Profiteams der Basketball-Bundesliga schwerer zu bewältigen als für Mannschaften der Fußball-Bundesliga?

Ja, das ist wirtschaftlich sicherlich so. Ganz einfach deshalb, weil unsere Ticketerlöse rund 20 bis 25 Prozent des Gesamtbudgets ausmachen.

Ist es von besonderer Bedeutung, dass die Spiele weiterhin stattfinden, selbst wenn zu den Partien keine Zuschauer zugelassen sind?

Für die Sportart ist es gut, weil sie wenigstens im Fernsehen beziehungsweise via MagentaSport stattfindet. So bleibt man im Gespräch. Aber ohne Zuschauer zu spielen, ist eine bittere Pille, nicht nur wirtschaftlich.

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Um den Spielbetrieb aufrecht erhalten zu können, werden alle Teammitglieder regelmäßig getestet. Wie läuft das im Detail ab?

Das ist ein erheblicher Aufwand. Zweimal pro Woche wird getestet, es werden Proben genommen, die dann zu den Labors gefahren werden. Das ist natürlich auch ein Kostenfaktor.

Die entstehenden Mehrkosten für die Tests müssen einkalkuliert werden. Läuft die Budgetplanung in Zeiten der Corona-Pandemie auch deshalb anders ab als sonst?

Nein, die Tests schlagen kein Riesenloch in den Etat.

Bei Ihrer Planung müssen Sie stets auch die Kosten für die vereinseigene Halle einkalkulieren, die 2008 eröffnet wurde. Wie lange dauert es noch, bis der Kredit abbezahlt ist?

Da lassen wir uns aktuell etwas Zeit. Möglicherweise setzen wir im Laufe der Saison auch die Tilgung des Kredits aus. Es ist nur noch ein Drittel des ursprünglichen Kredits übrig. Die Grundkosten für die Großimmobilie sind mehr das Problem, die coronabedingt aktuell nicht durch Veranstaltungserlöse gedeckt werden können.

Wussten Sie schon, dass Sie die Telekom Baskets nicht nur im Herzen, sondern auch im Portemonnaie immer dabei haben können?

Wie sind Sie bisher insgesamt gesehen durch die Krise gekommen?

Mit zwei blauen Augen. Die Luft würde natürlich noch dünner, wenn die Saison 2021/22 ebenfalls ohne Zuschauer stattfinden müsste.

Was hat dem Verein während der Krise geholfen?

Fans haben nur zu einem geringen Teil ihren Regressanspruch für die letzte Saison reklamiert, wie zudem fast alle Sponsoren auf Regress verzichtet haben. Überdies haben viele Fans die sogenannte Herzblut-Dauerkarte gebucht, deren Motto lautet: Wir zahlen, selbst wenn wir nicht in die Halle dürfen. Das ist mehr als ein Schulterklopfen, sondern spült etwas Geld in die Kasse.

Spiele mit oder ohne Zuschauer?

Werden in der bis Juni andauernden Saison Ihrer Einschätzung nach wieder Zuschauer zu den Spielen im Telekom Dome zugelassen werden?

Ich denke eher nein. Gleichwohl haben wir ein ausgeklügeltes Hygienekonzept erarbeitet. Und ich bin überzeugt, dass 1.200 Zuschauer in einer 6.000er-Arena kein erhöhtes Infektionsrisiko darstellen, wenn sich alle Zuschauer an die Regeln halten, wovon ich bei unseren Zuschauern ebenfalls überzeugt wäre.

Was bekommen Zuschauer bei einem Heimspiel der Telekom Baskets im Normalfall geboten?

Ein spannendes Match und eine tolle Atmosphäre, die dann in der Tat etwas Ansteckendes hat.

Die Chance der Telekom Baskets Bonn auf die Play-offs

Aktuell steht Ihre Mannschaft nicht auf einem der acht Play-off-Plätze. Werden sich die Telekom Baskets Bonn zum Saisonende dennoch für die Meisterschaftsrunde qualifizieren?

Wir hatten ein schweres Auftaktprogramm und sind mit 0:10-Punkten gestartet. Inzwischen sieht es etwas besser aus. Wenn uns keine schweren Verletzungen heimsuchen, werden wir eine reale Chance auf die Play-offs haben.

Und was ist für Sie in der kommenden Saison drin, wenn die Corona-Pandemie wohl nur noch eine untergeordnete Rolle spielt?

Tja, das mit dem „untergeordnet“ ist eine Hoffnung. Wenn man die Zahl der prioritär zu impfenden Personen aus Risikogruppen durch die Zahl der maximal pro Tag zu impfenden Personen dividiert, erkennt man schnell, dass der Pandemie-Spuk im Herbst 2021 noch nicht vorbei sein wird. „Auf Sicht fahren“ wird im neuen Jahr weiterhin eine gute Strategie sein.

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